Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
1262
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,r6r Reynolds.

zu Ausbildung seiner Talente wenig beytrug, unddie er daher jederzeit für ihn als verlorene Zeitachtete. Erst bey seiner Rückkehr nach London finger dann ernstlich an, sich unermüdet auf das Stu-dium und die Praktik feiner Kunst zu legen. Ver-schiedene Arbeiten machten ihn bald bey mehrernGroßen Vortheilhaft bekannt. Hauptsächlich aberward Lord Keppel sein besonderer Gönner undFreund, und that ihm, da er eben, als Komman-dant einer Eskadre, nach dem Mittelmeer abging,den Vorschlag ihn zu begleiten, was Reynoldsbegierig annahm, da solches ihm die Gelegenheit,Italien zu sehen, um so viel geschwinder gewäh-ren konnte (i/ 5 o.). Nach ein Paar MonathenAufenthalts zu Port-Mahon wurde endlich, aufder ersehnten Küste, zu Livorno gelandet; woraufer sich sofort nach Rom begab, wo er drey Jahreblieb, die Schulen der vorzüglichsten Meister be-suchte, sich in mehr als Einer Gattung, doch schondamals vorzüglich im Bildniß übte, und nament-lich, zu seinem Zeitvertrieb, oft auch Carrikaturenverfertigte. So sah man z. B. von ihm ein sehrgroßes Bild, welches all« damals in Rom befind-lichen Engländer, in den verschiedenen Stellungenvon Raphaels Schule von Athen darstellt. Vonihm heißt es daher in der Schrift: Winkelmannu. s. Jahrhundert (S- 284—85.) wohl nicht ohneGrund: „Er sey einer von den Ersten gewesen,die, Mengs zuwider (welcher, nächst den Antiken,Raphaels Werke für die edelsten Muster in derKunst erkannte), den Michel Angelo vorzog. DieseLehre nun habe, wahrscheinlich weil sie neu schien,bald Anhänger, besonders bey den Engländern ge-funden, und die veralterte unnütze Frage wiedererweckt, welcher von den erwähnten zwey großenMännern der preiswürdjgste gewesen sey. Uebri-gens habe R in Italien kein Werk von Bedeutunghinterlassen. Das Wenige, was man dort vonihm sehe, weiche daneben durchgängig von seinesangebeteten M. Angelo's gründlichem Wissen undgroßem Geschmack in den Formen so vollkommenab, daß man keinen Lobredner desselben in demVerfasser solcher Werke ahnden würde; wohl aberbestühnden seine Verdienste in der wirkungsvollenBeleuchtung, im kecken Pinsel, und einem sehrkräftigen, glänzenden Colorite." Bey seiner Rück-kehr nach England (1722.) zog er die Aufmerksam-keit hauptsächlich durch das Bildniß seines allge-mein geschätzten Gönners, LordKeppels, auf sich,welches ihm sofort den Ruf erwarb, daß er seitvan Dyck der erste Maler von ausgezeichnetem Ver-dienste sey, den England besessen habe, so daß die-jenigen der Zwischenzeit, Lely, Riley, Knelleru. s. f. ganz über ihm vergessen wurden. Als erdann vollends einige der vorzüglichsten weiblichenSchönheiten aus den größten Familien malte, unddiese Bildnisse bald durch vortrcfliche geschabteBlatter vervielfältigt worden, so ward er bald derallgemeine Lieblingsmaler in Europa , und erhieltmehr als einen Ruf an auswärtige Höfe, schlugaber alle aus, und begnügte sich, denselben aus-gezeichnete Arbeiten zu liefern. Ungefähr um 1770.wurde die jetzige Königliche Akademie der Malerey,Bildhauers und Baukunst von Großbrittannien,auf das Fundament eines schon früher (1760.) be-standenen Privatinstitus errichtet, und Reynoldszum ersten Präsidenten derselben erwählt. Als sol-cher zeichnete er sich durch mannigfaltige Verdiensteaus, und leitete er die Geschäfte derselben aufeine Weise, welche allgemeinen Beyfall erhielt *).In den I. 1781. und 8Z. machte er, zu seiner Er-holung, kurze Reisen in die Niederlande . In 1784.wurde er, nach Ramsay's Tode, zum ersten Malerdes Königes ernannt. Sein in 1792. erfolgterTod war die Folge einer langwierigen, schmerzhaf-ten Krankheit, die er mit Standhaftigkeit, Sanst-

Reynolds.

Muth, und selbst mit froher Laune vermischt, er-trug. Sein entseelter Leichnam ward, auf aus-drücklichen Befehl des Königes, in den Zimmmernder Akademie auf einem Paradebett ausgestellt. DerLordmajor und die Gherifs von London , nebstmehrern Hundert durch Talente, Geburt und Tu-gend ausgezeichneter Personen, folgten, in 94.Karoßen, seinem von 3 . Herzogen und 7. andernvornehmen Edelleuthen getragene» Sarge nach derSt. Pauls - Kirche. Die Akademisten beschlossen,auf einen Monath öffentliche Trauer um ihn anzu-legen, und ihm dort ein Denkmal errichten zu las-sen, das aber, so viel wir wissen, um 1807. nochnicht vollendet war. Meuse 1 Arch. l1.1. 190.Seine Hülle ruht indeß unter der Kuppel, zurSeite des berühmten Baumeisters, Christoph Wrcn.Er hinterließ ein beträchtliches Vermögen ( 4 o,ooo.Pf. Sterl.), wovon seine Nichte, Miß Palmer,die Haupterbin war; außerdem auch eine schätzbareSammlung von Gemälden, deren er über ein Du-tzend der vorzüglichsten von seiner eignen Handan verschiedne Herzoge, Lords u. a. legirt hatte;so wie über 16,000. Pf. an etliche seiner Verwand-ten und Freunde; so z. B. 4«oo. Pf. an Purke.Von seinem Personalcharakter heißt es bey Iiorillo:„Zu Hause u.nd im Ausland auf dem höchsten Gi-pfel des Ruhms, bewundert von den Meistern sei-ner Kunst, und von den Gelehrten aller Wissen-schaften, geschätzt und gesucht von Königen undFürsten , verließ doch diesen großen Künstler seinenatürliche Demuth, seine Bescheidenheit, seinegerade ungeheuchelte Aufrichtigkeit auch nicht einenAugenblick, selbst wenn man ihn unerwartet über-raschte oder aufbrachte. Er besaß nicht die ge-ringste Anmaßung oder Stolz in seinem ganzenBetragen oder Reden. Dabey war er ein höchstunterhaltender Gesellschafter; alle schönen Geisterseiner Zeit bildeten einen Zirkel um ihn, undGoldfintch hat ihn besungen." Und nun Rey-nolds der Künstler: »Mit Recht darf man ihnfür den Vater und Stifter der neuen BritlischenSchule ansehen, die nun seit einem halben Jahr-hundert so große Fortschritte gemacht hat. Erselbst war zwar weit entfernt, sich als das Ober-haupt einer solchen zu betrachten. Mit dem vollenStolz eines Engländers hielt er sich darum keines-wegs für berechtigt, von dem damals aufblühen-den Künstlergeschlechte besonders große Hoffnungenzu fassen, und sprach von der Epoche, wo sich inEngland eine eigne Malerschule werde ausgebildethaben, wie von einem Noch sehr entfernten Zeit-punkte. Als Bildnißmaler wird man ihn zwarnicht mit Tizian **) und van Dyck vergleichen, dochauch nicht weit unter sie setzen können. Er hatte,wie G Dosier richtig bemerkt, mehr dichterischePhantasie und Feinheit als der erste, mehr sogarals der zweyte; nur an Wahrheit übertrafen ihnbeyde. Sein Geschmack ließ sich nicht fesseln durchdas Ungraziöse unsrer modernen Kleidung; erdrappirte seine Bildnisse mit einem ihm eigenenSinn für Schönheit und Eleganz. In seinenStellungen, in seinen Physiognomien und Beleuch-tungen liest man eine seltene Gabe, das Eigen-thümliche eines jeden Charakters zu entwickeln undim vortheilhaftesten Licht erscheinen zu lassen. Diemeisten feiner Arbeiten sind daher zugleich als Werkder Einbildungskraft zu betrachten; und wenn derName des Individuums, nach welchem er malte,längst vergessen ist, wird man immer noch den Geist,der es beseelte, darin erkennen. In den häufigenBeurtheilungen seiner Kunst erfuhr ihm nicht im-mer volle Gerechtigkeit. Man lobte in seinen Wer-ken oft Schönheiten, die sie nicht hatten, und legteihnen Mängel zur Last, an denen er völlig unschul-dig war. Um ihn richtig zu beurtheile», muß mannie vergessen, in welchem Zustand er die Kunst in

*) 2 » -790. wollte er diese Stelle einer riemlich unbedeutenden Kränkung wegen aufgeben. Indessen vermochtendoch die Wunsche des Königes, daß er solche hepbehielt.

**) So (den Englischen Titian ) nannten ihn, nach Dallaway (II. -zz.) dir Engländer wirklich. Besser(mevnt er) harre derselbe den Namen des Englischen porden-nr verdient. — Wir denken, er heißeweiter am Füglichsten Josuah Reynolds.