Reynolds»
Reynolds. r26A
England vorfand. Etwas zu viel Vorliebe hattLer, wie wir bald unten hören werden, allerdingsfür neue Versuche mit den Farben; daher dieVer -gänzlich keil des Colorits in manchen seiner Bild-nisse mid historischen Stücke, die man freylich imAuslande nur nach Stichen kennt. Wenn erfremde Vorzüge erborgte, so geschah es immermir Wahl und Geschmack; auch verstand er sichsehr darauf, mancherley Manieren glücklich miteinander zu vereinigen. Er war in vielen StückenRembrandtisch, ohne ins Niedrige zu verfallen;wetteiferte mit Rubens , ohne, gleich ihm- zu über-treiben; und so erwarb er sich einen edeln, eigen-thümlichen Styl. Vollends der Bildnißmalereygab er einen ganz neuen Charakter, und sein Pin-sel verdient in dieser Rücksicht schöpferisch zu heis-sen. Ungern sieht man dann freylich, daß ein sogeschickter Künstler sich über die Schranken hinauswagte, inner welchen er unter seinen Zeitgenossenden beyfallswürdigsten Vorrang erhielt, um in derhistorischen und heroischen Gattung der Malcreysich unter die Menge zu verlieren. Zwar wurdees ihm leicht, sich in seiner eignen Schule nebenWest zu stellen, und um so viel mehr über denTroß der Englischen Geschichtsmaler eine Ueber-legenheit zu behaupten; aber mit großern auswär-tigen Künstlern verglichen konnte das Blendwerkder Manier gegen die Wahrheit des Styls nichtbestehe». Sein Gemald für die Kaiserin von Ruß-land , die ihm sowohl den Gegenstand als die Be-stimmung seiner Belohnung ganz überließ, schiender Aufforderung nicht angemessen zu seyn. Erwählte den jüngen Herkules, der die Schlangenerwürgt, und scheiterte schon in dieser seiner Wahl*).Die Mangel, die man diesem Bilde vorwirft, tref-fen auch seine übrigen geschichtlichen Darstellun-gen, von denen wir hier z. B. den Kardinal Beau-ford, die Enthaltsamkeit des Scipio, Cupido undPsyche, Cymon und Jphigen, Macbeth undHeinrich Vi. nennen. Eine Venus, und dann feinUgolino im Gefängnisse, soll unter dem Geschicht-lichen sein Vorzüglichstes seyn. Doch gestand erselbst mit rühmlicher Offenherzigkeit, daß es ihman der erfoderlichen Leichtigkeit fehle, große Bilderzu componiren und das Nackte zu zeichnen. Rey-nolds war ein großer Liebhaber vom Experimenti-ren. Melone erwähnt in dessen Biographie,einen sehr merkwürdigen, und fast unglaublichenBeweis hievon. Sir Joshua harre einen großenTheil seines Vermögens auf den Ankauf einer schö-nen Gemälde-Sammlung verwandt; vorzüglichschenkte er keine Kosten, vieles?- vortrefliche Bildervon Likian u. a. großen Meistern aus der Venetia-nischen Schule zu erlangen, und dieselben seinerLiebe zur Kunst aufzuopfern. Er kratzte nämlichdie Farben ab, und zerstörte solche herrliche Werke,in der Absicht, das Geheimniß ihres schönen Co-lorits zu entdecken. Da es ihm aber nicht rechtglücken wollte, so führte er den Maler Scheldrakeauf den nämlichen Gedanken, und dieser legte auchder Londner-Sociekät zur Ermunterung der Künstein 1798. einen Aufsatz über jenes Geheimniß dergedachten Schule vor, der als Preis die große sil-berne Palette erhielt. Nach ihm besteht dasselbeeinzig in dem geschickten Verfahren, den schleimi-gen Theil vom Leinöl zu scheiden, und den Copal
aufzulösen, um einen Firniß daraus zu bereitenReynolds ergieng es damit, wie so vielen Gold-machern, welche Alles, nur das Gesuchte nicht,finde», da er selbst, wie wir wissen, nie ein gros-ser Coloriste war **). Von seiner Bildnißmalereyinsbesonders urtheilt Füßl, in s. Vestreich. Runft-annalen II. 67 — 88. sehr scharfsinnig wie folgt:„Seit kell» und Knelker hak R- dieses Fach derKunst, der Natur wieder näher gebracht; Dennobwohl er, wie seine Vorgänger, solche nur inihren Haupttheilen, sowohl in der Bezeichnungals im Helldunkel nachahmte, und jene mindernTheile in seinen Gesichtern, die bey einem Ideal-kopfe entbehrlich, bey einem Bildnisse hingegennothwendig sind, vermied, und solche überhauptmehr in historischem als Portrait-Skyl behandelte,oft auch, mit mehr Willkühr als Wahrheit, durchseine breiten Maßen von Helldunkel nur eine täu-schende Rundung hervorzubringen suchte, so wußteer dennoch mit seinem seinen ästhetischen Gefühl,und seiner besondern natürlichen Gabe, das Ein-fache und Anziehende in der Natur mit Geschmackzu wählen, seinen Bildnissen einen ganz eignenTon von Naivetät zu geben, der immer gefallenmuß, je ungekünstelter und freyer die Behandlungdabey scheinet". Den Preiswerth seiner Werkeersehe mau aus ff. Verzeichnisse einiger der vor-züglichsten.
Gegenstand. Preis.
-) Herkul der die Schlangentödtet.
2) Gebnrth Christi. 1200.
3) Der Austritt des Chau-
dron aus Makveth. -oo-,.
4) Mad. Siddens als Muse
d. Tragödie.
5) Familie des junqen Her-
zogs von Marlborough.
6 ) Conlinenz des scipio.
7) H. Familie.
700. —
700. —500. —
Soo. -
8) Cardinal Veaufort. Zoo. —
9) Marquise von Torvnshed,
Madame Gardiner undMad. BcreSford, welchedie Statue des Hymenkrönen. 45». —
>0) Ugolino. goo. —
11) Die wahrsagende Zigeu-nerin. 35o. —
--) Die Achrenleserinncn. 300. —
Der Herzog.Prinz Potem-kin.
Ein Kupfer-händler, dersolche wiederfür 700. anLordGwyderverkaufte.AldermannBoydell.
DicountMvuntjoy;Dr. Dvrset.
Ebenderselbe.
Hr.Maklin.s)
Endlich war Reynolds auch als Schriftstellerbekannt, und werden die von ihm in der Eigen-schaft eines Präsidenten der Akademie, bey derjährliche» Auskhcilnng der Preise gehaltenen 16.Reden in England besonders geschätzt „Allein"(heißt es bey Fiorillo — und wir denken, dieNachwelt wird dieses Urtheil, das schon der großeMengs fällte, immer mehr bestätigen) „denRuhm, den diese Reden erhalten haben, muß manminder ihrem innern Gehalte, als dem rhetorischen
Eine sehr nacktheilige Beschreib»««! dieser Bilder liest man in Meusel's Mus. IV. -7. »Der jungeHerkules" (heißt es dort) „liegt nicht in dem Schilde, sondern in einer Wiege, oder so etwas ähnlichem. DerKopf ist Alles, was Benfall verdient; der Körper gleicht einem Schlauch, und wurde schicklicher für einenSilenus sey». Das K-nd ist so ungeheuer groß, daß es die Mutter, mit Beyhülfe einer Magd. nickt hebenkaun; doch der letzter» ist weislich eine Menge bengesügt. Schatte» und Lickr sind äußerst verwirrt. Juno inden Wollen ist vollends Las schlechteste im Ganzen". An einer andern Stelle eben dieser Zeitschrift (VI. 4.)wird seines in -788. auf dem Londncr-Salon erponirten Bildnisses des General Elliot gedacht, der mit genHimmel schauendem Blick in beyden Händen einen sehr großen messingenen — Schlüssel hält". Im Hintergründebemerkt man wenig von einer Kanone, aber einen desto schwärzern Dampf. Wenn dieser Künstler d,e Klei-dung selbst mall, so verwendet er am diesen Theil wenig Fleiß; und es sieht oft so aus, als wäre der Pinselnur auf dem Tuch ausgeputzt worden. Eine geringe Ueberinalung der Epauletten und des Degengefasseskönnte dieses Bild in eine» schönen Petrus verwandeln."
k»') S. hierüber auch Meusel's Mus. IV. 17. wo der Vers. einiger Anmerk. über den Zustand der Malere»in England sagt: „Ich habe oft mit Erstaunen gesehen, wie Reynolds Gemälde, die kaum eim'geWvchen alt wa-ren, das Vorzügliche des Kolorits schon verloren halten."
Nr. 1—4. 7—8. 10. werden auch unten, nach Dallnway, Fiorillo ».st st mit verschiedenem Detail genannt.