Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
1268
JPEG-Download
 

1268 Ribera.

wo er die vorzüglichsten Werke des Eorreggio mitdem größten Fleiße kopirte, und bey seiner Rück-kehr nach Neapel , agil Jncurabili, ein Bild malte,worin man wirklich etwas von Megri's Charakterwahrnimmt. Allein nur zu bald verfiel er wiederin denjenigen des Carravagio, um so viel mehr,weil solcher dem herrschenden Geschmack der Zeitentsprach. Nur suchte er mit der'Manier desMerigj mehr Natur, und eine anmuthigere, in derLombardie erworbene Farbengebung zu vereinigen,wodurch er sich zuletzt einen ganz eigenthümlichenStyl bildete. Das Glück, von dem Vicekönigezum Hofmaler mit einem Monatgehalte von 70 .Doppien, und zum Aufseher aller künstlerschen Un-ternehmungen im Königreich ernannt zu werden,hatte er sich noch minder durch den Werth feinesgeschundenen St. Bartholomäus , als durch dieAbbreviatur, womit er das Bild bezeichnete, unddas beygefügte Epitheton: Lspa^nol erworben.Da er schon von Natur ehrgeizig war,-so glaubteer auf seinem neuen Posten ein Recht zu haben, dieübrigen Maler zu regieren, welche auch wirklicheinen ordentlichen Hof um ihn bildeten. Wie erdem treflichen Dominichino mitspielte, um ihn vonden Arbeiten in der Kapelle del Tcsoro zu entfernen,ist bekannt. Zu seinen schönsten eigenen Arbeitengehört indessen unstreitig in gedachter Kapelle seinSt. Januar, wie er zum Feuerofen geführt wird.Eben auch seine Eitelkeit war es, die ihn eines Tagsverleitete, den liebenswürdigen Don Juan d'Austriaauf einen Ball in sein Haus einzuladen, wo diesersich in seine Maria Rosa verliebte, und ihm dasgeliebte Kind entführte. Es istBerinudez, welcher(freylich ohne einen Gewährsmann anzuführen)versichert, daß er nicht, wie gewöhnlich erzählt wird,nach der eben erzählten Beschimpfung seines Hausesplötzlich verschwunden, sondern erst in ilibö. zuNeapel , mit Reichthümern und Ehre überhäuft,gestorben sey. Ueber den Styl unsers Künstlers hat(nach Fiorillo) l)aul de Maltheis ein sehr rich-tiges Urtheil gefällt, wenn er sagt:Es gelangihm durch ein wahres und kraftvolles Colorit eineTäuschung zu bewirken, die in Erstürmen setzt; undnoch mehr zu bewundern ist, wenn man bedenkt,wie er Alles mit unnachahmlicher Genauigkeit aus-führte, die Farben sehr stark auftrug und so geschicktbehandelte, daß er mit seinen Pinselstrichen denGang der Muskeln, nicht allein in den größer»Theilen des Körpers, sondern auch in dem kleinstenFinger auszudrücken wußte, und Allem die un-übertreffbarste Vollendung gab. Auch Mengslobte Spagnolerro's große Starke im Helldunkel,und die Kunst womit dieser seltne Naturaliste alleeinzelnen Theile des Körpers, besonders aber dieHaut, Runzeln, Haare u. dgl. so meisterhaft dar-stellte; nur, daß er bisweilen gegen die alimäligeAbstufung anstieß. Von ihm kennt man eine kleineSchrift über die Malerey (S. I'sbuloo cle msci-tutionibus prsoclpuw all picturam necessarlisinvent-L perAo§. /ftHa HpaAnolet. erkalma. 0. k. in verschiedenen Ausgaben von Amster-dam u s. f.)> Fiorillo II- 804 9 . IV. itz4- 2 Z 435. Bey Lanzi dann (1.6ir13.) heißt es vonihm:Seine mancherley Studien halfen ihm,besser zu erfinden, zu wählen und zu zeichnen, alssolches sein Meister Caravaggio gekonnt. Mit diesemwetteiferte er in jener großen Abnehmung vom Kreuzbey den Karthäusern zu Neapel , einem Bilde, vonwelchem Giordano zu sagen pflegte, daß solchesallein schon hinreiche, einen wackern Maler zubilden, sich selbst aber den ersten Lichtern der Kunstan die Seite zu stellen. Eben so schön dann, undgleichsam Titianeschisch ist seine (schon oben ange-logene) Marter von St. Januar in der Königl.Kapelle, und sein St. Hieronymus alla Lrinika,ebenfalls zu Neapel . Dieser Heilige war ein Ge-genstand. bey dem er sich besonders gefiel. Donseinen Slafeleygemälden, meist einzelne Figurenund Halbfiguren, finde» sich in mehrern Gallertenin nicht geringer Zahl. Diejenige von Pamfili inRom allein besitzt ihrer 5. Gewöhnlich waren es

6) Wa- Heydenreich dlirch: Mit ungleichem Pinsel

Ribera.

Einsiedler, Propheten, Apostel, an welchen er seineKunst, Gebein und Muskelspiel, so wie ernstesAusschn mit der größten Wahrheit darzustellen,recht eigentlich konnte leuchte» lassen Eben so inseinen weltlichen Bildern von alten Köpfen, Philo-sophen u. dgl. wie z. B. in seinen acht Caravaggi-schen Heraclit und Demokrit in einem Zimmer desMarchese Hier. Durazzo. War das eigentlich Ge-schichtliche sein Thema, so weißt man schon, waser vorzüglich wählte, und wie das Schauerlichsteihm stets das Liebste war. So sein berühmterJxion auf dem Rad im Pallast Buonretiro zuMadrid." Noch nennt übrigens von ihm in Spa-nien Fiorillo I. c. eine Empfangniß Mariä bey denNonnen zu Monterey , und Lanzi II. Z3i32.eine von ihm, aus Auftrag des Herzogen Ranuccio ausgemalte Kapelle zu St. Maria Bianca inParma , von welcher Scaranruccia (Letter, pittor.I. 211.) sagt, man konnte sie für die Arbeit desCorreggio oder L. Caracci halten. U?areler,der. nach den Quellen, Allerley von Rlbera'sJugendgeschichte erzählt: Wie dessen arme Elterndie größte Mühe hatten, seine Neigung zur Kunstz» unterstützen, bis es ihnen endlich gelang, ihnbey einem unbekannten Maler in die Lehre zu brin-gen; wie er ftlbst noch zu Rom in solchem Elendlebte, daß er sich von den Uebcrbleibseln der Nah-rung der akademischen Kostgänger nähren mußte;wie er dann die Gunst eines Kardinals gewann,aber wieder auS dessen Pallast in seine vorige Ar-muth entrann, als er bemerkte, daß seine dortigeBequemlichkeit ihn von der Arbeit abhielt u. s. f.Zu Rom sey er nicht geblieben, weil er dort eine zugroße Zahl von Nebenbuhlern fand In Neapel bann hatte er vornehmlich, um Dominichino's Rufzu stürzen, sich die auffallendere Manier des Cara-vaggio zum Vorbild gewählt, und sey darüber hartund trocken geworden, deswegen aber immer eingroßer Meister zu nennen. Sein Pcrsonalcharakterhabe vielleicht viel dazu beygetragen, Merigi'sColorit anzunehmen, das sich auch besser, als einsanfteres, zu den Schrcckenssccnen reimte, die seinöfterster Gegenstand waren.Seine Figuren"(heißt es dann weiter) sind gewöhnlich sinnreichzusammengesetzt, wohl drappirt, und in sanftemWellenlinien (möplat *) dargestellt. Die Köpfesind gut gemalt, die Details davon wahr, und dieCharaktere mannigfaltig. Sein Colorit hingegengefällt mehr durch Kraft als durch Wahrheit; erkannte weder die Abstufung der Farben, noch dieumgebende Lust. Die Haut sucht er recht fühlbarzu machen, und alle Falten und Runzeln derselbendarzugeben. Diese Details stören das Große inder Zeichnung, und werden daher von denjenigenverschmäht, die das Ideale suchen; wohl abergefallen sie durch ihre Natürlichkeit, und könnendaher bisweilen ihren Platz finden. Bewunderns-würdig ist er überhaupt durch seine wahre Nach-ahmung einer Natur, welche freylich nicht ängstlichgewählt ist, durch die Schönheit und Leichtigkeitseines Pinsels, und die Starke seines HelldunkelsDer neuere Taillasson dann spricht von ihm, wiefolgt: Sein Styl Hai einen Charakter, der nichtleicht zu beschreiben ist. Gleich Caravaggio undGuercin gieng sein Zweck dahin, die Natur in ihrerganzen Energie nachzuahmen, und seinen Gegen-ständen das möglichste Relief zu geben. Zu demEnd bemühete er sich besonders um ein lebhaftesColorit, und zugleich um eine Wahrheit, welcheWenige so hoch getrieben haben, wie Er. Dannaber leitete ihn sein Geschmack ganz besonders darauf,Greisen zu malen; daher seine vielen St. Hiero-nymus . Die Falten und Runzeln dieses Altershat keiner so genau, und doch so leicht und kühngegeben, wie Ribera. Sobald man nur ein solchesBild siehet, denkt man an ihn. Man begreift daherwohl, daß die graziöse Gattung nicht die seinigeund die behaarte Brust eines Heiligen, nicht derblühende Busen einer Sünderin seine Sache war.Will man seine eigentliche Weise recht kennen, somuß man ihn mit denjenigen vergleichen, welche

mialk, giebt.