Ricci.
kettn Falben nicht hinreichend genug-. Vortheilshafter spricht von ihm Füßli lll. 1H6. „Riccihatte ein viel umfassendes Genie, viel dichterischenGeist, und im Allgemeinen mehr kritische Beurtheillungskraft, als vielleicht irgend einer seiner Vor-fahren in der Vcnelianischcu Schule. Er erfandso leicht wie Paul Veronese , wußte seine Vorstel-lungen eben so großwirkend, aber historisch zweck-mäßiger als jener anzuordnen, und charakterisierteseine männlichen Köpfe mit der gleichen Starke;aber in der Wahrheit und Anmuth des Coloriw,im Styl der Zeichnung, in der Leichtigkeit und demReitze der weibliche» Köpfe, und in der Behand-lung der Drapperien blieb er weit unter diesemgroßen Meister. Die Gemüthsbewegungen wußteer sowohl durch die Züge der Gesichter, als durchdie Leibesgebehrden der handelnden Personen, mitviel Scharfsinn auszudrücken. Licht und Helldunkelbehandelte er mit besondrer Geschicklichkeit; abersein Kolorit war manierirt, und sein Drapperienüberladen und schwer". Noch an einer andernStelle (S. 176-77.) nennt Füstli unsern Künstlerden letzten Maler der Vcnetianischen Schule, dersich noch in einigen Haupktheilen der Kunst ausge-zeichnet Haber „Denn" (fährt er fort), „obschondie Menge der Werke, die er für Italien, Deutsch-land und England zu verfertigen hatte, ihn bis-weilen verleitete, einige derselben nicht mit dem,seinem Talent angemessenen Tiefstnn durchzudenkenund auszuführen, so werden unbefangene Kennerin dem größten Theil seiner Arbeiten dennoch edleund sinnreiche Gedanken, eine großwirkende undhistorisch zweckmäßige Anordnung, eine großstyli-fierie Zeichnung, eine starke Charakteristik, nebsteinem wahren und eindringenden Ausdrucke derGemüthsbewegungen finden. Die spätern Malerder Venetianischcn Schule, und zum Theil auchseine Zeitgenossen, als: Balestra, Trevisani,Amiconi, Piazetta und Tiepolo , behielten meistnur den Schein dieser Kunsteigenschaflen; sie such-ken bloß das Aug durch kühne und sonderbareComposikionen, durch Harmonie in der Färbung,und durch seltsame, oft gezierte, und fast immergezwungene Wendungen ihrer Figuren, an sichzuziehen; ihre Zeichnung hat zwar »och einen ge-wissen Ton von Größe in Formen, ist aber schwer,ohne Wahl und Richtigkeit, ganz in einem ge-schmacklosen akademischen Styl. Hohe und edleGedanken, zweckmäßig bestimmte Charakteristik inKöpfen, und wahren gemüthlichen Ausdruck, fin-det man nur wie zufällig in einigen wenigen Wer-ken des Balestra und Amiconi; in'jenen des Pia-zetta und Tiepolo ist keine Spur von Allem diesemzu finden." Endlich lesen wir bey Wareler undl'Evesquer »Ricci malte gut, hatte eine kor-rekte Zeichnung, viel Geschmack in der Drapperie,und in seinen Köpfen eine» ichönen Charakter;eine frische, silberartige, anmuthige Farbe, undgroße Harmonie Auf vorzüglich liebliche Art be-handelte er die Partien, welche nur von Reflexenerhellet sind, und gab dadurch seinen Bildern eineverführerische Mürkung. Seine Wärme kam derWuth (?) des Enthusiasmus nahe. Im Allge-meinen verstand er die Kunst großer Zusammense-tzungen wohl, obgleich er dieselbe bisweilen ver-nachlässigte, und seine Figuren allzusehr zerstreute.Von Manierirung war er nicht immer frey, selbstin der Farbe; und überhaupt, obschon seine bessernWerke der Bewunderung würdig sind, so könntees doch gefährlich seyn, sich ihn zur Nachahmungzu nehmen. Da er zumal lange gelebt hat, darfman sich nicht wundern, Bilder von ihm zu fin-den, welche süßlicht, von wenig Wirkung, undweichlich drappirt sind". Außer Italien sieht manvon ihm: In Frankreich (im Museum), unsersWissens, einzig jenes schon erwähnte Receplions,Bild, das bey Kandon (Annal. XII. 17-18.)ausführlich beschrieben und im Umriß abge-bildet ist; eine, ohne Erklärung unverständliche
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Allegorie, wie es deren bey Tausenden giebt, mitder erbaulichen Bemerkung: Daß unser Künstler,der damals herrschenden Ruchlosigkeit ungeachtet,seiner Hauptfigur (der Gerechtigkeit, welche Frank-reich krönt) einen — Rosenkranz , als Zeichen derin diesem Reiche herrschenden Religion, in dieRechte giebt. Beyläufig wird noch dort auchd'Aigensville's Urtheil über unsern Künstler an-geführt; »Ricci war groß in seinen Gedanken,ein fruchtbares Genie, von grandioser Ausführung,leichter Touche, schöner Ordonnanz, Harmonie,viel Freyheit, und starkem, obgleich etwas schwar-zem Colorit. Für die Arbeit geboren, unternahmer Vieles zu gleicher Zeit, was ihn dann zum lau-nigten Praktikanten machte. Um seinen Figurenmehr Relief zu geben, fegte er braune Töne andie Contoure, und zerstückle seine Drapperien so,daß seine Bilder auch dadurch ein hartes Ansetznerhielten. Hätte er die Natur mehr zu Rath zie-hen wollen, so würden seine Figuren korrekterseyn." — Irgendwo liest man von ihm noch dasLöbliche: „Wenn man seine Bilder tadelte, sopflegte er zu sagenDaß es gute Arbeiten ehrenheiße, wenn man daran etwas auszustellen finde;denn schlechte verdienen — auch diese Ehre nicht."In England, wo er sich mehrere Jahre aufhielt,und dann ;aus Verdruß, als er hörte, daß Lhorn-hill die Kuppel in der St. Paulekirche malen sollte)mit einem großen Vermögen nach Haus gieng,findet sich sein Beßtes in einer Kapelle des HausesPorkland zu Bulstrode; in der Halle und an der!Decke von DurlingtonrHouse, und über dem Altarder Kapelle vom Chelsea - College. Fiorillo V.5 i 8 —ig. --- In Deutschland besitzt von ihm:Die Gallerte zu München ein kleines Bild, dieVersuchung St. Antons; Dresden von seinemBeßten: Eine Himmelfahrt, in' ,0" breit, 9^9" hoch, und zwey sehr gefällige kleinere Bilder,Opfer dem Silcn und der Desta gebracht, einstim Besitz von Anton Zanekti, und vom GrafenAlgarokti für genielore Gallerte erstanden; Düs-seldorf ehemals einen St. Hieronymus , großesBild; Sanssoucy (wo Friedrich II. in der Kunst,ganz Anders wie im Leben, Pompöses liebte, undMittelmäßiges für Treflichcs hielt), eine reicheHochzeit zu Cana, eine Entführung der Europa ,und Herkul und Omphale , beydes ganze Figuren,mit mehr Liebe (heißt es bey FioriUo II. 118.) alsjenes größere Werk ausgeführt. Endlich der GrafF. Lackantius Firmian (noch 1782.) auf seinemLustschlosse Leopoldskron bey Salzburg, desKünstlers selbstgemalreü Dildniß. Gestochen nachihm haben : F. Bartolozzi, I. A. Faldoni,F. Fontebaßo, I. Goupy, P. A. Kilian, I.Leonardis, I. M. Liotard , P. Monaco, C.Orsolino, I Punc, Unbekannte in I. Wagner'sVerlag, A. M. Zanelli und A. Zucchi. Unter denvon diesen gelieferten Blattern nennt Füßli III.16Z-76.: Die Anbetung der Weisen, die Berg-predigt, Christus int Gespräche mit der Saniari-terin, die Ehebrecherin vor Christo, die Heilungendes Gichtbrüchigen und des blutflussigen Weibes,alle diese von Liotard , nach so vielen Cartons,die der ehemalige Brittische Consul zu Venedig ,Joseph Smith , befaß, sehr gut gestochen *). Dann-Papst Gregor, der Marien um die Erlösung derSeelen aus dem Fegefeuer bittet, von Fontebassomeisterhaft geetzt, und endlich, ebenfalls geetzt undim Geschmack von Salo , Rosa mit viel Wahrheitausgeführt, von Goupy in London , wo sich wahr-scheinlich das Urbild befindet: Archimedes , durchHicron zur Vertheidigung von Syrakus aufgefor-dert, letztres nach dem Katalog von Brandes einschönes, und nach demjenigen von UWikler einseltenes Blatt, eben so wie Camillus , der denVertrag mit Brennus nicht bekräftigen will, vonBartolozzi Noch nennen theils lcytrer, theilsAndere, nach bekannten Urbildern von ihm: Et.Romuald, als Stifter der Camaldulenser in der
- 1 ) . Krecr- sv5»Iut>»8imum, et mnnocliromxla xestlem, i»v . 7 --V. 7 iota> .t ^rs expresrum.
Venet. 74^. -lp. j. v. d'ol. Und eine Beschreibung davon, nebst dem Leben der bepden Künstler,
u>. 7 i 9 > -iro.