Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
1371
JPEG-Download
 

Rübe ii s.

Fürst als Edeikuappen an seinen Hof nahm. Indessen Diensten blieb er acht volle Jahre, die eraber, theils mit Bewilligung, theils aus wirk-lichem Auftrage desselben, meist zu Venedig, Genua und Rom zubrachte, eine Reise nach Spanien nichtgerechnet, wohin er ibcH. von dem Herzoge gesandtwurde, um Philipp IV - das Geschenk eines präch-tigen Wagens mit sechs Pferden von ausserordent-licher Schönheit zu überreichen. So wie er inManlua nichts eifriger als die Werke von JulioRomano, in Venedig diejenigen von Titian undPaul Veronese studirr harke u), so in Nvm — wasman sich denken kann, und selbst, während seinesnoch so kurzen Aufenthalts in Spanien auch diedortigen Kunstschätze b); und bald überall hinter-ließ er zugleich vorzügliche Werke von seiner eigenenMeisterhand. So für die IesuiterrKirche zuManrua drey Aitarblätter, unter welchen manseinen Vinccnz Gonzaga, der die Dreyeinigkeit fürden — schlimmen Dienst anruft, den neuen Tempeldieses Ordens unter seinen Schutz zu nehmen, füreines seiner Hauptbilder hält. — So zu Rom fürdie Chiesa nuova (St. Maria in Vallicella) dasHaupraltarblalt seiner Anbetung der H. Jungfraumir den beyden Eeirenblättcrn, alle drey in Ca-tiari's Manier, und noch mit trefflicherm Hell-dunkel. Dann eben daselbst (wieder in andern,Geschmacke) in der Kirche St. Croce von Jerusalem ,für den Erzherzog Albert (der von dieser Kircheseinen Kardinais-Titel trug) die Dornenkrönung,die Kreuzigung, und St. Helena , von welchen dasmittlere ebenfalls zu seinen Meisterwerken gezähltwird. — So zu Genua für die dortige Jesuiter-Kirche eine Vcschneidung, und einen St. Jgnaz,der dft Besessenen heilt; ersteres von wunderschönerWirkung — nur daß man der Madonna einenediern Charakter wünscht; das zweyte vollends einuntadeliches Bild. Hier war es auch, wo er dieGrund- und Aufrisse, Spaccaren und Profile dervornehmsten Kirchen und Palläste dieser Stadtzeichnete, welche späterhin in Kupfer gebrachtwurden. — So in Spanien die Bildnisse desMonarchen (der ihn mit Ehren und Geschenkenüberhäufte), und mehrerer Großen seines Hofes. —Auf einer seiner Reisen nach Rom traf er hier mitseinen» ältern Bruder, dem gelehrten PhilippRubens zusammen, wo sie hauptsächlich die dor-tigen Alterthümer zu ihrem gemeinschaftlichen Stu-dium machten. Eine Frucht davon waren die:Llecta von Philipp, welche späterhin (^nl^verp.Ikioä.) in Druck erschienen, und mit 6. Kupf. nach

Rubens. iZ7»

Peter Pauls Zeichnungen geziert waren, so wieer überhaupt, nach Philipps eigenem Geständnisse,an dem innern Gehalt dieser Schrift wesentlichenAntheil nahm o). Neben dem hakte perer Paulnoch eigene Bemerkungen über diese Wanderungenin Schrift verfaßt, die sich noch bey seinem Todevorgefunden, aber nicht mehr bis auf uns ge-kommen sind. — Endlich rief ihn die Nachricht vongefährlicher Krankheit seiner Mutter nach Hause.Er eilte nach Antwerpen , traf sie aber nicht mehrunter den Lebenden an; was ihm so sehr zu Herzenging, daß er sich vier Monate lang in die AbteySt. Michel einschloß, wo einzig Kunst und Leclurseinen Schmerz ein wenig zu lindern vermochten.Jetzt gedachte er wieder nach Mantua zurückzu-kehren, als theils die schmeichelhaften Anerbietun-geu, welche ihm die Erzherzoge bey einem Besuchezu Brüssel machten, vielleicht noch mehr die Liebe,ihn zurückhielten. In rstoc)- deyrathete crJfirbellenZZranr, die Tochter eines Senators zu Antwerpen ,baute sich dort ein prächtiges Haus, das er vonAussen selbst in Fresco malte, und zwischen Hofund Garten eine Rotonde, die von oben ihr Lichterhielt, und mit antiken und modernen Büsten,porphnrnen und agarhnen Vasen, einem reichenMedaillenschrank, und auserlesnen Gemälden aufsherrlichste verziert ward fl). Hier entstanden seinevier Evangelisten für die Jakobiner zu Antwerpen ,seine berühmte Abnchmung voni Kreuze für diedortige Kathedrale e), und so viele andre Meister-stücke, welche seine» Namen unsterblich machen;und im Genusse von jenen erholte er sich, wenn ervon anhaltender Arbeit ermüdet war.... Wersollte glauben, daß er eines Tags diesen ganzenSchmuck seiner Rotonda an den Herzog vonBuckinghan, für elende t>c>,cwo. holländische Gulden(a. st. io,o»o. Pf. Sterl.) dahin gab, nur daß ervorher die Sculpturen — abgießen ließ, und dieBilder der italienischen Schule mit seinen eigenenersetzte? k). Und eben so, wer sollte denken, daßder bereits durch seine Kunst fast unermeßlich reicheRubens sich nicht begnügie, allein zu arbeiten,sondern, um ja allen Bestellungen an ihn genug zuthun, mehrere seiner — freylich nicht unbedeuten-den Schüler nach seinen Zeichnungen malen ließ:wildens und van Uden die Landschaft, Schny-ders die Thiere und Blumen, Jordaens , vauDpck, tOuillin u. a. die Figuren, an welch' Alleser dann die letzte Hand legre, und ihm vollendsseinen eigenen Geist gab; so daß man ein sehr feinerKenner seyn mnß, um zu entscheiden 8), waö sein

->) In Rein mußte er sür den Herzog Gouzaga Kopien nach den dortigen Hauptbildcrn nehmen, die — wie man^u reden pflegt — den Hanpkbildcrn gleich kamen.

b) Dort hatte er von Li'rians Venus und Adonis, seinem Dianeubad, und dem Raub der Europa, ebenfallswirkliche Kopien genommen.

o) Daher heißt es dort (p. 2I,); Dlxcupio enim »liguoä Ilic extsre sm»r>8 «u grsti in IPLIIM (/". D.

ii»iini invinniieiilniii, gui lum i,Nlli>.i niumr, cum ucri juiiicio, »»n parui» ii> kllectic. me jiivir.

ä) Gleich Raphael kielt er beständig junge Künstler, die zu Rom und in der Lombardie die merkwürdigsten Denk-mäler sür ihn zeichnen mußten. ll. ,6.

o) Als Alkarblart in der donigen Kapelle der Bogenschützen-Gilde. Lustig genug (vielleicht auch apokrypbischgenug!) ist die Anekdote von Entstehung dieses Meisterstücks aus Veranlassung eines Daustrcücs umers Künst-lers mit erwähnter Gilde, wo derselbe pro roäiinenä-» vex» sich anheischig marine, ihr etwas aus der Ge-schichte ihres Schutzpatrons St. Christoph zu malen. Was thut nun Rubens ? Als ein Liebhaber von Alle-gorien, selbst wenn ihre Deutung aus einem Wortspiel beruhen sollte, bedenkt er : Daß Chrisiophorus, nachgriechischer Etymologie Christ Tragender heiße (wie denn wirklich jener Heilige gewöhnlich, das Christkindauf der Schulter, und mit ihm auf den langen Beinen durch den Fluß wadcnd, vorgestellt wird). Nun seyendie, welche Christi Leichnam in ein Leintuch gefaßt, auf Schustern und Arme» tragend vom Kreuz abnehmen,am End, wohl auch — Christophort zu nennen. Also malt er, was wft kennen und bewundern; und nochdarüber auf das Inwendige zweyer Flügelthüren: Den Bestich der H. Jungfrau bey Elisabeth, als jene, dasgöttliche Kind noch unterm Herze» trug, und Simeon der eben dasselbe am Feste der Reinigung auf seinenArmen trägt, also im Ganzen wenigstens mehrere Chrisiophels sür Einen. Daß die Herren Bogenschützenvon Antwerpen , als sie der Dinge ansichtig wurden, dennoch mir Bestürzung fragten: „Aber wo ist unser St.Christoph"? und daß sie, auf crstlgie Erkärung hin, nichts dergleichen Gezwungenes haben wollten, versiehtsich von selbst, und eben st von Rubens Gutmülhigkeit, daß er ihnen endlich noch obendrein auf die Aussen-se,te der Flügelthüren, ihren ungeheuern Schutzheilige», mit dem Eremire der ihm durch de» Fst>ß leuchtet,und dem Käujlei» auf dem Baum — kurz Alles wie es sich gebührte — wahr- und leibhaftig malte, wofür siesich dann höflich bedankten. S. Vst cst lZruxoll 771.

k) Seine Sammlung geschnittener Steine, eine der schönsten, die jemals zusammen gebracht worden, kam in dasKabinel des Königes von Spanien . /.»»,<->» l. c.

z) So lautet's in der Kunstgeschichte; wir würden's übersetzen: eher — errathen als bestimmcu kaun. Un-gefehr um diese Zeit besuchte ihn der ehrliche Deutsche Neumaper, und sagt von älim in seiner Ressebe-schrribung (Leipz. 16-0. S. 261.), was endlich leicht zu glauben ist: „Er habe bey stm, vi'el Schönes gesehen;und möcht' es leicht ein Stück seyn, so verkauft er es sür 2, z. z—500. Gulden; auch sollt' er sich wöchentlichauf -o». Gulden erarbeiten können."