4o6r Wächter.
treffliches Oelgemälde, welches den begeistertenBacchus mit den Musen darstellt." «Seine ge-schichtlichen Kompositionen" (sagt Lerruch*)«athmen ein inniges Leben und tiefes Kunstge-fühl. Das Naive und Reinherzliche, so wie tief-eingreifende Momente der geistigen Natur, ausden Leiden der Seele entsprossen, gehen aus demdichterischen Gemüth unsers Künstlers wunderbarhervor. ... Mit dem kindlichen Gemüthe derfrühern italienischen Maler hat er seine Mutter Got-tes entworfen, welche das Christuskind auf einemLamme ruhend, zur H. Anna führt. Elisabeth mitdem Johannes, kommt auch aus der Ferne herzu;eine einfache Gegend mit einigen Palmbaumen,laßt des Beschauers Aufmerksamkeit »»getheilt aufder heiligen Gruppe selbst ruhen. — Den Hiobhalte ich für Wachters gelungenste Composttion.Hier schilderte der geistreiche Künstler die Wirkungallzugroßer, auf einmal losstürmender Leiden aufdie Seele auch des kräftigsten, im vollen Selbst-gefühl dastehenden Mannes. Ein solcher psycho-logischer Sturm erregt Erstarrung, wie das Hauptder Medusa; nicht Klaggeschrey, nicht das Wei-nen sind Andeutungen des höchsten Seelenkummcrseines starken Gemüths; jener stumme fürchterlicheSchmerz, wo kein Laut gehört wird, wo alle sonstnach außen gekehrte Thätigkeit des Geistes zermal-mend in der Tiefe der Brust wüthet — das sindScenen, die uns im Ugolino von Reinolds, imHiob von Wächter gleich tief erschüttern. Fol-gendes ist der Gegenstand des Gemäldes nach demBuch Hiob , Cap. 2. V. iZ. »Da aber die dreyFreunde Hiob's höreten alles daSUngiück, das überihn gekommen war, kamen sie, und saßen mit ihmsieben Tage und sieben Nächte, und redeten nichtsmit ihm; denn sie sahen, daß der Schmerz sehrgroß war." — Wächter führte dieses folgender-maßen aus: Hiob sitzt auf dem Boden mit gesenk-tem finstern Blicke und struppigem Haar, die Füßeausgestreckt, die Hände auf die Knie gelegt; einMantel umhüllt in einigen großen Faltenwürfenvon. Halse bis gegen die Knöchel den Körper,doch so, daß Hände und Füße frey bleiben. DieAugen scheinen schon seit Tagen nur auf einemPunkt geruht zu haben, und in den abwärts ge-zogenen Mundwinkeln drückt sich düsterer Unmuthaus. Neben dem Hiob auf einer steinernen Banksitzen die drey Freunde; die Leiden des Ersterenmachten auch sie verstummen. Doch wie beredtist ihr Schweigen! Den Jüngern, zunächst sitzen-den bewegt wehmuthsvolle Theilnahme; dieses zeigtder Blick, womit er den lief Gebeugten ansieht. Immännlichen Alter sehen wir auf der andern Seiteeine kräftige Figur, welche Theilnahme mit Miß-billigung vereinigt; mit vorwärts gebeugtem Kör-per scheint er im Begriff zu seyn, zu sprechen, umüber Manches mit dem Hiob zu rechten. Zwi-schen den Beyden sitzt der Aelteste von den Dreyen;vorwärts gebeugt stützt er den Kopf auf den linkenArm, und wiederholt gleichsam Den Unmuth desUnglücklichen. Alle drey Freunde sind jeder bloßmit einem Mantel bekleidet, und übrigens nackt.Das Ganze bildet ein höchst interessantes Charak-ter-Gemälde; doch Gebilde dieser Art sind nichtfür den Augenblick flüchtiger Betrachtung entwor-fen; sie wollen mit ruhigem Ernste, wie mit theil-nehmender Wärme lange betrachtet werden, um soDes Künstlers tiefen, seelenvollen Jdeengang ganz
Waeger.
zu fassen **). Des Erwerbs wegen sah' sich derUnsrige genöthigt, mitunter auch für deutsche —Taschenbücher zu zeichnen ***>. Späterhin zog ersich in sein Geburtsland zurück, wo er des ihm ge-bührenden vorzüglichen Ruhms wenig genoß, und(0 der Schande!) noch zur Stunde wo wir diesesschreiben, fast einzig als Aufseher über die Königi .Kupferstichsammlung bekannt ist. Auch soll sichjenes Kapitalbild von Hiob , in lebensgroßen Fi-guren, noch gegenwärtig in seiner Werkstä'te be-finden, ein anderes kleineres (sein Belisar) hin-wieder schon wenigstens einmal die Hand geändertHabens). Neben dem schon Angeführten kennenwir noch, nach seiner Zeichnung gestochen, zu ei-ner bey Degen in Wien erschienenen Prachtaus-gabe des Lucanus, drey Blätter: Nemesis, Cor-nelia, und Cäsar dem man den Kopf des Pompe-jus bringt, diese von Fried-Leybold; dann zu dem-selben Werke zwey andere von Rahl: Wie Pom-pejus in der Nacht auf Cäsar trifft, und wie Bru-tus, in sich gekehrt, dem Untergänge Cäsars nach-sinnt; neben ihm die Roma, welche jenen zu sei-nem Entschlüsse bringt; letzteres zumal von hoherEinfalt und Würde. Meusel l>l. führt diesenKünstler gedoppelt, und zugleich irrig als Kupfer-stecher auf.
* Wächter (Zoh. Georg), welcher in den kur-zen Zusätzen am Schlußc zu meines sei BakersKünstlerlex. und bey Meusel l. (1778) als Bru,der des obige» Georg Christoph erscheint, soll,zu gleicher Zeit mit diesem, zu St. Petersburg schöne Schaumünzen gefertigt haben. Bey Men-sel II. (1789.) erscheinen sie nicht mehr unter denLebenden.
— — (I C. oder I. K.), um 1800. zu Claus-thal einheimisch, zeichnete zu einer Abhandlung vonsich, die man in R ömers Archiv für die Bo-tanik B. ll. Stück 2. antrifft, eine, von einemUnbekannten radirre Kupfertafel.
— — ( ), aus Schleßwig. Er erlernte
die Del- und Pastellmalercy auf der Akademiezu Kopenhagen , kam dann zu Anfang der Jahre
176.. nach Hanau , ließ sich dort nieder und wur-de, da man daselbst eine Zeichenakademie errichte-te, der erste Zeichenmeister an derselben. Diesergeschickte Mann, der nach Preißler's Grundsätzenlehrte, hatte einen vortheilhaften Einfluß auf ge-dachtes Institut. Er st. zu Hanau um 1782.
* wächtler (G L), der Medailleur des Lex.ist mit einem der obigen G C- oder I. G. Wäch-ter Eine Person.
*waegener, s. Wegener im Lexik, undunten.
waeger (Carl Eduard), geb. zu Dresden
1790., der Sohn von einem dortigen Aktuar. Der-selbe lernte von i8vi. bis 1808. in seiner Vaterstadtbey (dem Unterlehrer der Akademie) kinduer dieZeichenkunst zu seinem Vergnügen wie es scheint.Auf der Ausstellung von 1808 sah man von ihmeine mit Bleystift gezeichnete Landschaft, so wiefrüher i8ob. zwey nach Riedinger gezeichnete Hun-de; >8u6. eine Landschaft in Wasserfarbe; und1807. eben so eine Landschaft nach einem uns Un-bekannten. Mrc.
") Bemerkungen auf einer Reise von Thüringen nach Wien k. 4z. und ff.
Kunstfreunde können sich den Genuß dieser beyden Compositionen durck trefflich radirte Blätter von Rahlverschaffen; Hiob (ein großes Blatt) ist im Kunst- und Industrie-Comptoir in Wien , Christus auf demLamme reitend, (ein gefälliges kleineres Blatt) bey H. Frauenholz in Nürnb rg «u haben Bloß im Um-risse ebenfalls von Rahl finden sich diese Blätter im Kleinen im Tübinger lNorgenblatt -s»/.N". »20 und 26.
«»e,) So r- B. befinden sich im Taschenbuche für Damen auf »8»z- vier Blättchen nach ihm mittelmäßig vonAutenrieth gestochen.
f) Auch dieses letzt« (als Blatt vollkommner Pendant des Hiobs) ist von Rahl vortrefflich in der ächt histo-nschen Manier der Audran's und Frey, oder wo möglich i» noch schönerer geetzt.