Band 
Zweyter Theil [5].
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4097
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Watetet.

solches nicht zu unserm gegenwärtige» Zwecke gehö-ren kann. Mittlerweile hatte wareler theils zurErholung von so viel Arbeiten/ theils mit dem aus-drücklichen Zwecke die Werke der Schule vonRubens und van Dyck zu studieren, eine Tournach Holland und den östreichischen Niederlanden,und bald hernach (1762.) in Gesellschaft seiner Freun-din und Schülerin Madame le Comte, Gattin einesEerichtsprokurators, und seines vormaligen Leh-rers des Abbe Copette eine zweyte Reise nach Ita­ lien gemacht, von welcher er abermals mit neuenKenntnissen bereichert nach Haus kam *). Seit1761. hatte er die Stelle Mirabeau's des Vatersin der französischen Akademie eingenommen. Alledie vorzüglichsten Mitglieder derselben waren seineFreunde; und seine literarische Laufbahn war fried-lich bis an seinen Tod. Dagegen wurde scineRuhegegen das End seiner Tage durch ein ünvorge-sehenes Ereigniß unterbrochen, welches ihn einesgroßen Theils seiner Güter beraubte **); ein Ver-lust, der ihn hauptsächlich deswegen kränken durfte,weil er davon einen so guten Gebrauch gemachthatte.. Don da an wiedmete er indessen seine Mußemehr als jemals den bildenden Künsten. Baldzeichnete er, bald etzte er in Rembrandts Manier,nicht selten mit Glücke. Bey allmäliger Abnahmeseiner körperlichen Kräfte vergnügte er sich noch imWachs zu modelliren, seine Portefeuilles zu durch-gehen, und sich mit jungen Künstlern lehrreich zuunterhalten. Dieses letztere Vergnügen genoß erbis auf den Augenblick, wo seine Sinne aufhörten,ihm zu Gebothe zu stehen. Er entschlummerte ohneSchmerz am rs. Jan. 1786. ***). Seine Mäßi,gung in allen Dingen, selbst im Vergnügen, daser liebte, war weniger ein Geschenk der Natur,welche ihm vielmehr eine feurige thätige Seelegab, als das Werk der ernsten Vernunft, welcheihn die Regungen seiner Hitze beherrschen lehrte.Er that auf jeden Plan des Glücks, der Ehr-sucht und des Ruhms Verzicht. Seine Selbst-liebe beleidigte die seiner Nebenmenschen nie, undnie störte er durch unfriedliche Gesinnungen denfreundschaftlichen Umgang. Man unterhielt sichgerne mit ihm, weil er nicht nur reden, sondernauch hören konnte. Seine Bemerkungen erregtenkein Mißfallen, denn er war nicht bloß gerecht,sondern auch nachgebend:

Ltre clieri vaut mieux qu'etre vaotv,

sagt er in seinem versuch über die Gärten, undgab damit seinen Wahlspruch.

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Will man" (sagt vicqe d'Azps in seine»Lobrede auf ihn)sich einen richtigen Degrif vonU)arelet bilden, so stelle man sich einen Mann vor,der in allen Theilen der Wissenschaft und Litteratur,welche Beziehung auf die schönen Künste haben,gleich bewandert war mit gleichem Glücke dieFeder, den Grabstichel und den Pinsel führte, dieReichthümer der Dichter, der Philosophen und derArtisten in sich verband und gemeinnützig machteoft zuRathe gezogen ward, weil er mit einem durch-dringenden Verstand und dem geschmeidigsten Ge-fühl eine gefällige Freundlichkeit verband, aber nochöfterer selbst um Rath fragte, weil er nach Unter-richt und Aufklärung redlich strebte; einen Mann,welcher dem Talente mit Entzücken Beyfall zollte,und gesunkenen Muth wieder zu beleben wußtejunger Zöglinge sich annahm, besonders wenn siemehr seiner Hülfe als seiner Anweisung bedürftigwaren der sie in sein Haus zog, und, weit ent-fernt die Rolle eines Beschützers zu spielen, sie alsVater und Freund behandelte mit Einem Wort,einen Mann welcher die Künste ohne Prunk liebte,die Künstler ihrer selbst wegen achtete, und keineninnigern Wunsch kannte, als den für ihre Fort-schritte und ihren Ruhm. So erschien Warelervor den Augen seiner Zeitgenossen; und in die-sem Lichte muß ihn einst auch die Nachwelt sehn 'j')."Sein mit Levesque gemeinschaftlich gefertigtes:Oictionnaire «ie tjesux-Arts, das erst nach sei-nem Tode (V. T'om. gr. 8 °. ksris >792.t erschien,ist immerhin das Beßte, was in Frankreich überKunst-Theorie sowohl als über Kunstgeschichte ge-schrieben, und späterhin in einem ähnlichen Werkevon Millin, vielleicht wohl an Gelehrsamkeit istübertroffen, aber in Geschmacksurrheilen lange nichterreicht worden; und besonders preiswürdlg ist dieUnbefangenheit, womit er Lob und Tadel den Kunst-schulen aller Nationen gleich unpartheyisch ausspen,dete, und den Gebrechen der Schule seiner Nationam allerwenigsten schonte Die beßte Literaturvon Wareler's Etzarbeiten findet sich bey RostVIII. 171 75. Vörderst 27 seiner Bildnisse nachCochin, welche meist sein« Freunde darstellen.Hier nennen wir nur: d'Alembert , Clairaut , Mar-guerithe le Comte (lVlaitresse cku lVIoulm joli),P. F. Abbe Copette, P. Joliot de Crebillon , dieMaler I. B. M. Pierre und L. de Silvestre, A B.I. Türgot, Poißon de Vandieres, nachherigenMarquis de Marigny; endlich auch ihn (W.)selbst. Dann 14 Blatter in Rembrandts Ma-

*) In Italien ward er überall mit Ehren aufgenommen; so von dem Könige von Sardinien , von dem PabsteRezzonico, von dem Kardinal Aler- Albani, von Joh. Winkelmann, u. s. f. Indessen hatte der Verfassergegenwärtiger Ausätze, welchem in Rom die Bekanntschaft dieses geschickten Mannes zu Theil ward, mehr alseinmal Gelegenheit an demselben sowohl, als hinwieder an seinem eigenen Freund und Lehrer, Winkelmann,die traurige Bemerkung zu machen, wie eine allzugroße Einseitigkeit des Geschmacks zwischen noch so verdienten,und in so manchen andern Dingen gleich Wahrheitsliebenden Männern eine unübersteigliche Scheidewand setzenkann. Auch sagt Winkelmann selber in einem Briefe an Derendi» vvm 15. Mai ,764. sehr naiv:Schwerlich wird ein Mensch eine so versäuednc von der alten Gestalt angenommen haben, als in mir,ohne Künstele«, nach und nach, durch Umgang mit großen Leuten »nd vornehmen Personen geschehen ist,und der Ton, mit welchem ich rede, zeiget sich daher, wider meinen Willen, mit einiger Härte in meinenSchriften. Man muß es mir aber so genau nickt nehmen, da ich so viele Jahre von despotischen Ländernentfernt bin, und den französischen Hof-Stil nickt gelernet habe. Ich werde aber künftig aufmerksamer aufDeine behutsame Erinnerung seyn, und ich würde viele« gemindert haben, wenn ich hier einen Richter iudeutscher Schreibart gefunden hätte. Ich würde dem watelet eine hofmäßigere Critik gemacht haben, wennich ihn vorher persönlich gekannt hätte, wie ick ihn itzo kenne; ich habe es aber suchen gut zu machen durchunendliche Höflichkeiten, welcke ibm durch mick von meinem Herrn (Al- Albani) erwiesen sind." winkeln,,u- s- Jahrh. S. ,4748- 2 » Rom erschien damals ein kleines Werk, das sich auf diese Reise bezog:Vo)'Sge cie Llr. , l'^bke er ülall. /- t-om/e en Irnlie Zo. k.8". darunter ir BI. V 0 N Wcirvtttr

geetzt, nach den Zeichnungen von la Vallee<Poufsin, und --Cartouchen, als Einfassungen italienischer Sonetteu. f. f. nebst einem Französischen Tert an der Spitze.

Dieses unvorgeseheue Ereiguiß war kurz und gut eine TewaltSakte des Abbe Lerrai. Aber auch in dieser Sacht«erließen ihn die öffentliche Achtung und seine mächtigen Freunde nicht.

-'s") Basan (.sec.) h. irrig »785.

ch) Grvßentheils andere Stellen dieser Lobrede finde» sich in Meusel's Muf.vn.28 z§.

-ff) Nur muß man es frevlick nickt aus der unter Heybenreich» Namen gefertigten Uebersetzung keinen, dstauf allen Seiten von schädeltreffenden, und oft an wahren Unsinn grenzenden Fehlern wimmelt.