Wilmann.
nem mir 1794 den 22 August zugeschickten Briefefolgendermaßen aus: »Ich muß aber Euer Hochswurden zuförderst die Vorerinnerung machen, daßwümann, ohnerachtet selbiger in Laubus gelebt,und hier Orts seinen ordinarien Aufenthalt gehabt,kein geistlicher Drofes unsers Stiftes gewe-sen , sondern er sein eigenes somicllium in hie-sigem Klosterdorfe gehabt, und nur ein Laye, derverheurathet, und Kinder gehabt, gewesen ist.Sein Haus, das er bewohnt, und ihm eigenthüm-lich zugehört hat, besteht noch heute. Wohl aberwar wilmann in Betracht seiner vorzüglichenDienste, die er durch seine Malerkunst dem Stiftefast im höchsten Grade geleistet, in die geistlicheConfraternität aufgenommen, und einverleibet."Unter seine Schüler, deren er mehrere erzogenhat, zahlt er vorzüglich unsern berühmten Zoh.Christoph Lischt« seinen Stiefsohn, den Mi-chael Wilmann seinen Sohn, und die Kloster-frau Benedikra seine Tochter."
Hierauf führt Dlabacz über 80 Bilder von ihman. Hier bemerken wir nur folgende: Vulkanmit seinen Cyclopen, für den Churfürsten vonBrandenburg — die Gerichte Salomos und desbambyses, beyde in der Rathsstube zu Breslau —die Arche Noä, für den Grafen von Nostitz —die sechs Schöpfungstage für das Stift Laubus— Auf - und Niedergang der Sonne, und derSchutzengel, nebst viel Andern, in dem Speisesaaldes erwähnten Stiftes — Einiges in des Künst-lers noch vorhandenem Hause — St. Catharina,wie sie mit den — Philosophen disputirk (undohne Zweifel den Sieg davon tragt) in der Her-zoglichen Kapelle, und so viel Anderes in derStiftskirche zu Laubus, wie z. B. der gekreuzigteHeiland, wozu er, nach seinem eigenen Geständ-nis im Traum aufgefordert wurde — der gegeis-selte Christus, wofür er nichts anders begehrte,als: »Daß täglich vor diesem Bilde ein Gebetfür ihn verrichtet würde, und er dadurch Gnadevor Gott fände, weil er wegen einer nackendenVenus *), die er noch vor seiner Bekehrung malte,und vielleicht damit manche Unschuld beleidigte,im andern Leben leiden zu müßen fürchtet" —das H. Grab, auf Holz, in Wasserfarbe — dieHauskapelle und die Decke des äbtischen Speise-saals zu Loberis, ein prächtiges Fresko — Einanderes solches im Lusthause zu Motschelnitz, mitmythologischen Figuren., Für das „seltsamste"seiner geetzten Blätter halt Dkabacz den „soge-nannten" Stammbaum (wohl den schon erwähn-ten Stammbaum Christi ). S. darüber Annalend. Liter. u. Kunst v. I. 1810. S. 642.
Endlich erhalten wir so eben von einem unse-rer Kunstfreunde noch folgende Notizzen über denUnsrigen, worin sich zwar einiges schon Erwähn-tes, dann aber noch verschiedenes Besonderes be-findet: „Nachdem wilmann in Holland, Berlin (1660) und Pohlen gewesen, begab er sich nachBreslau , mochte aber nicht in die dortige Maler-zunft eintreten. Unterdessen verschaffte er sich da-durch einen Schutz, daß er die katholische Reli-gion annahm, ja endlich selbst einen CisterzienserrMönch abgab **). Die beßte Arbeit von ihm
Wilmann.
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fleht man in den Klöstern Laubus, Grissau undden übrigen Schlesischen Klöstern seines Ordens.Anderes trifft man in Breslau ; so in der Dom-kirche, Dicenzkirche (sämmtliche Altarblatter),Nicolaikirche, Minoritenkirche (der H. Wenzel),Elisabethkirche (das Altarblatt), bey den Urseliner-nonnen (der H. Franz Xaver und die H. Ursula.)Anmerkungswerth sind auch die 20 Gemälde mitdem Leben der H. Hedwig, in der Klosterkirchezu Trebnitz; sie sind zu Prag von I. Balzer, undzwar nach den davon durch Bartsch entnommenenCopien, in Kupfer gebracht worden. Bisweilenscheinen die Malereyen dieses trefflichen Künstlersunbeendet; man glaubt dieß rühre daher, weil eres zwar gern sah, wenn man ihn im Voraus be-zahlte, dann aber ungern an die bestellte Arbeitgieng, daß man sogar durch Emsperrung ihn dazunöthigen mußte. Beschreib, d. Stadt Bres,lau Brieg ,794. 8 " S. 442 ff. Duhlmann'sBeschreibung d. Berliner-Galerie S- >26.244. 370., wo er Derer Michael (w) heißt,sagt, daß Rembrandt's Manier ihn in Holland also rührte, daß er sich in dessen Schule begab;hierauf jedoch, um sich in der Zeichnung geschick-ter zu machen, nach Rom ging ***1, wo er zwarunter Cortona studirte, aber den Effekt der Rem-brandtischen Art und Weise in seinen Gemäldenimmer beybehielt. Ferner: „Dieser geschickte undnicht nach Verdienst bekannte Künstler komponirtemit Feuer und Leichtigkeit, war in der Zeichnungfest und im Colorite kräftig. Die Gemälde, welcheer anfänglich bey seiner Zurückkunfk nach Leutsch-land fertigte, sind fleißig; später arbeitete er flüch-tiger, obwohl seine Gedanken immer dichterischund wohlgeordnet blieben. In Pohlen u. Schle-sien findet man Vieles von ihm; seine schönstenSachen aber trifft man im Cistercienserkloster zuLaubus, wo er auch in hohem Alterstarb." Ge-dachte Galerie besitzt von ihm: Venus und Ku-pido bey dem Vulkan (sehr fleißig ausgeführt -f-);und eine 1682 gemalte Allegorie zu Ehren Chur-fürst Friedrich Wilhelm des Großen. — Folgen-des soll er eigenhändig radirt haben: Sein Bild-niß mit der Brille, ein kleines Blatt; eine H.Familie; die Enthauptung des H. Johann Bap-tist« kl. Fol.; die Dornenkrönung 8"; die Kreuz-tragung 8°; Christus todt am Kreuze 8°; dasBrustbild eines Prälaten mit einer Mütze auf demKopfe. Wir selbst kennen eine Himmelfahrt Ma-riä, flüchtig (fast in Rembrandt's Manier) undungemein geistreich radirt, bezeichnet: MMa»» kec. i 683 . — Nach ihm sollen dagegen gear-beitet haben: I. Balzer, wie oben bemerkt; B.Kilian eine H. Familie kl. Fol., und die Genea-logie Christi; Melch Küssel die Austheilung desAbendmals (schlecht) 8°. A. H. Riedel (-782) dieHalbfigur eines Mannes der zu beten scheint, ausder Dresdner-Galerie 12°); I. A. Riedel dasselbeStuck; Tscherning das Bildniß eines Prälatenin Fol.; und ein Unbekannter das Leben des H.Josephs 8°. Vergl. auch oben M. Wille (will).Wir nennen noch ein kleines Blättchen ohne Be-zeichnung, was die Herodias darstellt, wie siedenKopf in den Sack steckt. Ob solches aber vo»oder nach ihm geetzt seyn soll? vi-rrl muß ichwieder einmal hinzufügen.
*) S. die unten ff. Note f).
"2) Das — zum Theil Irrige dieser Notiz», haben wir schon vernommen.
*"*) Daß willmann Italien besucht habe, finden wir sonst nirgends als bey puhkmann erwähnt, und dürfte,wie so tausendsviel in der Kunstgeschichte, noch zweifelhaft seyn.
4 ) Hier hätten wir also vielleicht jene berühmte Venus ertappt, die wahrscheintich be» der oben erwähntenPlünderung von Charloltcnburg (-760), zu etwelcher Versöhnung von wilmann'» Manen, für sein Va-Vaterlaud verloren gieug.
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