Band 
Zweyter Theil [5].
Seite
6107
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Wink>lmann,

W i n k e l m a n n.

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Raum nach Art der Alten zu überfüllen, warsein Geschmack und seine Lust. Gebäude drängtensich an Gebäude, Saal an Saal, Halle zu Halle.Brunnen und Obelisken, Caryatiden und Bas-reliefe, Statuen und Gefäße fehlten weder imHof- noch Garkenraum, indeß große und kleinereZimmer, Galerien und Kabinette die merkwürdig-sten Monumente aller Zeilen enthielten."

Glücksfalle.

Aber auch manch anderes äußeres Glück be-gegnete ihm auf seinem Wege. Nicht allein, daßin Rom das Aufgraben der Alterthümer lebhaft undglücklich von Statten ging, sondern es waren auchdie Hcrculanischen und Ponipejischen Entdeckungentheils neu, theils durch Neid, Verheimlichungund Langsamkeit unbekannt geblieben, und so kamer in eine Erndte, die seinem Geiste und seinerThätigkeit genugsam zu schaffen gab."Ein ande-rer nicht geringer Vortheil für ihn war sein Ver-hältniß zu dem Erben der großen Stoschischen Be-sitzungen. Erst nach dem Tode des Sammlerslernte er diese kleine Kunstwelt kennen, und herrschtedarinn nach seiner Einsicht und Ueberzeugung.Freylich ging man nicht mit allen Theilen dieseräußerst schätzbaren Sammlung gleich vorsichtig um,wiewohl das Ganze einen Katalog, zur Freudeund zum Nutzen nachfolgender Liebhaber undSammler, verdient hatte. Manches ward ver-schleudert; doch um die treffliche Gemmensammlungbekannter und verkäuflicher zu machen, unternahmw. mit dem Erben Stosch die Fertigung einesKatalogs, von welchem Geschäft und dessen über-eilter und doch immer geistreicher Behandlung unsdie überbliebene Correspondenz ein merkwürdigesZeugniß ablegt."

Unternommene Schriften.

Wie manchen Titel von Schriften hat er unsin seinen Briefen hinterlassen, welche allernächsterscheinen sollten, und nie erschienen sind; undauch von den erschienenen, ob sie in ihrer ur-sprünglichen, oder in einer veränderten Gestalterscheinen sollten, hing von unendlich mannigfal-tigen, kleinen Umständen ab. Nur einen Monatspäter, so hätten wir ein anderes Werk, richtigeran Gehalt, bestimmter in der Form, vielleichtetwas ganz Anderes. Und eben darum bedauernwir höchlich seinen frühzeitigen Tod, weil er sichimmer wieder umgeschrieben, und immer sein fer-neres und neuestes Leben in seine Schriften einge-arbeitet hätte. So sind seine Werke, verbundenmit seinen Briefen, eine vollkommene Lebens-darstellung des Unsrigen, sind sein Leben selbst.Sie sehen, wie das Leben der meisten Menschen,nur einer Vorbereitung, nicht einem Werke gleich.Sie veranlassen zu Hoffnungen, zu Wünschen zuAhndungen; wie man daran bessern will, so siehtman, daß man sich selbst zu bessern hatte; wieman sie tadeln will, so sieht man, daß mandemselbigen Tadel, vielleicht auf einer HähernStufe der Erkenntniß, selbst ausgesetzt seynmächte: Denn Beschränkung ist überall unserLoos."

Philosophie.

winkelmLnn beklagt sich bitter über diePhilosophen seinerzeit, und ihren ausgebreitetenEinfluß." (Ob, nach dem Sinne des Verfassersdieses Aufsatzes, mit Recht oder mit Unrecht, istuns nicht klar geworden). Hier nur die sonder-bare Bemerkung:Daß kein Gelehrter ungestraftjene große philosophische Bewegung, die durchKant begonnen, von sich abgewiesen, sich ihr

widersetzt, sie verachtet habe, außer etwa dieachten Alterthumsforscher, welche durch die Ei-genheit ihres Studiums vor allen andern Men-schen vorzüglich begünstigt zu seyn scheinen. Dennindem sie sich nur mit dem Beßten, was dieWelt hervorgebracht hat, beschäftigen, und dasGeringe, ja das Schlechtere nur im Bezug aufjenes Vortreffliche betrachten, so erlangen ihreKenntnisse eine solche Fülle, ihre Urtheile einesolche Sicherheit, ihr Geschmack eine solche Con-sistenz, daß sie innerhalb ihres eigenen Kreisesbis zur Verwunderung, ja bis zum Erstaunen,ausgebildet erscheinen."

Poesie.

Bey genauer Betrachtung von W- Studiumund Lebensgange finden wir bey ihm keine eigent-liche Neiguirg zur Poesie, ja man könnte ehersagen, daß hie und da eine Abneigung hervor,blicke; wie denn seine Vorliebe für alte gewohnteluthersche Kirchenlieder, und sein Verlangen einsolches unverfälschtes Gesangbuch selbst in Rom zu besitzen, wohl von einem tüchtigen, wackernDeutschen , aber nicht eben von einem Freundeder Dichtkunst zeuget" am meisten (möchtenwir hinzusetzen) von Allem, was das Lebenerfreut.Desto wunderbarer und erfreulicher istes, wenn er selbst als Poet auftritt, und zwarals ein tüchtiger, unverkennbarer in seinen Be-schreibungen der Staruen, ja beynahe durchausin seinen spätern Schriften. Er sieht mit denAugen, er faßt mit dem Sinn unaussprechlicheWerke, und doch fühlt er den unwiderstehlichenDrang mit Worten und Buchstaben ihnen beyzu-kommen. Das vollendete Herrliche, die Ideeworaus diese Gestalt entsprang, das Gefühl,das in ihm beym Schauen erregt ward, solldem Hörer, dem Leser mitgetheilt werden, undindem er nun die ganze Rüstkammer seiner Fähig-keiten mustert, sieht er sich genöthigt, nach demKräftigsten und Würdigsten zu greifen, was ihmzu Gebote steht. Er muß Poet feyn, er magdaran denken, er mag wollen oder nicht."

Erlangte Einsicht.

So sehrW- überhaupt auf ein gewisses An-setzn vor der Welt achtete, so sehr er sich einenlitterarischen Ruhm wünschte, so gut er seineWerke auszustatten und sie durch einen gewissenfeyerlichen Stil zu erheben suchte; so war er dochkeineswegcs blind gegen ihre Mangel, die ervielmehr auf das schnellste bemerkte, wie sich'sbey seiner fortschreitenden, immer neue Gegen-stände fassenden und bearbeitenden Natur noth-wendig ereignen mußte. Hatte er das Mscpt. nochin der Hand, so ward es umgeschrieben; wares zum Druck abgesendet, so wurden Verbesse-rungen und Nachtrage hinterdrein geschickt, undvon allen diesen Reuschrilren machte er seinenFreunden kein Geheimniß: Denn auf Wahrheit,Geradheit, Derbheit und Redlichkeit stand seinganzes Wesen gegründet."

Spätere Werke (Oder vielmehr nur über dieLloaumenli inessiti).

Man sieht wohl, daß jene Lust neue Gegen-stände bekannt zu machen, sie auf eine glücklicheWeise zu erklären, die Alterthumskunde in sogroßem Maße zu erweitern, ihn zuerst hiefür an-gelockt habe; dann tritt das Interesse hinzu, dievon ihm in der Kunstgeschichte einmal aufgestellteMethode auch hier an Gegenständen, die er demLeser vor Augen legt, z» prüfen, da denn zuletzt

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