Winkel mann.
Winkelmann.
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doch immer von einer Unruhe gepeinigt, die, indemsie tief in seinem Charakter lag, gar mancherleiGestalten annahm. Er hatte sich früher kümmer-lich behalfen, später von der Gnade des Hofs,von der Gunst manches Wohlwollenden gelebt,wobey er sich immer auf das geringste Bedürfnißeinschränkte, um nicht abhängig, oder abhängi-ger zu werden. Indessen war er auch auf dastüchtigste bemüht, sich für die Gegenwart, fürdie Zukunft aus eigenen Kräften einen Unterhaltzu verschaffen, wozu ihm endlich die gelungeneAusgabe seines Kupferwerks die schönste Hoffnunggab. Allein jener ungewisse Zustand hatte ihn ge-wöhnt, wegen seiner Subsistenz bald hierhin balddorthin zu sehen, bald sich mit geringen Vorthei-len im Hause eines Cardinais, in der Vakicanaund sonst unterzuthun, bald aber, wenn er wie-der eine andere Aussicht vor sich sah, großmüthigseinen Platz aufzugeben, indessen sich doch wie-der nach andern Stellen umzusehen, und man-chen Anträgen ein Gehör zu leihen. Sodann isteiner, der in Rom wohnt, der Reiselust nachallen Weltgegenden ausgesetzt. Er ficht sich imMittelpunkt der alten Weit, und die für denAlterthumsforscher interessantesten Lander nah umsich her; Groß-Griechenland undSicilien, Dal-matien, der Peloponnes , Jonien und Aegypken,alles wird den Bewohnern Roms gleichsam ange-boten. So will denn unser H). auch überall hin,theils aus eigenen Kräften, theils in Gesellschaftsolcher wohlhabenden Reisenden, die den Wertheines unterrichteten, talentvollen Gefährten mehroder weniger zu schätzen wissen. — Noch eine Ur-sache dieser innern Unruhe und Unbehaglichkeitmacht seinem Herzen Ehre, es ist das unwider-stehliche Verlangen nach abwesenden Freunden.Hier scheint sich die Sehnsucht des Mannes, dersonst so sehr von der Gegenwart lebte, ganzeigentlich rvnrentrirt zu haben. Er sieht sie vorsich, er unterhält sich mit ihnen durch Briefe,er sehnt sich nach ihrer Umarmung und wünschtdie früher zusammenverlebten Tage zu wiederholen.Diese besonders nach Norden gerichteten Wünschehatte der Friede aufs Neue belebt. Sich demgroßen König darzustellen, der ihn schon frühereines Antrags seiner Dienste gewürdigt, war seinStolz; den Fürsten von Dessau wiederzusehen,dessen hohe ruhige Natur er als von Gott aufdie Erde gesandt betrachtete; den Herzog vonBraunschweig , dessen große Eigenschaften er zuwürdigen wußte, zu verehren; den Minister vonMünchhausen, der so viel für die Wissenschaftenthat, persönlich zu preisen, dessen unsterblicheSchöpfung in Göttingen zu bewundern; sich mitseinen Schweizer Freunden wieder einmal lebhaftund vertraulich zu freuen — solche Lockungen tön-ten in seinem Herzen, in seiner Einbildungskraftwieder, mit solchen Bildern hatte er sich langebeschäftigt, lange gespielt, bis er zuletzt un-glücklicherweise diesem Trieb gelegentlich folgtund so in seinen Tod geht."
Hingang.
»So war er denn auf der höchsten Stufe desGlücks, das er sich nur hatte wünschen dürfen,der -Welt verschwunden. Ihn erwartete sein Va-terland , ihm streckten seine Freunde die Armeentgegen, alle Aeußerungen der Liebe, deren erso sehr bedurfte, alle Zeugnisse der öffentlichenAchtung, auf die er so viel Werth legt«, marte-ren seiner Erscheinung, um ihn zu überhäufen.Und in diesem Sinne dürfen wir ihn wohl glück-lich preisen, baß er von dem Gipfel des mensch-lichen Daseyns zu den Seeligen emporgestiegen,daß ein kurzer Schrecken, ei» schneller Schmerzihn von den Lebendigen hinweggenommen. DieGebrechen des Alters, die Abnahme der Geistes-
kräfte hat er nicht empfunden; die Zerstreuungder Kunstschätze, die er, obgleich in einem an-dern Sinne vorausgesagt, ist nicht vor seinenAugen geschehen ; er hat als Mann gelebt, undist als ein vollständiger Mann von hinnen gegan-gen. Nun genießt er im Andenken der Nachweltden Vortheil, als ein ewig Tüchtiger und Kräf-tiger zu erscheinen: Denn in der Gestalt, wieder Mensch die Erde verläßt, wandelt er unterden Schatten, und so bleibt uns Achill als ewigstrebender Jüngling gegenwärtig. Daß w. frühhinwegschied, kommt auch uns zu Gute. Vonfeinem Grabe her stärkt uns der Anhauch seinerKraft, und erregt in uns den lebhaftesten Drang,das, was er begonnen, mit Eifer und Liebe kor'und immer fortzusetzen."
Aus dem zweyten Aufsätze S. — 62.
Dieser zweyte Aufsatz geht ungefehr den Gangder Heyne'schen Lobrede, und untersucht erstlich,welche Meinungen und Begriffe über die vorhan-denen Monumente der alten Kunst im Gange wa-ren, ehe w- in diesem Fache auftrat, und unter-nimmt zweytens zu zeige», in welchen wesent-lichen Punkten sein Bemühen bessere Erkenntnißaufgebracht und eingeleitet habe.
--In Italien galten um die Mitte des verflosse-nen Jahrhunderts Gori, Dasseri, wie auch Braccifür die trefflichsten Alkerthumsforscher, besonderswar der zuerstgenannke rühmlich bekannt. Alledrey waren Männer von gründlicher Gelehrsam-keit, aber nicht eben so vorzüglich in Hinsichtauf Kunstkenntnisse und Geschmacksbildung, daherim Urtheil über die Monumente, welche sie zuerklären gedachten, in der Vergleichung öerftl,den mit Andern, und in den daraus gezogenenSchlüssen gar manchen Fehlgriffen ausgesetzt.Die in früherer Zeit schon aufgebrachte, abervon den erwähnten Gelehrten ebenfalls angenom-mene und fortgepflanzte viel zu gute Meinungvorn Kunstvermögen der alten Etrurier, von decAnzahl so wie vorn Gehalt der ihnen zuzurechnen-den Monumente war ein äußerst schädliches Vor-urtheil, welches den Fortschritten der Alterthums-künde auf mancherlei Weise Hindernisse in denWeg legte. Vielleicht besaß der französische Grafttaylus weniger gelehrte Kenntnisse, als einerder genannten Jtaliäner, er vergütete aber sol-ches durch lebhaftere Neigung für Kunstwerke,durch ein mehr heiteres gewandtes Denk- undUrrheilsvermögen; auch ist seine Schreibart ge-fälliger, unterhaltender, welches nebst Sprache,Vermögen, Stand, Einfluß, Bekanntschaften rc«seine Schriften zu den gcleftnflen, seine Mei-nungen zu den geltendsten jener Zeit machte.Nun schrieb auch Caylus den alten Etruritrn emrMenge Denkmale zu, welche ganz andern Völkernzugehvrten. In noch größerer Achtung aber standen bey ihm die alten Aegypter, denen er nichtnur die anfängliche Erfindung der schönen Künstezum hohen Verdienst anrechnete, sondern auchvermeinte, daß Etrurier und Griechen dieselbenvon ihnen erhalten hätten. Ueberhaupt waltetendamals über das Eigenthümliche des Geschmacksder Kunstwerke verschiedener Völker, und überdie in Styl »nd Behandlung verschiedenen Epo-chen der Kunst noch sehr unsichere Begriffe. Daherfinden sich von sssylns wahrscheinlich ElrurischeDenkmale unter den Egyptischen aufgeführt, undeben so Altgriechische den Römische» beygemischt.In solchem Zustande befand sich derjenige Theilder Alterthumskunde, der sich über Denkmale derbildenden Kunst erstreckt. Man ging meist, wiez. B. bey den obengenannten drey italiänischenGelehrten der Fall war, mit dürftigem Geschmackund noch armer an Kunsikenntnissen, einseitig