Zoega.
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nen Freund Esmarch bald darauf aus Florenz :„Nicht mehr in Rom , wie ein Geist, der ausdem Himmel gestoßen wäre"; und zugleich sehrwahr: „Ich habe mir unter den Römern einenNamen gemacht, daß sie mich nicht leicht ver-gessen werden". Im Mai (1784.) langte er zuParis an. Aus einer Geldnoth, welche ihm mitt-lerweile zugestoßen war, hatte ihn Esmarchgerettet. Da schon seit einiger Zeit Guldberg inUngnade gefallen war, und er nicht wußte,ob er von dem neuen Minister Bernstorf gleicheGunst zu erwarten hätte, er auch von Seite sei-ner Familie lange ohne Nachricht blieb, kehrte er,in einer Art von Verzweiflung spornstreichs nachRom zurück, wo er End Julius wieder anlangte,und ihn gleich bey seiner Ankunft eine Krankheitan den Rand des Grabes brachte, er aber anMonsignor Borgia einen zweyten Vater fand.Schon vor anderthalb Jahren hatte er sich miteiner blutjungen Römischen Malers-Tochter ^vermahlt, welche er, als er nach Paris ging,schwanger hinterließ, und die ihm jetzt, bald nachseiner Ankunft, ein Mädchen gebar. Diese Ver-bindung hatte er seinen Eltern, und selbst seinenbeßten Freunden verheimlicht; noch mehr aber,daß er bey gleicher Gelegenheit zur katholischenKirche übergegangen war. Indessen nahm seinVater die Nachricht von Beydem noch mit ziem-licher Gleichgültigkeit auf; allmälig auch desSohns gefaßten Entschluß, sich nunmehr inRom anzusiedeln, es wäre denn, daß lem Vater-land seiner Dienste unter annehmlichen Bedingenbegehrte. Er selbst bestätigte die Wahrheit jenerbeyden Ereignisse, nachdem solche in Dänemark schon ruchtbar waren, zuerst einem seiner Ver-wandten, mit dem kurzen Worte: „Ich habeein Weib genommen, und glaube nicht an DoktorLuther "! Mittlerweile ward ihm, durch Vor-schub einiger Gönner bey dem Papste eme Stelle,als Dolmetsch der Propaganda in neuern Sprachen,mit dem kleinen Gehalte von iho Species-Dukatenund der Hoffnung ausgewirkt, bey erster Gelegen-heit auf eine ausgezeichnetere Art gebraucht zuwerde» — als er, wenige Tage hernach Briefe vonHaus erhielt, welche «hm seine dortige, einst vonGuldberg ausgemittelte weit vorcheilhaftere An-stellung bestätigten. Hierüber bezeigte sich Zoegasehr dankbar; aber der Schritt in Rom war nuneinmal gethan, und ließ sich wenigstens eins-weilen nicht aus Zurücktreten denken. Uebrigensgestand er bald hernach seinem schon erwähntenVerwandten: Daß namentlich, was seine Reli-gionsänderung angehe, ihm schon langst unterallen christlichen Sekten die katholische die ältesteund ehrwürdigste geschienen. „ Uebrigens sey GottRichter im Dunkeln; und wie jeglichen sein Geniusleite, sey der Weg für ihn gut". Wogegen seinVater (doch ganz gelassen) gelegentlich meinte:„David habe nicht von seinem Genius, sondernvon dem guten Geist Gottes geleitet seyn wollen ",und konnte sich vornehmlich nicht überzeugen,daß etwas Anderes, als eine schone Römerin,an seinem Abfalle Schuld sey. Die einzige Gunst,welche Zoega damals noch von seinem Vaterlandzu erhalten wünschte, war die Stelle eines Däni-schen Consuls und Agenten im Kirchenstaat , weiler sich davon, in blöden Augen wenigstens,einiges neues Ansetzn in Rom versprach. Kaumhatte er sich von seiner Krankheit, langsam genug
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erholt, so ging er wieder mit Eifer an die Arbeit,und fein berühmtes Werk: Ueber die AegyptischenKaisermünzen kam endlich 1787 zur Reife,und Er allein erkannte noch mehr als Ein Gebre-chen desselben, als er sich, unter Vorbereitungenvon fast unglaublichem Umfange zu einem zweyten,noch ungleich wichtigern: Ueber die Obelisken,wandte. Sein Haushalt hatte sich mittlerweilevermehrt, und 'zu Erleichterung desselben stoßenihm theils vom väterlichen Hause, theils vondem Kronprinzen von Dänemark und der Aka-demie der Künste, für monatliche Berichte vonKunstsachen, von Zeit zu Zeit Unterstützungen zu.Sein Vater starb 17g". Ein Theilungsverwallerhatte ihm den Erböthest, seiner Apostasie wegenentziehen wollen; allein seine Geschwister gabenein solches Unrecht nicht zu. Nur selten wandelteihn ein kurzes Heimweh nach seinem Vaterland au.Er sah dasselbe» nie wieder, und entfernte sichbis an seinen Tod von Rom nie weiter als ein-mal nach Neapel und ein andermal nach Venedig ,beydes zu Födcrung des Unternehmens des Pros.Holmes von Oxford, um die Handschriften derstebenzig Dollmetscher vergleichen zu lassen. Soging wohl die eine Hälfte seiner Sehnsucht drey-gedoppelr in Erfüllung, aber desto minder diezweyte, wann er früherhin meinte: Um ein rech-ter Gelehrter seines Faches zu werden, müsse manzehn Jahre in Rom , und zehn im — Orientzubringe». Von seinen Kindern starben einige,und andere wurden ihm wieder geboren. ImFrühjahr 1792 halle er ihrer dreyc, feine erst-geborne Tochter, dann eine jüngere, und einenSohn vollends erst seit dreyzehn Monaten. DieLiebe zu seiner Römerin, „die denn doch nichtsals Kinder gebühren können", hatte in etwasabgenommen; dennoch entfernte er sich ungernvon ihr, und überhaupt verfolgte ihn sein natür-licher Hang zu Schwermuth und Spieen immermehr. Drey Jahre lang correspondirte er einzigmit Muntern. Der zu behandelnde Stoff seinerHauptarbeit häufte sich täglich, und das ganzegefiel ihm stets weniger. In 179h wohnte erFernow's Vorlesungen über die Aesthetik nachKantischen Grundsätzen mit bey, ward aber baldunwillig „bekannte einfache Sachen in neue müh-same Kunstwörter travestirt ' zu hören. Endlichkam das Werk: lle online et U8N Obeliscorum,sol. kom. 797. 3) unter Mühe und Schweißzu Stande. Pius VI. der unterdessen gestorbenwar, soll an dasselbe 12,000 Scudi verwandthaben. Den Absatz der von dessen Nachfolgerdem Verfasser bewilligten Exemplare suchten ihmBorgia, Millin, und Freunde aus Kopenhagen (Münter und Anderste Brun), auch einige inEngland, wohin auf einmal 5o ginge», zu beför-dern. Nach Deutschland kam davon einsweilennur Eines 4)! Um diese Zeit hatte der sogenannteFriede von Lolcntino Rom seiner beßten Kunst-werke beraubt, und diese Zerstörung mehrte Zoega'sUnmuth nicht wenig, und erneuerte auf eine Weileseinen Wunsch nach der Heimath, der aber baldwieder einschlummerte, als er endlich 1798 dielängst ersehnte Dänische Consul- und Agentenstelleim Kirchenstaat mit öoo Thlr. Gehalt erhielt. Inder neuen Römischen Republik war er der ein-zige Ausländer» der in das National-Instituterkiest wurde, und schätzte sich dies zu nicht ge-ringer Ehre. Was ihm große Mühe machte war,
i) Maria pietruccioli.
O Er. 4°. 4,6 S. und 22 Kupfert.
z) Diese Iahrzahl trägt es, erschien aber erst -300 und kostete -0 — 12 Scudi.
4) Die lesenswertheste Critik dieses Werkes s. ,'n welcher'« Leben Zoega's n. S. 101 —,«2.