Band 
Zweyter Theil [5].
Seite
3
JPEG-Download
 

Abbate.

3

Nachfolgte von Raphael je verdienen kann (".Als er dann späterhin nach Bologna kam, woer sich hauShablich niederließ, malte er dorr,unter dem Portico de' Leoni eine Geburt dec H.Jungfrau in einer Manier, in welcher wederRaffaellino di Borgo, noch irgend ein andrerZögling der Römischen Schule so sehr demHaupte derselben glich, kurz ein Bild, welchesachte Kenner für das schönste in Fresco zu Bo­ logna hielten, und eben so, wie andre seinerWerke, von den Carracci bewundert und nach-geahmt wurde. So z. B- jene Gesellschafts-bitt er von Jünglingen und Frauen in der Friseeines der Jnstitukosale(2). Inzwischen ahmte er,neben Raphael , auch andre große Kunstlichternach; und es ist eigentliw ein Sonett von Au-gustm Carracci , welches alle Künstler aus-wendig wußten, das in unserm einzigen Hic-colo die Symmetrie von Raphael , die Schreckendes Buonaroti, Titjans Wahrheit, CorpeggiosAdelt?), Tibaldis Zusammensetzung und Par-megianinvs Grazie vereinigt fand freylichimmerhin Lob eines Poeten, der für seine Schuleleidenschaftlich eingenommen ist, das noch all-gemeinern Beyfall erhalten müßte, wenn n,anmehrere Arbeiten des Unsrlgen auch in Galerienfinden würde. Allein er erschien nun einmal fastimmer als Frescante, ging dann schon in seinemVierzigsten mit Abbate Primaticcio nach Frank­ reich , und sah Italien nie wieder. Daß er nichtbloß Gehülfe dieses letzter» he» den Arbeitenzu Fontainebleau , sondern dessen eigentlicherSchiller war, und seinen Namen Abbate vonihm entlehnte, erklärt Lanzi beydes für Fabel.Jene Bilder zu Fontainebleau bestanden, nachEbendemselben, nicht in acht und fünfzig, son-dern acht und dreyßig Nummern, und wurdennicht 1/58, sondern I7§o zernichtet(r). IhrColorit war so schön, daß man sie für in Delgemalt hielt. In Deutschland besitzt die einzigeGalerie zu Dreoden (einst in derjenigen zuModena (H) von ihm die große Seltenheit einesDelgemaldes auf Holz (-3' hoch,, 7^ breit),das schon Malvasia zu seinen vorzüglichsten Ar-beiten zählt: Die Marter St. Peters und St«Pauls in der Glorie, nebst der H- Jungfranund dem Kinde, das von einem Engel einenPalmzweig empfängt, um damit die beydenMärtyrer zu krönen. Hesonders wird in die-sem ganz besonders merkwürdigen Hilde, neben decschön ausgeführten reichen Erfindung der Enrgelchöre, der Soldat bewundert, welcher dieHinrichtgng vollzieht. Gestochen hat dasselbeI,. Folkema nach I. B- Jnternaris Zeichnung,für das bekannte Galeriewerk (§). Die H. Fa-milie in einer reichen Landschaft, von H. kensgeschabt, deren unsre Zusätze erwähnen, scheint

Abbö.

(wie so viel Seltenstes!) in England zu seyn,da solche mit tke Hol)? IHmil^ rubrizirt ist.Noch nennt dann der Minklersche Gantkatalogein Bildniß Franz I. in antikem allegorischem (?)Costum, von P. Chenu; einen Apollo mit denMusen auf dem Parnaß, von St. de Laune(klein); und (dies zweifelhaft) Musen, die demPan opfern, mn einem unbekannten Monogramm,in M. Antons GeschmaLe. Ueberdieß kenntHeinecfe (plotlonn. ?. v.) nach ihm, eine an-dre, als die von Gyndylfi gestochene, Geburt, vonI. M. Mitelli geätzt; eine Anbetung der Weisen(aus der Capelle des Hotel de Soubise zu Paris )auf zwey Blättern, von I. A. le Poutre, ebenfallsgeätzt; die Marter von St. Stephan, und dievon St. Andreas, beyde von Baron ; Studien.mehrerer Figuren, vom Grafen von Caylusgeatzt, und endlich wollte mein sei. Vater einePallas, den Helm in der einen, und den Wurf-spieß in der andern, welcheAbbare selbst geatzthaben soll, kennen.

(1.1 Abbare (Peter Paul) der ältere,clansens Bruder. Auch Lanzi (est. lerr. IV. 3g)nennt ihn besonders glücklich in Kavallerie-Scharmützeln. Ihm werden einige kleine Ge-mälde in der Galerie zu Florenz zugeichrieben,welche gerade unter denjenigen seines Brudersaus der Aeneis hangen,

(1,^1 (Peter Paul) der jüngere,Sohn des obigen Herkul«, dessen im Lexiconunter dem Artikel perer Paul des alpern ge-dacht wird, st. r6Zn erst acht und dreyßig Jahrealt. Er ahmte die Manier seines Vaters ziem-lich gut, doch nicht mit dem feurigen Genie des-selben, nach. Von einigen ihm zugeeignetenBildern ist es ungewiß, ob sie zu seinen beßten,oder zu den mittelmäßigen seines Vaters gehö-ren. Ls/rrr, e,l. ipi L. k V. Ho, Als zuverläßigppn ihm nennt Fiorilio ll. 3Zo3» drey schöneBilder in der Galerie zu Moden«: Eine Geburtdes Heilandes, eine Verlobung, und eine Dar-stellung der H. Jungfrau im Tempel (^).

(I. II ^ (il). Hierunter ist auch derberühmte Franz Primaticcio im Lexicon und inden Zusätzen zu verstehen.

(I. Il/> Adbarini, s. Abarini im Lexi'conin den Supplementen, und oben.

sl. ll/> Abbe (H.), eigentlich Abbe ohneAccent. Die von ihm gezeichneten OvidischenVerwandlungen, deren das Supplement gedenkt,finden sich in: l.es lüeiamorpliOLes st'Oviüe,Irast. xar k. fiu k^er;, nouv. lc>1. Lruxelles

(>) Sie wurden von >537^-46 gefertigt. 8iorMs H- 47Z, wo auch bemerkt wird, daß «t anfänglichVieles gemeinschaftlich mit Albert Montana gefertigt habe,

(->) Es sind viere: Eine Spiel-, eine Trink- und zwey Musikgesellschaften; AlleS in Halbfiguren,Gestochen von B. Crivellari, in dem Werke : k.« xiccure cli keUegriao »idslcli e M ^Vr'co/o

errircenri üeU' iosrituta äj stologas, stescrirre ecl illpsrrsre lla 6- ?. Laoorri , gr. kol.Veneri» , »7Z6.

(3) ll-rnzi irrt in Beydem.

(4) Ist dieß dasselbe Bild, welches (s. oben den Anfang dieses Artikels) einst bey den schwarzenMönchen zu Modena stand? Wir glauben jg! E. Fiorillo, U 472.

(5) Der Catalog von Brandes nennt tS schön, und führt dann noch «inen andern Stich, nach ebendiesem Bilde, von L- Aucck>i an, von welchem es bey Heinecke (Nachr, I. ,07) heißt, daß sol-ches dem Könige nicht gefiel, und darum von Folkema neu gefertigt wurde, indessen auch nicht sovpllkommnrn Beyfall erhielt. Einen Nachstich gab auch P. A. Kilian in seiner Bibel.

(6) Die Filiation der sechs Abbist wäre somit folgende: i, Johann; u. z. Niclaus und Peterpauk dex ältere, Johanns Söhne; 4. Julius Camillus, Sohn von Niclaus; 5. Herkuk, Sohnvon Julius CamilluS; 6. Peter Paul der jüngere, Sohn von Herkul.