mehr forderten: So die schlummernde Venus,Diana im Bade, Danae auf ihrem Ruhebette,Galathea auf dem Meer, und Europa auf demRücken ihres Stiers, welche letzt« sich in großenBildern der Galerien Colonna und Bolognettizu Rom , und bey den Grafen Mosca zu Pesaro wiederholt befindet. Wunderschön find seine Amo-rine, wie fie hier über ein Mädchen einen Bal,dachin verbreiten, um den Sonnenstrahl vonihm abzuwehren, dort andre den göttlichen Stieran Blumenbanden ziehn, und wieder anbrechnmit Spießen sporrn. Wieder andremal führter sie zu einem Ballet auf, oder läßt sie Kränzeflechten, oder sich mit dem Bogen üben, undnach einem aufgehängten — Herzen Ziel schießen.Nicht selten birgt er irgend eine sinnreiche Alle-gorie unter der Hülle seiner Bilder. So in denOvalen seiner vier Elemente in der Villa Bor-ghese, und in der Wiederholung derselben in derGalerie zu Turin (H. Auch hier erscheinen wiederAmorine, die dem Vulkan in seiner Esse die Pfeileschmieden, oder in der Luft den Vögelchen nach-stellen oder im Meere schiffen und fischen, oderauf der Erde Blumen pflücken und Kronenflechten: All' dergleichen im Sinne der Alten,die jedes Geschäft in der Natur einem Geniuszuschreiben, und darum die Welt mit so vielGeisierchen füllen. Mit heiligen Gegenständengab Albani sich weniger ab ; aber auch da blieber seinem Geschmacke getreu, und graziöse En-gelchen mußten dabey das Vornehmste thun.So z. B. stellte er zum öftersten das Jesuskindvor, wie es den Blick in die Höhe nach denkleinen Himmelsboten richtet, welche Dornen-kronen, Geißeln, Kceutze und andre Sinnbilderseines künftigen Leidens Herbeytragen. So inzwey Darstellungen in der Galerie zu Florenz ,und in zwey ähnlichen bey den Dominikanernzu Forli und bey den Philippinern zu Bologna .Andre Werke von ihm finden sich zu Matelica ,Osimo und Rimini - Und wieder andre in Fresco,wie sein dkoli nie taubere bey St. Michele inBosco di Bologna, und Anderes bey St. Ja-cob der Spagniolcn zu Rom (hier nach Hanni-bals Zeichnung) geben zuerkennen, daß er auchTalente für's Größere hatte, aber doch immerlieber und besser sich auf's Kleinere legte. Gui-do's und Albani's gegenseitige Eifersucht wirdzwar von einigen Kunstgeschichtschreibern, aberohne genügsamen Grund, bezweifelt. Die Schü-ler zumal des Erster» wußten immer etwas andem Styl des Letztern zu tadeln; bald schiener ihnen zu weichlich, zu unzterlich in den männ-lichen, und zu wenig abwechselnd in den Frauen-und Kinderfiguren zu seyn. Und wie sehr mußtees Francesco ärgern, als er und Guido einesTags von dem Kardinal Barbarin! den Auftragerhielten, für den König von England die Fa-bel von Bacchus und Ariadne gemeinschaftlich,Albani die Landschaft, Guido die Figuren zumalen, wo dann jene so gut gerieth, daß Letz-terer sich nicht getraute, das Seiuige hinzuzu,fügen, und darauf — das Beleidigendste that,da er nämlich Albani's ganze Landschaft miteinem großen Pinsel überstrich, und an ihrerStelle einen einfachen Felsen, nebst etwas Ra-sen am Seeufer darstellte." Von dem Unsrigenhat uns Malvasia einige schriftliche Fragmenteaufbewahrt, welche zwar ziemlich übel geordnet,aber desto schätzbarer für die darin enthaltenenNotijzen und Kunstmaximen sind.
So z. B- » Carravaggio's Naturalismus warihm zum Acrger, und er sagte voraus, wasderselbe inner vierzig Jahren für saubere Früchtetragen werde."
„Zu einem großen Mißgeschicke der Malerzählte er, daß dieselben den verkehrtesten Auf-tragen der Besteller Rechnung kragen, und inihren Bildern Figuren, die zum Hauptgegenstandnicht nur nicht gehören, sondern denselben eherverdunkeln, anbringen mußten; dem sogar Ra-phael sich nicht entziehen konnte. Zeugen : Jenevier müßige Heilige in seiner göttlichen Cä-cilia!"
Seine Achtung für Raphael war übrigens un-begrenzt, und er nannte diesen großen Namennie, ohne das Haupt zu entblößen.
Einen Kopf mit ein paar Händen, oder gareine Schüssel mit tauben Früchten zu malen,hielt er kaum der Kunst werth. Poetische Er-findung ging ihm über Alles, er riech darumauch dem Maler häufiges Studium der Dich-ter an, bedauerte nur, daß er die der Römernicht in ihrer Ursprache lesen konnte, und beflißsich desto eifriger der Lectur der Italienischen.
Alle niedrige Gegenstände mißfielen, unsittlichevollends empörten ihn. In seiner schönen Ein-falt konnte er nicht fassen, wie das, was inder Natur Ekel oder Unwillen erregen müßte,in der Malecey Beyfall erhalten, und die Pal-lästc der Großen — zieren könnte. Als seineGattin zu ältlich wurde, um ihm zum Modellzu dienen, und er daher sich genöthigt sah, zuandern Frauenspersonen seine Zuflucht zu neh-men, gestattete er ihnen nicht, mehrere Theileihres Körpers zu entblößen, als er eben für seinStudium bedurfte; und da er in seinen Bildernstets den größten Anstand beobachtete, so hattenauch seine Modelle nie nöthig, denselben außerAugen zu setzen. Als er bemerkte, daß einerseiner Schüler ein Loch in die Thüre gebohrt,um durch dasselbe des Anschauens eines dieserModelle zu genießen, jagte er ihn ausseiner Werkstätte auf immer fort. — Was Allesnamentlich von einem Maler aller Grazien »ndReitze, wunderbar, und wahrhaft erbaulich zuhören war!
Als ihn Malvasia (albern genug!) fragte:Ob er wünsche, daß sein Andenken durch einevollständige Lebensbeschreibung auf die Nachweltkomme? antwortete er: Nein! Doch zeigte erihm, aber ganz kurz, einige seiner bedeutendstenWerke an.
Bestimmt und bündig war seine Schätzungder vier, nach seinem Sinne vorzüglichsten Kunst-lichter: Raphael's, für die Erfindung; Buo-narori's, für seine, freylich oft schrankenloseGroßheit; Titlan's, für zarte Schönheit; Cor-reggw's, für cngelgleiche Reinheit. Indessenging ihm die Erfindung über Alles; alle andernKunsttheile seyen ihre Dienerinnen, und könnenihr eigenthümliches Licht nur im Gefolge dererstem gehörig leuchten lassen. — Ueber dieEarracci, seine Lehrer, urtheilte er, nicht etwabloß aus Dankbarkeit, sondern aus Ueberzeu-gung, wohl richtiger als die spätere Nachwelt:Daß denn doch keine von den Nachfolgern jenerNiere mehrere Vorzüge in sich vereinigt hät,ten, als diese drey Bruder. — An mehrernStellen rügt er vasari's Posaune aus vollenBacken für das Mittelmäßige wie für das Treff-liche, und die ermüdende Wiederholung derglei-chen Phrasen für sein Lobausspenden, u. s. f.
Was er in Bologna und Rom für trefflicheSchüler gezogen, wie Sacchi, Ctgnani, P. F.Mola u. s. f., ist bekannt. In Deutschland besitzen von dem Unsrigen die Kaiserliche Galeriezu Wien Nichts; dagegen diejenige von Licb-renstem zwey Eurporten: Ein liegende Venus,ein Armband und eine Perlenschnur in der Hand;
G) Aoraz Zamboni beschrieb solche unter dem Titel: Oren» anioro-» eic. S. Malvasia U. -Z7.