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' Allegri.
Auf einer der vier Seiten des Saals (^)erblickt man die von der Jagd zurückkehrendeDiana. Sie sitzt auf einem prächtigen Wagen,den zwey Hindinnen von blendender Weiße zie-hen. Die Göttin ist mit ihrem Bogen bewaffnet;eine leichte flüchtige Bekleidung verhüllt nurwenig die Formen der vollkommensten Jugend;auf ihrer Stirne thront die Anmuth und Hei-terkeit einer zarten, von keiner Begierde getrüb-ten Seele. So hat des Künstlers auserleseneEinbildungskraft in dieser zierlichen Figur (^«)den liebenswürdigen Ausdruck der Schaam mitdem Zauber der Wollust zu vereinigen gewußt.Die Decke zeigt ein grünes Rebgelander, mitBlüthen und Früchten behängen. VerlängerteRanken, die sich in dem höchsten Punkte derWölbung schließen, theilen diese Decke in 16Felder, viere an jeder Wand, deren jedes einemit Festons geschmückte Lunette hat; durch die-selben erblickt man den Himmel und Gruppenvon Liebesgöttern voll Bewegung und Leben.Einige halten sich in den zärtlichsten Stellungenumfaßt; andre tragen die Geräthschaften derJagd; andre ziehen den Kopf eines Hirschenfort, welchen die Pfeile Dianens erlegt haben.Einer dieser Amorine liebkost einen Hund, underschrickt vor dem Schalle des Horns, in welchesein Anderer plötzlich vor seinen Ohren stößt-Einige andere reichen sich die Hände, und ver-einigen ihre Kräfte, um die am Geländer her-abhängenden Früchte zu pflücken. Jede Gruppeist ein Bild, in welchem der Künstler sslle Reißeund die ganze Fröhlichkeit eines güldenen Welt-alters ausgedrückt hat. Man müßte die Spracheder Natur besitzen, welche den Pinsel des lie-benswürdigen Allegri lenkte, um uns zu sagen,mit welcher Kunst er die Stellungen dieser Kin-der und ihre unschuldigen Spiele vervielfältigt;mit welcher Wahrheit er die Zartheit des Flei-sches, die wallenden Locken, das natürlicheLächeln, die scherzende Freude, mit Einem Wortedie lebendige kindische Anmuth dargestellt hat,die, nach Winkelmanns Urtheil, namentlichauch den Kopfstellungen des Unsrigen so eigen-thümlich ist, daß sie davon den Namen derOiuria LorreAAesca erhalten hat."
»Rings um den Saal läuft dann ferner un-ten eine Borde, die mit einer in Festons auf-gezogenen Drapperie geschmückt, und mit Vasen,Trinkschaalen u. a. Verzierungen untermischt ist.
Allegri.
Diese sind mit einer Wahrheit ausgeführt, daßsie in Relief gearbeitet zu seyn scheinen. Ueberdieser Borde erheben sich wieder ib Lunettcn,die mit den Feldern der Wölbung zusammen-stoßen. Den Grund dieser Oeffnungen füllenBasreliefs, Grau in Grau gemalt, wozu dieGegenstände aus dem Alterthume genommensind. Hier sieht man den Tempel des Jupiters,eine opfernde Priesterin, eine Vesta, welche demBübchen Jupiter die Brust reicht; dort dieGöttin des Glücks auf einer Kugel, das Steuer-ruder (wie nöthig!) und ein Füllhorn zu ihrenFußen; weiterhin einen flötenden Faun, unddie spinnenden Parzen; endlich eine Gruppe derGrazien, in welcher der Maler die Vereinigungaller weiblichen Schönheit beabsichtigt zu habenscheint, u. s. f. u. f. (-S)".
»Ohne hier" (so schließt nun Micali) »diealte Frage entscheiden zu wollen, ob Correggio zu Rom studirt habest), bemerken wir nur,daß eine solche Wahl von Gegenständen, welchealle nach der Antike copirt, oder derselben nach-geahmt sind, auf's Wenigste bis,zur Evidenzbeweist, daß die Kenntniß des Alterthums ihmnicht so fremde war, als vasari u. a. behaup-tet haben i?H".
Da sich, wie wir schon vernommen, dießKunstwerk beinahe drey Jahrhunderte lang aneinem den Künstlern und Liebhabern ganz unzu-gänglichen Orte befand, und man in den neuernZeiten nur eine ungewisse Ueberlieferung davonhatte, so kam'es endlich so wett, daß einige,vielleicht gar von — dunkeln Männern gedun-gene Federn (^) sich vollends bemühen wollten, derWelt glauben zu machen, ein solches Werk seyniemals vorhanden gewesen. Indessen war durchjene unbestimmte Sagen, bald nach der Mittedes verstrichenen Jahrhunderts, die Aufmerk-samkeit des Publikums immer reger geworden.Besonders weiß man, daß Rapbael Mengsdie Erlaubniß erhielt, jene Clausur zu betreten,und daß er den daselbst wieder aufgefundenenSchatz allerdings für werth hielt, unter dieArbeiten des großen Correggio gezählt zu wer-den (^). Aehnliche Urtheile fällten auch Andre,wie z. B. der Genuesische Maler Rarri in sei-nen Nachrichten über das Leben und die Werkedes Unsrigen. Allein, mußte man nicht wiederungewiß werden, wenn man bemerkte, daßMengs, der sonst alle Arbeiten unsers Malers
(27) Nicht an der »Faxade", wie es irgendwo, uns unverständlich heißt.
(28) Vielleicht eine Anspielung auf die Vestale — piacenza, wo nicht gar ihre Abbildung, da sieselbst eine Liebhaberin der Jagd seyn mochte!
(29) Nach Micali; und immer noch etwas deutlicher, als die Beschreibung des P. Affo bey ZiortlloII. 267—269. Eine ausführlichere, und allerdings für diejenigen, welche zugleich das unten er-wähnte Kupferwerk vor Augen haben, sehr unterrichtende s. in Morgensterns Auszügena. d. Tagbüchern, u. s. f. I. (z) 255—26z.
lzo) Wenn indessen etwaS jene Behauptung von Meng« u. a. höchst wahrscheinlich macht, so ist eswohl dieses, gerade um diese Zeit, und mit einem einsweiligen so plötzlichen Uebersprung ausder christlichen in die heidnische Mythologie gefertigte Werk.
(8r) Micali l. v. Namentlich ein Umstand, welcher uns überzeugt, baß Allegri jede klassische Quellekannte, aus welcher die Einbildungskraft sich bereichern kann, ist: Daß unter den Gegenständen,welche er in jenen Lunetten behandelt hat, einer ist, der, so viel man weiß, auf keinem bekanntenDenkmal des Alterthums vorkömmt, und den er nur aus der Lectur der Jlias schöpfen konnte.Es ist nämlich die Vorstellung eines Weibs, das an einem Stricke hängt, die Hände über demKopf zusammengebunden und güldene Ambose an beyden Füßen hat — wie wir wissen die Strafe,mit welcher Jupiter seine himmlische Bettesgenossin belegte, als er sie, vor den Augen aller Götter,an der Höhe des Olympus aufhing. II. XV.
(Z2) So z. B. der Verfasser des Dialogs: ll Lervlckor clt kisn» ksrmegiano ; wieder abgedruckt imAlmanach von Parma »794.
(zz) Wo das gleich anfängliche dießfällige Urtheil von Mengs ursprünglich consignirt worden, habenwir freylich nirgends gefunden. In der Allg. Runstz. die bey Hermann in Frankfurt g<>. >802—igozerschien, heißt eö S- 2,8 kurz: „in einem Briefe von Mengs".
I.