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Allegri.
wären sie gleichsam wie Wachs ob dem Feuerzusammengeschmolzen. — Obgleich hiernächstAlles in diesem Gemälde Bewunderung verdient,so übertrift dennoch der Kopf der Magdalenanoch alles Uebrige an Schönheit; und mankann sagen, daß, wer dieses Haupt nicht gese-hen hat, sich nicht vorstellen kann, wie weit dieKunst ihren Zauber treiben kann; denn an dem-selben findest du den Ausdruck und die Cor-rektheit Raphaels, die Tinten des Titian , dieJmpasiirung des Giorgione ; jene Wahrheit undcharakteristische Genauigkeit, die man in denkleinsten mannigfaltigen Formen und Tinten derBildnisse von van Dyck wahrnimmt, das Ge-räumige («xarioso) des Guido, und das Froh-licht des Paul Veronese — Alle dieses stelltsich dem Auge mit derjenigen Zartheit undMilde dar, die bloß Correggio in seiner Ge-walt hatte, und die kein Andrer durch Nachah-mung und selbst durch Copiren jemals erreichenkonnte. Denn auch die Copieen, welche diegeschicktesten Künstler nach diesem Bilde gefer-tigt haben, verhalten sich zu ihrem Urbilde, wiedas irrdische Feuer zu der Sonne (^). Selbstüber das sonst mehr kräftige als sanfte Ge-müth des Hannibai Earracci hatten die Gra-zien dieses Werkes so viele Gewalt, daß erdasselbe der Cäcilia von Raphael weit vor-zogst). Gestochen ist dasselbe, nach Heinecke,siebenmal (t).
Das Zweyte, noch berühmtere Altarblatt,welches Correggio in jenem Zeitpunkt (ob auchin Parma ?) fertigte, ist die, unter dem Namender (schicksalsvollen!) Nacht bekannte Anbe-tung der Hirten (t). Dieses Bild war voneinem gewissen Albert Pratonieri bestellt wor-den (t), und der bedungene Preis dafür soll,den mehrern Nachrichten zufolge, sich auf un-gefehr 600 französische Livr. nach jetzigem Geld-werth belaufen haben. Dasselbe scheint nichtvor dem I. i 5 Zo vollendet worden zu seyn, undwurde anfänglich in einer der Familie Pratonierizudienenden Kapelle in der Kirche St. Prosperozu Reggio , hundert Jahre später dann (i6P>),auf Befehl des Herzogen Franz I. in der Ga-lerie zu Modena aufgestellt, und endlich wieder
Allegri,
hundert Jahre hernach (i/Hb) durch den be-kannten Gesamtkauf der modenesischen Kunst-schätze nach Dresden gebracht, wo es bis aufden heutigen Lag unangetastet verblieben lst(^).„Dieses berühmte Gemäld" (sagt Füsiix^))„stellt der Geschichte gemäß, eine nächtlicheHandlung vor, wo aber die Morgendämmerungin der Ferne schon merkbar zu werden beginnt.Der Schauplatz ist eine ziemlich öde Gegend;und da, wo die Haupthandlung vorgeht, sindÜeberbleibsel alter Gebäude zu sehn, die zu Be-wahrung des Viehes zu dienen scheinen. — Ma-ria ist sitzend vorgestellt, und senkt den Blickgegen das Kind in der Krippe, welches demBeschauer so erscheint, daß er nur das Hin-terhaupt, nebst etwas sehr wenigem vvm Ge-sichte, das übrige des Körpers aber nur mehrund minder verkürzt zu sehen erhält. Ob dieseLage, wie Meng« meint, aus dem Grundegewählt worden sey, um das meist unange-nehme der Form eines neugeborenen Kindes zuvermeiden, lassen wir dahin gestellt seyn. —Die Personen, die das Kind anzusehen gekom-men sind, und sich in einer perspektivischenGruppe neben einander, und nahe bey der Krippebefinden, bestehen in zwo männlichen und einerweiblichen Figur- Diese Gruppe ist jener derMaria und des Kindes gegenübergestellt, undbeyde contrastiren sich vortrefflich. Die vor-derste Figur ist ein stehender alter Hirt mit einemHirtenstab, in kurzer Kleidung, der, indem erdas Kind anzublicken scheint, das Gesicht gegeneinen neben lym stehenden jüngern Hirten wen-det, der mit ihm spricht, und einen schönenContrast mit ihm bildet, welchen die neben demAlten stehende weibliche Figur vollkommen macht,die in einem Körbchen ein Paar Tauben hält,mit Neugierde auf das Kind hinschaut, wegenseinem Glänze aber solches nur blinzelnd, undmit Beschirmung des Auges, mittelst Vorhal-tung der Hände betrachten kann. — Die Figurder Maria hat einen edeln und würdigen An-stand, und das Gesicht (obschon es eigentlichnicht schön in der Form heißen kann) einenwahren Ausdruck von Ernst mit Sanftmutbgemildert. — Im Mittelgrund ist Joseph be-
(64) Copieen dieses Gemäldes sah' man nämlich, wenigstens vormals, in Italien die Menge. Einevon Hann. Lorracck kaufte der spanische Duca d Uccedo. Ob die nämliche, oder eine andre vonEbendemselben, welche der Herzog von Orleans besaß, wanderte nach England. Vor allen andernaber gaben Kenner derjenigen von Aretust den Vorzug, weiche sich im Kloster Si. Johann zuParma befand.
(65) Lerrei-e pillor-'cke I. 86 in einem bort freylich wunderlich genug abgedruckten Triefe Annibaks anseinen Vetter Uudewt'g.
(66) Zuerst von Augustin Carracci (»586) in einem >' 5" 9"' hohen, und 4"' breiten Blatte, schbnund meisterhaft, wie man sich's denken kann, so weit nämlich die damalige Stecherkunst, zumalnach einem Gemälde des Lorreggio reichen konnte; dann im gleichen Jahre von einem C. Carl(Köm«), nicht mit Cocn. Cort zu verwechseln; ferner von F. Villamena (fast zweifeln wir daran);dann von I. M. Giovannini >6gg; von M. Dcsbois, klein; von einem Ungenannten in Quarto,ohne Namen und Zeichen; und endlich von R- Strange, der solches 1763 in Parma selbst zeich-nete, und dann ,770 zu London ans Licht gab. Dieses 7" z"' hohe, und 1' z'" breite BlattHot denn doch (nach Füßli) von den Schönheiten des Urbilds noch am meisten geliefert: „Dirverschiedenen Gradazionen und Tdne in Licht und Helldunkel sind darin, theilweise und im Ganzen,sehr merkbar und mit viel Harmonie ausgedrückt; auch die Gesichter, und besonders jenes derMagdalena, sind mit einer geschmackvollen Zartheit bearbeitet, und haben mehr Ausgeführtes undBestimmtes im Ausdrucke, als in dem carraccischen Blatte. Eine Nachbildung des Hieronymusim Umrisse, aus der Zeit» wo das Urbild sich in Paris befand, s. bey London I. dkro. 37 und,ebenfalls im Kleinen, im zweyten Hefte der (-alerte <lu ll.ouvre von Maria Cosway ?<ro. 24. —Ein ausgeführtes neueres Blatt, als Gtrange'S, gab S- Ravenet der Sohn («785), das aberEtrange's seinem weichen muß.
(67) 9' »" hoch, 6' 8" br. auf Holz.
(6g) Schon ,522.
(69) An der Stelle des Originals blieb zu Reggio eine wohlgerathene Kopie des Nogari zurück,welch« Kiorillo dort noch i. I. >769 sehr gut erhallen gesunden.
(70) l. c. 71—75.