schaftigt, den Esel hervorzuziehn, und weiterhinaus sind einige Hirten, deren Formen sichin der dämmernden Ferne verlieren. — DieComposition des Ganzen ist sehr einfach, undeigentlich nur auf fünf wesentliche Figuren be-schränkt; ^ diese sind aber so sinnreich und sogefällig für,das Aug angeordnet, daß mehrerenicht nur überflüssig, sondern der Schönheitdes Ganzen nachthetlig seyn müßten. Denn,da die Lichtstrahlen von dem Kinde ausgehen,und sowohl in der Nahe die Mutter, als etwasweiter die ihr gegenüberstehenden Figuren be-leuchten, folglich eine sehr helle, und dann eineetwas gebrochene Haupklichtmasse bewirken, zwi-schen diesen zwo Hauptgruppen aber ein, zwaran menschlichen Figuren larer, aber von allerleyKörpern andrer Art ausgefüllter Raum besteht,die nur so viel Beleuchtung haben durften, alserforderlich war, das Aug' von der Hauptmassedes Lichts bis zur entgegengesetzten, über sanfteRuhepunkte hinzuführen, und dadurch jene un-muthige Harmonie zu bewirken, die eine dervornehmsten Eigenschaften dieses Bilds aus-macht, so wäre, unsers Erachtens, dieser Zwecknicht erreicht worden, wenn der Künstler in die-sem Raum mehrere Figuren angebracht hätte,weil sie die Lichtstrahlen mit mehr Schärfe auf-gefangen, und das Aug' des Beschauers, zumNachtheil des Hauptgegenstandes, zu sehr zerstreuthaben würden. — Was die Form der Figurenüberhaupt anbelangt, so sind solche der Cha-rakteristik gemäß gebildet, und in einem mehrgroßen und wahren als schönen Styl gezeich-net; der Ausdruck hoher Verwunderung ist beyden Hirten sehr naiv ausgeführt, und besondersist unbehagliche Empfindung, die das von demKinde ausgehende starke Licht bey der oben be-schriebenen Hirtin wirkt, mit ungemeiner Wahr-heit ausgedrückt."
Meng's hienächstl?') sagt: »Dies Gemäldegehört zu denen, die das Herz jedes Zuschauersrühren, er mag ein Kunstverständiger oder Un-wissender seyn; noch mehr Eindruck aber machtes freylich auf den erster». Die Nachahmungder Wahrheit ist so künstlich ausgeführt, daßjeder Begriff von Trockenheit sich verliert; unddie Kunst ist so versteckt, daß Alles mit dergrößten Leichtigkeit gefertigt zu seyn scheint.Die Composition ist einfach, und es verratheine außerordentliche Geschicklichkcit, wenn manin einem kleinen Raum ein ziemlich großesFeld mit einer Entfernung vorstellen will, dasden wirklichen Anschein einer traurigen undelenden Lage giebt, doch aber mit einem Hori-zonte geschmückt ist, an welchem man den An-brach des Tages bemerkt, der alles Ucbrigeaufheitert. Von Weitem sind einige Hirten,die man kaum unterscheiden kann, und zwischendiesen und der H. Jungfrau steht St. Joseph,in der schon oben (bey Füßli) berührten Hand-lung begriffen, und seine Figur macht den Platzgeräumlicher, indem man dadurch die Entfer-nung gewahr wird, die von da aus bis zurJungfrau, und auf der andern Seite bis zuden Hirten sich befindet. — Dem ersten Anblicke
nach scheint es, daß die Lage der Jungfraubesser ausgedacht seyn könnte, weil sie den Kopfgegen das Kind auf eine Art neigt, daß mannicht ihr ganzes Gesicht sieht; allein näherbetrachtet erkennt man, daß es nicht wohl mög-lich war, eine bessere Parthie zu ergreifen, ohneder Grazie vielen Abbruch zu thun. L. neigteden Kopf deswegen so, um zu verhindern, daßdas Licht, welches von unten herauf kommt,nicht die obern Theile in Schatten stelle, wasder Schönheit des Gesichts nachtheilig gewesenwäre. — Auch das Kind ist mit außerordentli-chem Fleiß so gestellt, indem es in die Quereliegend genommen ist, so daß man kaum dasGesicht bemerken kann, obgleich die Aerme undFüße ziemlich sichtbar sind. Dieses hat meinerMeinung nach <5. mit guter Absicht gethan, umdie natürliche Form der neugebornen Kinder zuvermeiden, die nichts annehmliches für unshat, und die wir zu sehen nicht gewohnt sind (7*).Dieses kann uns überhaupt als ein Beyspieldienen, wie man das, was in der Natur nichtschön ist, abändern soll, um es schön zu ma-chen (?3). Vielleicht versteckte er aus eben die-sem Grunde beynahe das Gesicht des alten Hir-ten auf dem Vordergrund, indem er einen an-dern jugendlicher» und schönern vor diesem an-brachte, der in einer freudigen Bewegung mitdem Alten von dem Vorgänge zu sprechen scheint.Eine Hirtin, die in einem Körbchen zwey Tur-teltauben tragt, zeigt, daß sie sich an dem Kindenicht satt sehen — nicht davon gehen kann,und daß sie die Hand für das Gesicht hält, umsich vor dem blendenden Schein zu verwahren. —In der Höhe des Gemäldes, auf der entgegen-stehenden Seite der Madonna, ist eine Gloriemit Engeln, die ebenfalls von dem Christus-kinde erleuchtet werden, auf welche C. daszweyte Licht anbrachte, obgleich nicht so voll-kommen, wie bey der Madonna. Dafür machteer ihre Schatten viel annehmlicher, gleichsamals wenn es bloß wiederscheinendes Licht sey,oder daß sie in einer Art von Lichtmasse einge-hüllt wären, um vielleicht anzudeuten, daß sieGeister sind. — Die Schönheit, die Grazie unddie sorgfältige Ausführung dieses klassischenGemäldes ist bewundernswerth, und Alles istmir verschiedenen Manieren, nach Erfordernisder Umstände, auf das schönste behandelt (?4)".
Zwey Originatskizzen von diesem berühmtenBilde sah' der (eben nicht sehr zuverläßige)P. Resta zu Rom , die eine bey einem H. vig-norn, die andre bey dem Maler Ghezzi. Dieletztere war von dem ausgeführten Werke inManchem wesentlich verschieden, und hatte,wie Rest« dafür hielt, mehrere Vorzüge vordieiem. Die Scene war ein beschlossener Ort,somit geschickter vor der rohen Jahrszeit zuschütze», bloß mit einem kleinen Fenster verse-hen, durch welches der Mond hinter Wolkenerschien; übrigens vollkommene Nacht. Geradeso war auch eine Original-Zeichnung, welcheRichardsons Vater will besessen haben; undeine andre treffliche (nach ihm) sah man beyMylord Peinbrocke (75).
( 7 .) I. c. -45—-48-
<7-) So ausgeführt dürfte man dem Mengsischen oben (bey Füßli) gerügten Urtheil hierüber seinenvollen Beyfall kaum versagen.
(7z) Vielleicht noch besser: „Wie man das, was in der Natur nicht schdn, und doch wahr ist, mög-lichst vermeiden soll."
(74) Dieses und Mehrcrs über Correggio's Nacht s. bey Kichardson IN- 676—683- Roch zweysolche Skizzen zu St. Petersburg und zu Aachen s. unien.
(75) Hei»eckt führt vier Blätter nach diesem Bilde an: Vörderst ein geetztes von I. M. Mitelli (daskeiner Bohne werth ist); dann ein (1691) ziemlich schlecht gestochenes von H. Vincent; ein drittes