Band 
Zweyter Theil [5].
Seite
77
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Allegri

Allegri. 77

bemerkt Füßli über unser Bild: »DieAnordnung desselben bezielt, mit dem gewöhn-lichen Scharfsinn seines Urhebers, eine Vortheil-hafte Anwendung des Helldunkels, indem eineArt von Bettvorhang und Seitenwanden inschattigtem Ton angebracht ist, was die fastdurchaus (nur einen Schenkel ausgenommen)in mannigfaltigen Graden von Beleuchtungbearbeiteten Formen dergestalt hervorzieht, daßsie vollkommen erhoben, und in einem nursanft gebrochenen Lichte erscheinen, wodurch dasGanze ausnehmend angenehm auf das Augewirkt. Gezeichnet sind die Figuren in einemgroßen Geschmack, und haben sinnreich contra-siirte, leichte und ausdrucksvolle Wendungen;Anmuth und Grazie herrscht in allen Theilen,und alle sind mit vollkommener Harmonie zu-sammen verbunden. Der Ausdruck im Gesichteder Danae kragt gar nicht das Wollustgierigevon jenem der Leda an sich; und das Leiden-schaftliche in demselben zeigt mehr Verwunde-rung und Freude über das Sonderbare undGlänzende des Goldregens, als Empfindungfür die Folgen desselben C^)".

Wir haben nun, wie wir es uns vorgesetzt,vor allen Dingen derjenigen Bilder von Eor-reggio erwähnt, deren Datum theils mit Si-cherheit, theils mit großer Wahrscheinlichkeit zubestimmen ist. Hier noch die kurze Uebersichtderselben.

1) ihi2. Die zu Carpi gemalte Madonna mitden vier Heiligen jetzt zu Dresden . S. obenS- 53 .

2) i 5 l 4 - FürdieMinoritenkirche zuEorreggi'o.Madonna mit St. Joseph und St. Fran-cesco. S. 63 .

5 ) i 5 l/. St. Cäcilia in der Galerie Borghese zu Rom . G- 64.

4 ) 1617. Verlobung der H. Catharina, fürMathilde von Este, jetzt zu Er. Peters-burg. S. 64 -

5 ) i 5 i 8 . Die al Fresco's im Benediktiner -Nonnenkloster zu Parma. S- 6466.

6 ) 1520. Die Kupole von St. Johann zuParma. S- 6667.

7 ) 1620. Die Tribune in eben dieser Kirche.S. 67.

8) 1620. Ein St. Johann über der Sakristey-thüre gleicher Kirche. S. 67.

9 ) 1520. Die beyden Altarblatter: Marter10 ^ von St. Placidus und Flavia, und Able-

s gung vom Kreuze. Ebendaselbst. S. 67.

11) 1522 Kupole der Domkirche zu Parma.S. 6769.

12) i 523 . Der sogenannte St. Hieronymus, inSt. Antonio Abbate daselbst. S. 70 7 i.

1 3 ) 1023. Die Nacht. Einst in der Galerie zuModena, jetzt zu Dresden . S. 7172.

(104) I. c. 4 g2o.

14) 1529. St. Joachim in Wasserfarbe, aufLapo di Monre, zu Neapel. S. 73.

1 5 ) i 53 o. Madonna della Scudella, in derKirche zum H. Grabe zu Parma. S. 73.

16 i i 53 o. Jo und Leda. Jetzt zu Sanssoucy.

17 s S. 7270.

18) io 3 o. Danae. In 1727 noch in der Ga-lerie Orleans , jetzt, für die öffentlicheKunde wenigstens, vermißt. G. 76-76-Dagegen ist das Datum so ungleich mehranderer, und zum Theil mit gleicher Vortreff-ltchkeit, wie die schon angeführten, gefertigtenunmöglich auszumitteln. Einzig denken wir,daß je das minder Gute vor das Jahr ibi8,das Bessere und Beßre hingegen, auch von dembisher noch Ungenannten, nach diesem Zeit-punkt , in die sechszehn letzten Jahre des all-zukurzen Lebens unsers Künstlers zu setze» sey.

Somit wollen wir, wie wir gleich Anfangsangedeutet haben, nunmehr alles bisher nichtErwähnte, nach den Ländern, Städten undStellen aufführen, wo sich jedes derselben ent-weder unstreitig befindet, oder doch vor nichtallzulanger Zeit, nach bewährten Zeugen, sichdort befunden hat.

In Deutschland besitzt vörderst die KK. Ga-lerie zu Wien , neben dem schon angeführtenDoppel einer Jo, noch fünf Bilder von demUnsrigen: Christus treibt Käufer und Verkäuferaus dem Tempel, eine kleine Scizze auf Holz.Dann das doppelt lebensgroße Btldniß einerMadonna, mit schimmernder Glorie umgeben;sie scheint, weg von der Erde schwebend, die-selbe, im Zurückschallen, noch eines mildenBlicks würdigen zu wollen; eine colossale Scizze,voll hoher, freylich nur von ächten Kennerngehörig gewürdigten Grazie Ferner eineMadonna mit dem Kind und St. Johann, aufHolz, welche die Stadt Mailand der ersten Ge-mahlin Joseph H- Jlabella geschenkt, das abergelitten haben soll C°?). Dann von ganz^an-dern Gegenständen: Jupiter, als Adler, entführtden Ganymed, im Maaße ( 5 ' 2" hoch, 2^5 " br.), das vollkommene Gegenstück der Jo,halb lebensgroße Figuren: »Ein reizendesWerk" (sagt Mengs (">«)), »im Hintergrundeine schöne Landschaft, so dargestellt, als säheman sie von der Höhe eines Bergers. Aengst-lich scheint der Hund des Knaben sich zu be-streben, seinem Herrn nachzufolgen C°S)". End-lich Amor, als Jüngling, der sich aus HerkulesKeule einen Bogen zuschnitzt, und mit demrechten Fuß auf einige Bücher tritt ("°), dieaus dem Postamente liegen, auf dem ersteht, und hinter welchem ein kleiner Liebesgott,

(»05) Gestochen Hot auch bi-seS Bild, vdrderst, wie wir schon vernommen , Ch. Duchonge, mit eben derGeschicklichkeit, und in gleicher Grdße, wie die Leda; und eben so, in spätern Abdrücken, dirNacktheit bekleidet; dann wieder kleiner Desrochers, und der Anonymus bey Poilly, nebst zweyandern Unbekannten (der eine schlecht genug).

(,o6) Von Mecheln kannte es noch nicht; es kam erst später hinzu. Die Betracht, ü. d. RR. G.zu Wien (Bregenz 1735) S. -zz sprechen zuerst davon.

(107) Zuerst genannt in einem wicnerschen Gallerte-Catalog (1796). Ist dies etwa dasjenige, welchesganz neuerlich Rahl gestochen hat, (Pr. 5 fl. 24 kr.), und von dem eS im Tüb. Runstbl.,822 S. 9» heißt: Der Künstler hätte wohl, als Pendant zu seiner St. Margaretha nach Raphael,ein besseres Gegenstück aus der reichen Wiener-Galerie wählen können.

(108) I. c. -24.

(109) Gestochen findet eS sich von F. von Stern, und von einem Ungenannten, mit:inv. er p,l>2. auf einem Stein geschrieben.

(,,o)Zum Beweis" (meynen obige Betrachtungen S. 2Z>),daß der Liebe Macht auch aller Weisheit unterliege".

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