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Allcgri. -
Ausdruck lesen wir in dem ersten der genanntenAufsätze (^): „Correggio , dessen Sinn dieGrazien erschaffen, konnte nichts allzu Ausge-drücktes ertragen. Das Starke, Traurige undBedeutende war bey ihm wie das Weinen derKinder, das gleich wieder zum Lachen wird,und sein Grausames wie der Zorn einer ver-liebten Schönen. Sein Geist wallte immer insanften Gefühlen, und schlief nie, wo es sinn-liches Vergnügen galt. In Allem, was er vor-stellen sollte, ward er nur von dem Angeneh-men gerührt; das Starke war ihm gleichsamein Schrecken. Er war der erste, welcher seineBilder um eines andern Zweckes als der Wahr-heit willen erdachte, und kurz die Schönheit zuseinem Hauptabsehen nahm. Ihm waren dieUfer der schmalen Umrisse seiner Vorfahren vielzu enge, seinen Geist darin einzuschließen. Daer die Vergrößerung der Theile in seiner Kennt-niß des Helldunkels fand, so durchbrach er,wie ein angeschwellter Fluß, diese Ufer, und zogseine Zuschauer mit sich in das wette Meer derGefälligkeit; ja er hat sogar viele durch denSyrenengesang seiner Grazien an das Land deöIrrthums geführt; und wer seine Gestatten ohnesein Gefühl nachahmt, der wird weder Schönesfür sich, noch Angenehmes für Andre finden.Er fieng mit der Nachahmung der Natur undseiner Meister an, blieb aber nicht lange dabeystehn ; für ihn war es ein allzu natürlicherTrieb, alle engen Schranken zu vermeiden; seineerste Idee schien immer der Wunsch zu seyn, denAugen etwas Angenehmes vorzulegen; seineErfindungen wurden nur durch das Gefühl,nicht durch die Ueberlegung erzeugt, und seineFiguren suchte er auf solche Weise zu stellen,daß vielmehr große Massen des Helldunkels,als Bedeutung daraus entstühnde — es wäredenn eine sehr liebliche, welche er meist durchdas Gefühl errieth. Hieraus schließe man,wie sehr Correggio den Geschmack des Ange-nehmen besaß, da er so sehr alles Unangenehmefloh, und wie daher in diesem Kunsttherl ihmzu folgen, in jenem der Bedeutung hingegensich von ihm zu entfernen sey. Somit warneich einen Jeden vor einer Nachahmung dessel-ben, wenn er nicht eben so fühlet, wie Er.Kann ein Künstler, bey seiner Erfindung, erstsich selbst in die Natur eines Andern, den ernachahmen will, gleichsam verwandeln, nun sothu' er's, und die Nachahmung wird ihm ge-lingen; sonst ist es besser, er mache, was erdurch sich selbst fühlt". In dem zweyten Auf-sätze (284) heißt es: „Correggio halte keine sehrinteressanten Modelle für seine Compositionen;daher ist keine seiner Erfindungen wahrhaftschön. Im Anfange giengen dieselben mehr aufallgemeine Wirkung als auf individuellen Aus-druck; doch hatte erben graziösen Darstellungennoch immer ein wenig mehr Ausdruck, als beyernsthaften. Die Aeußerungen (aflerioni) derLiebe wußte er sehr gut zu bezeichnen, obgleichmit geringer Abwechslung in den Formen, sodaß zwischen den Köpfen seiner Marienbilder,seiner Liebesgöttinnen und seiner Nymphen we-nig Unterschied zu bemerken ist. Seine Gruppen
Allegri.
wußte er ziemlich gut zu ordnen; doch scheinenseine Bilder mehr geeignet zu seyn, um schöneMassen des Helldunkels, als den eigenlUchenAusdruck eines Gegenstands darzustellen.^ Inden Verkürzungen war er bewundernswürdig;und ich glaube, daß er sich für jede Figur inseinen historischen Werken zuvor ein kleinesModell in Wachs gefertigt hatte- Aus diesendann setzte er wahrscheinlich seine Verkürzungenzusammen, und hierauf gründen sich vielleichtalle Regeln seiner Composition; denn außerdemist bey ihm Alles ein bloßer Traum, und vondem Idealschönen weit entfernte Einbildung.Vor dem Geraden und Aufrechtstehnden harteer einen solchen Abscheu, daß er fast keinen Kopfmalte, der nicht ein wenig von unten oder vonoben gesehen wird".
Die Drapperie betreffend, lesen wir im er-sten Aufsätze (^85).. „Aste Raphael, selbst inden Gewändern, Alles zur Bedeutung gerichtet,so richtete Correggio auch hierin Alles zurAnmuth Sehr bald gieng er von dem Gebrauchseiner Vorgänger ab; und, da er meist nachkleinen Modellen malte, die er mit Lappen, auchwohl gar bloß mit Papier bekleidete, so suchteer mehr die Massen, und in diesen die Annehm-lichkeit, als die Wahrheit jeder Falte. Daherwaren seine Gewänder zwar groß und leicht,aber schlecht gefaltet. Wenn er bisweilen nachder Natur malte, so war seine Wahl der Fal-ten nicht glücklich, und versteckte oder durch-lchnitt' er meist mir denselben das Nackte. Co-lorirt hat er seine Gewänder sehr schön, mehr-theils saftig, auch oft dunkel, um seinem Fleischmehr Helle und Schein zu geben". — Der zweyteAufsatz gedenkt dieses Kunsttheiles nicht, wohlaber der dritte (-8«) wie folgt: „Correggio war der erste, der die Drapperie auf die Ideeseiner Eompvsition Einfluß gewinnen ließ (^«7),und zwar dieses sowohl durch die Wirkung desHelldunkels, des Colorits und der Harmonie,als durch die Leitung und den Eontrast, dener seinen Gewändern zu geben wußte. Er be-kümmerte sich weniger um jede besondere Falteals um die Massen, eröffnete demnach auchdiesfalls zumal für große Werke, eine neueBahn, und wurde nochmals von Lanfrancound einigen Andern mehr und minder gut nach-geahmt".
Ueber die Harnronie des Correggio lesenwir bloß in dem ersten Aufsätze (^«8), aber dasGewichtige, wie folgt: „Indem er die Anmuthsuchte, fand er bald die Harmonie, als dieMutter der erster», und welche eben auch voneinem sanften Gefühl erzeuget wird. Da ernichts Allzuabstechcndes leiden konnte, so warder groß in diesem Kunsitheile; denn Kenntnißder Harmonie ist ja eben nichts anders, alsdie Kunst, zwischen zwey ganz verschiedenenSachen das Mittel zu finden, es sey nun inZeichnung, Helldunkel oder Colorit- Er floh',wie ich schon einmal gesagt, alle Ecken, undmachte seine Umrisse schlängelnd, was eben auchvom Gefühl der Harmonie herkam. Jeder Win-kel entsteht, wenn zwey gerade Linien zusam-menlaufen und in einem Punkte sich schneiden.
(28z) I. c. lOL—104.
(-84) Bey prange t. c, 20,. .
(285) l. c. l,o—III.
(-86) Bev prange l. e. ,70.
(287) Bey prange heißt eS verständlich», ob aber auch richtiger: „der die Gewänder idealischcomponirte"?
(288) t- a. ,,r—:,z.
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