Band 
Zweyter Theil [5].
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A l l e g r t.

Diese Form konnte also Eorreggio Nicht leiden;er setzte daher zwischen die geraden Linien einegebogene, und machte dadurch seinen Unirißharmonisch. Eben so setzte er im Helldunkelund im Colorite immer ein Mittel zwischen dieTheile. Ueberdies beobachtete er, unvergleichlichbesser, als alle seine Kunstgcnossen, daß dieAugen nach einiger Anspannung Ruhe verlan-gen. Hatte er auf eine Stelle eine schöne undmächtige Farbe gesetzt, so brachte er ein großesStück Mitteln»« dazwischen; und wenn er wie-der zu einer starken Stelle schreiten wollte, sokam er nicht gleich auf dieselbe Stärke, wovoner ausgegangen war, zurück, sondern führtedas Aug' des Zuschauers durch eine allmäligeAbstufung zu jenem Grade der Anstrengung wie-der zurück, so daß es gleichsam von Neuemgeweckt wurde, wie man einen Schlafendendurch den Klang eines angenehmen Instrumen-tes so erweckt, daß das Erwachen keine^ Stö-rung in seiner Ruhe, sondern eine Entzückungwird. Wenn ich sage, daß Correggio von demStarken zu dem Sanften übergegangen, undvon diesem auf das Mittlere, so will ich zu-gleich lehren, daß man wohl gählings von derMühe zur Ruhe, nicht aber von dieser zu jenereben so schnell, ohne Verdruß geführt werde.Warum ich also von der Stärke ausgehe, undnicht etwa von dem Mittel (zu den beydenAeußersten), so geschieht es daher, „weil derMaler immer zuerst auf die hervorspringendenTheile seiner Figuren, und nachher erst auf diezurückweichenden merken muß, so wie er sichgleich anfangs mit den Hauptfiguren beschäfti-gen, und diese auf den Vordergrund seinerBilder stellen, und nachher erst stufenweise zuden entfernten übergehen soll(^)". Da nun,wie gesagt, das Starke, Schöne, Mächtige,allezeit auf den Vorgrund ober am Hauptortder Geschichte stehen muß, so rechne ich von,Starken aus; und wie Alles um der Hauptsachewegen gemacht erscheinen soll, so hat der Künst-ler auch auf diese Hauptsache das stärkste Lichtzu legen, und diese letztre erst nachher durchdie Nebensachen zu zieren (?). Demnach soller in die Hauptsache die Bedeutung, und indie Nebensachen die Ruhe legen. Dieses beobach-tete er vortrefflich in Farbe und Helldunkel; inder Zeichnung aber mißbrauchte er die Annehm-lichkeit und Harmonie (^°). Darum aber habenwir ihm nicht minder alles Gefällige zu ver-danken, was die Kunst nur immer leisten kann.Vor ihm war keine Harmonie in derselben. Hierbat er also die Ehre nicht nur der Erfinder zuseyn, sondern auch der, welcher es in der Aus-führung am Höchsten gebracht, oder vielmehrin dieser Reihe so allein steht, daß man ihnmit Niemand vergleichen kann".

Von dem Ideal des Eorreggio handelt der

zweyte Aufsatz von j-^engs, wie folgt:

„In demjenigen Theile der Zeichnung, welcherdie Zierlichkeit des Umrisses betrifft, war derUnsrige ideal. In Ansehung des Helldunkelskönnte man ihm dieses streitig machen; denn

A l l e g r i.

wer etwas ganz nach der Natur bildet, scheintuns nicht ideal heißen zu können, und, wieRaphael sagt, muß man nämlich bey der Dar-stellung einer schönen Sache ein noch schöneresModell im Kopfe haben; und dies ist eben das,was man idealische Schönheit nennt. Indessenerreichte Lorreggio eine solche, bey genauermLichte betrachtet, auch im Helldunkel, vermit-telst seines großen Verstandes, welcher ihmGrundsätze und sichere Regeln darüber an dieHand gab; und zeugt es wohl von keinem ge,ringen Verdienste, in gedachtem schweren Kunst-theile etwas hervorzubringen, was noch ange-nehmer wirkt, als die Natur selbst. Diese letz-tere zeigt uns alle individuellen Gegenständemit unendlichen Abstufungen des Helldunkelsund der Farben, die sich doch in der Malereynicht genau nachahmen lassen". „Denn, wennz. B. die Natur uns im Schatten eine kleineFalte oder Fleck zeigt, so sehen wir sie da vieldeutlicher im Lichte, weil hier der Scharte einwahrer Schatte ist, in der Malerey hingegenbloß eine dunkele Farbe; und ein Gemäld, umgesehen zu werden, muß doch beleuchtet seyn.Eben so hat auch das natürliche Licht einenGlanz an sich; in der Malerey hingegen ist esnur eine heitere Farbe. Ein Gemäld, um esgut zu sehen, muß man so stellen, daß es nichtblende, und nicht dieselbe Wirkung thue, wiedas Licht; sonst würde man nichts darin wahr-nehmen. Daher ist nöthig, daß der Maler sichnach gewissen Regeln und Schlüssen richte,welche eigentlich pur ideal sind, und nämlichdas, was im Schatten liegt, dunkler mache,als das was im Licht ist. Deswegen aber darfer sich noch nicht anmaßen, dies Alles der Wahr-heit völlig gleich zu machen; das ist unmöglich;sondern, da die Kunst nicht so viel Mannig-faltigkeit in den Absiufungen hat, als die Na-tur, so muß der Künstler bloß dahin arbeiten,daß er der erstem so nahe komme, als möglich;d. h. er nimmt ein Licht von beliebigem Gradean, setzt die zweyte Tinte einen Grad dunklerals in der Natur, und bringt so sein Bild derWahrheit näher; denn, wenn er die Halbtinteso auftragen wollte, wie sie wirklich ist, sowürde es ihm am Ende gewiß an der nöthigenFarbe fehlen, um das eigentliche Licht zu errei-chen. Da es also ausgemacht ist, daß Eorreggioalle diese Regeln genau beobachtete, so glaubeich, daß er im Helldunkel den Namen einesidealischcn Malers allerdings verdiene. ImEolorit war er bloß ein Nachahmer der Natur,ausgenommen in der Färbung der Drappeci'e,welche er je nach den nöthigen Massen zu wäh-len wußte. Auch die Gradation der Farbenkannte er sehr gut, um die nöthigen Erhoben-heiten und Vertiefungen in der Composition her-vorzubringen. Bey gewissen Verschlingungen(intrccci) der Figuren zeigte er genug Ideal;allein dttses entstuhnd mehr aus dem Effekte,als daß es wirklichen Grund (konclamento)gehabt hättest)". ' Kurz, Eorreg^io unter,warf alle Theile der Malerey einer guten Aus-

(»89) So bey prange noch um — etwas verständlicher alS in der deutschen Mengstschen Urkunde,wo es heißt: „Weil die Betrachtung eines MalerS allezeit entweder von dem Vordcrtheile desBildes immer hinter gerechnet werden soll, oder von dem Hauptvorbilde immer nach -er Erwei-terung ".

(»90) Durch Anwendung seiner Schlangenlinie ohne Ausnahme.

(29») Bey prangt l. e. 209—21».

(-9,) Diese schwer verständliche Stelle lautet in der Urschrift, wie folgt: percke «e la dlarur», per

e-eiapio, ei ks veäere gualalle piccolr inscalll» o pieg» vell' omllrs, veäiaino gueirr rrieäeiim»co»s LISSI piü äislinl» sUs luve, per la rsgioue, alle ivi l'ornllrs e verr ornllra, c nella ptllur»soa i atrro alle ua color« orcuro; e ua gusäro, per euer viiro, lliro^aa alle rt» »Iliuuiuslo. t.»