Band 
Zweyter Theil [5].
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Allegri.

wähl des Effektes und Helldunkels, und allesSchöne, was noch überdies bey ihm zu findenwar, floß aus diesem Grundsätze her.

Der geistreiche Lanzi dann (lV. 82— ) giebtvon obigen Mengsischcn Urtheilen, eine mitvielen eignen scharfsinnigen Bemerkungen beglei-tete Analyse, wie folgt:

»Der Ritter Mengs" (sagt er) „zergliedertden letzten und vollkommensten Sryl des Tor-reggio, so wie er es mit Tizians und Ra-phaels gethan, und weis't ihm bey diesemTriumvirate der Kunst die zweyte Stelle an,indem er bemerkt: Daß Raphael allerdings dieWirkungen der Seele besser, die körperlichen hinge-gen minder gut als der Unsrige dargestellt, der indiesem letztern Theil unglaubliche Starke besaß,da es ihm mit seinem Colorite, und noch mehrmit seinem Helldunkel gelang, seinen Bilderneine Jdealschönheit zu geben, welche das na-türliche Schöne übertraf, beym ersten An-blick auch die gelehrtesten Kenner bezaubertc,und sie auch das Seltenste vergessen macht, wassie jemals gesehen hatten. Dieser Preis galtvornämlich seinem St. Hieronymus zu Parma .Algarottt schätzte dies Bild, wie er selbst sagt,höher als andern Gemälde in der Welt, undsprach oft in seinem Herzen zu Torreggio: „Duallein gefällst mir''. Auch Annibal Tarracci,als er solches und andre Arbeit des Unsrigengesehen, bezeugte seinem Bruder Ludwigmit einem Schwüre, daß er es nicht an RaphaelsCäcilia zu Bologna vertauschen würde (^H.In der That erhielt die Malerey (nachdem siedurch Michael Angela zum Gipfel der Gran-diosität, durch Raphael zu demjenigen desAusdrucks, durch Tizian zum Besitze des wah«resten Farbentons gelanget war), einen Inbegriffvon Vortrcfflichkeit, als Allegri dem Großen undWahren eine Zierlichkeit und einen Geschmackbeyzugesellen wußte, der ganz geeignet war,das Aug' und die Seele des Zuschauers auf'sVollkommenste zu befriedigen".

„In der Zeichnung erreichte er freylich dietiefe Kenntniß nicht, wie Buonaroti; aberdennoch war auch die seinige so groß und ge-wählt, daß die Carracci selber sich solche zumMuster nahmen. Wohl weiß ich, daß Algarorriihn für nicht immer genau in den Umrissen hält,so wie hinwieder Meng» ihn über diese Anklagemit Wärme entschuldigt. Wahr ist's, daß sichbey ihm jene Mannigfaltigkeit der Linien nichtfindet, wie bey Raphael und den Antiken, und

Allegri.

daß er vielmehr die Winkel und geraden Linienauswiech, und sich dafür beständig der Wellen-linien, convexer und concaver befliß; aber ebenglaubt man, daß größtentheils hierin seine Graziebestehe, doch so, daß Mengs, etwas schwan-kend, ihn biesfalls bald empfiehlt, bald ent-schuldigt. Dafür rühmt er über alle Maaßenseine Zeichnung der Gewänder, auf deren Massener freylich mehr Sorge verwandte, als auf dieeinzelnen Falten, und dergestalt der erste war,der in seinen Begriff von guter Compositionauch oen Eontrast sowohl als die Schwünge(cllrerione) der Drapperie mit aufnahm, undsomit eine neue Bahn eröffnete, dieselbe ingroßen Werken hervorstechen zu machen. — Auf'sHöchste dann sind seine jugendlichen und Kin-derköpfe zu empfehlen; sie lächeln uns, wieHannibai Tarracci sagte, mit einer Natürlich-keit und Einfalt an, baß man darein verliebt,und gezwungen wird, mitzulächeln; ihr offenesWesen, ihre Reinheit ist wahre, nicht bloßnachgeäffte Natur. Dann gewinnen alle seineFiguren durch die unglaubliche Mannigfaltigkeitlemer Verkürzungen den Anschein von Neuheit.Eelren sind bey ihm die Köpfe, die man nichtentweder von oben- oder von untenher erblickt,selten eine Hand, oder ein anderes Glied, dassich nicht Mit einer Grazie ohne Beyspiel biegt.Indem er seine Figuren von unten nach obenerscheinen machte, was hingegen Raphaek (^L)auswiech, überwand er einige Schwierigkeiten,welche nach Manregna immer noch in derKunst übrig geblieben waren, so daß dieser Theilder Perspektive durch ihn allein ihr reifes Altererreichte".

»Zu dieser gewählten Grazie in der Zeichnunggesellte der Unsrige dann ein Tolorir, von wel-chem Julius Pips versichert, daß es allerdingsdas beßle sey, welches er jemals gesehen habe,und daher auch nicht darüber zürnte, baß Tor,reggio ihm vorgezogen wurde, als der Herzogvon Modcna Kaiser Carl V. ein Kunstgeschenkmachen Wolke (^6> tz-jn gleiches Lob ertheiltihm Lomazzo, wenn er erklärt: Allegri seyunter den Coloristen nicht bloß selten, sonderneinzig. Auch war kein Maler so sorgfältig inZubereitung seiner Tücher, die er zuerst ein we-nig mit Gips grundirte, und sodann darübermalte, ohne weder in Absicht auf die Kostbarkeitnoch auf die Menge der Farben das Geringstezu sparen (^). In der Jmpastirung derselbennäherte er sich dem Giorgione, im Tone dem

luce n»rui»lc ch» in ee äello Sjilcnäore, c nell» pllturs nou e cke uu colore cklaio. llu guaclro9er csser veäulo si k» ä» collocare iu inoäo cbe nou rigolen,I», ne kscci» lo sresro eitello äell»luce, skriinenle nou se ne veckechche null», ker gueil» ragione e necesssiio, clie Hell' errecurion»il piuore si serve cli cerce icgole e ill cerli rsriociui, cke sono inersinenre iäeali, kacenäo le core,cche sono nell' onichis, 91Ü oscuie cli quelle, clie sono nell» luce ; IN» nun percio II» egli äs pre-renäere karle ugusli »II» veiil», guesro e im>>osslchile; percke non »venäo I'srte lSlll» vLriels cli^Illill coine I» NLMI», egli eio.

(,gz) In einem Briefe an denselben.

(»g 4 ) Nocb ein andermal schrieb er ebenfalls an Ludwig (sehr verständig): „Anstatt unsre Zeit beyKunstdisputen zu verlieren, suchen wir lieber die schöne Manier unsers Lorreggio nachzuahmen;dies ist das beßte Mittel, unsre Nebenbuhler zu demüthigen".

(,95) Wohl mit Fuge.

(,96) Vielleicht auch, weil er gedachte, daß Kaiserliche Mas. sich an einem schdnen Colvrit, mehr alSan jeder andern Trefflichkeit eines Kunstwerks sich ergehen würde.

('97) Gin Maler, der bey Anlaß der Ausbesserung eines Bildes von Lorreggio seine Art zu Colorirenzu analysiren suchte, glaubte, er habe die GipSgrundirung mit gekochtem Oel fein überstrichen,und alsdann mit einem, zu -/z Oel und k-z Firniß gemischten starken Farbenimpast darauf gemalt;daß hienächst seine Farben, wie schon gesagt, auserlesen, und besonders von allen Salzen, welchesonst mit Verlauf der Zeit den Gemälden so viel Schaden thun, sorgfältigst gereinigt seyn mußten,wozu denn eben das gekochte O«>» welches jene Salztheile verschlückten, sehr dienlich war. Nochglaubte er überdies, Allegri habe seine Bilder am Feuer oder an der Sonne gewärmt, um dir

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