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Die Beleuchtung mit Gas aus Stein- und Braunkohlen, Torf, Oel, Fett, mineralischen und vegetabilischen Harzen ... : mit vorgängigen Untersuchungen über den Gehalt dieser Brennmaterialien an Wasser- und Kohlenstoff, ihr Leuchtvermögen und ihre fabrikökonomische Anwendung, nebst statistischen Angaben über die Gewinnung derselben in Frankreich, England, Belgien ... und einer Beurtheilung der neu vorgeschlagenen Verfahrungsweisen bei der Gasbereitung / von Pelouze dem Vater ...; und mit Analysen und kritischen Bemerkungen von ... Pelouze dem Sohn ...; ins Deutsche übertragen von H. Bruhn
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tend, daß, wenn von einer andern Seite die Anwendung der Samenin Substanz auch von der Darstellung des Oels befreite, man ein fürden Ackerbau sehr wichtiges, so gesuchtes und von den Thieren sehr ge-liebtes Product, den Oelkuchen, einbüßte. Die öligen Samen habenüberdies ein unendlich bedeutenderes Gewicht, als das aus ihnen gewon-nene Del, wodurch ebenfalls noch beträchtlichere Transportkosten verur-sacht werden.

Was die Pflanzenöle betrifft, so erlaubt ihr hoher Preis und ihreSeltenheit nicht, an sie zu denken. Das einzige Oel, welches wegenseines billigen Preises angewendet werden dürfte, wäre das von Kabel-jau (morus), womit auch in England Versuche angestellt worden sind;aber bei uns wäre es eine bald erschöpfte Quelle; deßhalb ist man dennim Allgemeinen auf die Harze beschränkt.

Wie gesagt, man hat anfangs das Harz im festen Zustande an-wenden wollen, doch sind durch sein Aufblähen die Röhren verstopftworden. Chaufsenot hatte, als er zu arbeiten anfing, über den Retor-ten ein Gefäß mit Harzpulvcr angebracht, welches er vermittelst einereigenen sich bewegenden Vorrichtung in kleinen Mengen in die Retortegleiten ließ. Zu Anfang der Destillation ging hie Sache gut, aberbei einer hohem Temperatur schmolz das Harz bei seinem Eintritt indie Retorte, durch die kohligcn Niederschläge wurden bald die Röh-ren verstopft und Alles stand still. Darauf nahm er sich vor, an demzu Hagenau erbauten Apparat das Harz geschmolzen und vollkommenflüssig in die Retorten laufen zu lassen, was wohl das beste Verfahrensein mag.

Mathieu kündigt an, den Apparat dahin gebracht zu haben, daßer fähig ist, mit großer Leichtigkeit zu arbeiten. In einem über denRetorten angebrachten Behälter wird das geschmolzene Harz aufgenom-men; in diesem Behälter ist ein konisches Loch angebracht, in dem sicheine Menge von derselben Gestalt auf doppelte Art bewegt, so daß sieeine kreisrunde Bewegung von 120 Umdrehungen in der Minute, zu-gleich aber auch eine abwechselnd auf- und niedergehende beschreibt, wo-durch ein beständiges Offenhalten der Mündung hervorgebracht wird,so daß das Harz keine Veränderung erleiden kann. Die Bewegungwird durch ein passendes Räderwerk hervorgebracht. Die Retorte istmit Coaks gefüllt; unter die Oeffnung, durch die das Harz fallt, setztman ein Schälchen mit feinem Eoaks, so daß die geschmolzene Substanzin dasselbe hinein tröpfelt.

Mathieu will bemerkt haben, daß, wenn durch eine eiserne Stangedie Bewegungen hervorgebracht werden, diese sich schnell verändert, wäh-rend bei einer kupfernen eine Veränderung nicht Statt findet.

Nach Mathieu giebt das bei der anfänglichen Destillation desHarzes condensirte Product 1) ein fixes Oel, 2) ein flüchtiges Oel,welches er essence vivs nennt, und 3) ein dickes Product, das man mitdem Naphthalin verglichen hat.

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