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Sammlungen ragt aber die erwähnte Antwerpische durch ihre Vollständigkeit,Treue und Unparteilichkeit, sowie durch die gesunde Kritik und treffliche Erläute-rung Horror, welche sie auf immer zu einer köstliche» Schatzkammer sur die äußereund innere Geschichte machen wird. Wol hat die selbstische und irreligiöse Kälteeiner neuern Zeit diese ganz in dem Geiste und Bedürfnisse deo Mittelasiens be-gründete Gattung der Geschichtschreibung nicht zu begreifen vermocht, wol hak stean der dankbaren Ehrfurcht, nist welcher hier das Leben und die Thaten guter undfrommer Menschen der Vorzeit gefeiert und zur Nachahmung aufgestellt werden,Anstoß genommen und bald die Form, bald den Gehalt jener meist von Zeitgenos-sen aufgesetzten Nachrichten mit einer Hvperkritik beurtheilt, welche, in gleicherMaße bei den Historikern des classischen Alterthums angewendet, geradezu zurkläglichsten Skepsis führen mußte. Gehe» wir indessen mit Unbefangenheit an dasStudium jener durch ihren nächsten Zweck doppelt ehrwürdigen Denkmale der Vor-zeit, bringen wir tiefere Kenntnis; der Ansichten, Sitten, Gewolmheiren und Ge-brauche jener Zeit mit, wenden wir eine auf dieser Kenntniß begründ, te vorsichtigeund behutsame Kritik an, welche nicht gleich eigenmächtig Alles verschmäht, wassie nicht in sich selbst lind i» ibrer Zeit findet, wissen wir endlich das weniger We-sentliche in jenen Biographien von dem Wesentlicher» geschickt und ohne Gewaltzu sondern: so werten wir in diesen Nachrichten einen herrlichen Schatz zur Spe-cialgeschichte des MitielalterS finden, welcher desto sicherer z» brauchen ist, je we-niger die Verfasser Das, was temporelle oder individuelle Ansicht und Meinungwar, künstlich zu verbergen oder als ein allgemein Gültiges einzuweben wüsten,lind ist künftig einmal ei» solcher Gebrauch jener Nachrichten allgemeiner geworden,als er es bis jetzt war, so dürfen wir dann wol zugleich auch eine solche Anwendungderselben wieder hoffen, wie sie die Verfasser zunächst beabsichtigten —als erhe-bende Muster sur Leben und Handeln, als Trost und Erweckung für die unter derGemeinheit des Lebens erschlaffende und sinkende Kraft. 52.
A c t c n v e r s e n d u n a. Schon früher suchten die Richter in den neuerngermanischen Staaten i» schwierigen Fällen Belebrung bei andern erfahrner» undgrößer» Gerichten (Dberböfe), und es bildeten sich zu solchen Belehrungen in an-sehnlichern Edtädten die Etchöppenstühle und nach Stiftung der Universitäten dieIurisiensacultäien. Der Doctoreid ist mit auf das gewissenbafte Rarhercheilen(das rc-gxinckeie cke jnre) gerichtet. Das Einholen des Reich? auswärtigerRechtSgelehrten wurde immer gewöhnlicher, sowie das bürgerliche Verkehr leben-diger und verwickelter wurde, das römische Recht an Ansehen gewann, und dieMißbränche in den Gerichten, die Unwissenheit lind Übereilung der lechtSunkundi-gen Richter fühlbarer wurden. Die Gräuel der CriminalrechtSofiege Deutschlands im 15. lind 16. Jahrh, suchte man dadurch zu mildern, daß den Stadträthen,Amtleuten u. s. w. in der Criminalgerichtsordnung von 1532 (der sogen. (A,,>-Unu) verboten wurde, Folter und Strafe» zu vollstrecken, wenn sie nicht durchrechtliches Erkenntniß eines rechrsgelehrten Eolleginms dazu ermächtigt waren.In Eivilsachen wurde die Actenversendung auch um dieselbe Zeit häufiger, indemsie in den Fällen reichSgesetzlich wurde, i» welchen der Weg an die höchsten Reichs-gerichte nicht eröffnet war, und doch auch im Lande selbst kein gehörig besetztes Ge-richt der dritten Instanz aufgestellt werden konnte. Hier wurde die Actenverien-dung nük Kraft der Revision (trasirü» -icinenn, in An, ,<nG,nn<>) als Sur-rogat eingeführt. Da in kleinen Staaten alle Interessen sich allzunah berühren, sosuchte man in der Actenversendung an ausländische unbefangene Eollegien (-,,! , v-toroe NN.'.'N Instne) ein Mittel gegen die Parteilichkeit der Landesgei lchte, welchesdiesen selbst oft sehr willkommen war. Diese Einrichtung ist für die Rechrsverkas-siing Deutschlands von außerordentlicher Wichtigkeit gewesen und hat viel genutzt,aber auch manche» Schaden gebracht. Es war in den Entscheidungen der Speuch-
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