Band 
Erster Band. A bis Bl.
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193
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Alexander I. (Kaiser von Rußland ) 1Y2

Stuhle. Die lange Abwesenheit der Päpste in Avignon hatte das Anscben und dieEinkünfte derselben sehr vermindert. Um diese» Verlust zu ersetzen, suchre A. VI.die Macht der ital. Fürsten zu vermindern, sich ihrer Besitzungen zur Bereicherungseiner Familie zu bemächtigen, und wandte dazu die abscheulichsten Mittel an. SeinePolitik war treulos und schändlich. So handelte er gegen seine Nachbarn und vor-nehmlich gegen Frankreich , dessenKönig, Karl ä III., seinFeind war. UnermeßlicheSummen Geld wußte er aus den christlichen Staaten zu ziehen. Auch schlichtete erdie Streitigkeiten, die zwischen den Königen von Portugal und Casiilien wegenAmerika entstanden waren, und schied ihre Eroberungen 1494 durch eine Linie, dieer 360 Meile» westl. von den Azoren durch das Weltmeer zog. Er starb, 74 Z. alt,1503. Nach den in Paulus's „Sophronizon", VIll, 5. H., angeführten Beweis-stellen ist A. an dem Gifte, das er und sein Sohn ihren Gasten bestimmt hatten, sieselbst aber durch Verwechselung erhielten, gestorben, Borgia aber gefährlich erkrankt.

Alexander I. Pawlowiksch (d. b. Pauls Sohn), geb. am 23. Dcc. 1777,Kaiser und Selbstherrscher aller Reusen (s. Autokrakor, Aaar von Kasan, Astra-chan , Pole» (seit 9. Juni 1815), «ubirien,dem kaurischen ChersoneS, Großherzog vonFinnland und Herzog von Holstein-Gottorp, bestieg dcnThronden 24. März 1801,ward gekrönt den 27. Sept. defs. I. zu Moskau ; vermählt den 9. Ort. 1793 mitElisabeth (zuvor Louise Marie Auguste), Karl Ludwigs, Erbprinzen von Baden,dritter Tochter, und starb d. I.Dec. 1825. Dieser Monarch übte seit seiner Thron-besteigung, dieKlopsiockdurch eine Ode: „An die Humanität", feierte, das Anseheneines mit despotischer Gewalt ausgerüsteten Herrschers gesetzmäßig, um Menschen-freundlichkeit als Grundlage seines Thrones festzustellen. Sein Vater nahm keinenTheil an seiner Erziehung, welche von derKaiserin Katharina >1. und dem OberstenLaharpc(s. d.) geleitet wurde. Seine Mutter, Marie, Herzogs Eugen vonWürtemberg Tochter, besaß sterS seine Liebe und sein Vertrauen. Labarpe erzog ihnohne politische und religiöse Vorurrheile in den weisern Grundsätzen eines aufgeklär-ten Zeitalters. Milde und Menschenliebe veredelten das Herz des „nordischen Tele-mark)". Sein Oberhosmeister, Graf Nik. Soltikoff, erbielt von Katharina eineVorschrift, nach welcher der junge Großfürst in Poesie und Musik keinen Unterrichtbekommen sollte, weil zu viel Zeit darauf verwendet werden mußte, um darin einigeGeschicklichkeit zu erlangen. Pros. Kraft unterrichtete den Prinzen in der Expe-rimentalphysik, und Pallas eine kurze Zeit in der Botanik. — DieRegierungSge-schichreAlexanders läßt sich in 3 Perioden eintheilen. Die erste, die friedliche, warganz der Ausführung der Entwürfe PererS d. Gr. und Katharinas I I., in Hinsichtaufdic innere Verwaltung, gewidmet; die zweite, die kriegerische, entwickelte in denKriegen mit Frankreich, Schweden, der Pforte und Persien von 1805 — 14 dieStrcitkräfte des Reichs und das Narionalgefühl des Volks; die dritte, die politische,gründete auf die Erfahrung und die Frucht der beiden frühern den Plan, PeterS d.Gr.Wort wahr zu machen, das er vor 100 Zähren, 1714, in seiner Rede nach Beile-gung der schwed. Flotte bei den Alandsinseln aussprach: „Die Natur hat nur EinRußland geschaffen, und es muß keinen Nebenbuhler haben!" Diese dreifache Zeithindurch hatAlexander mäßig, thätig, unermudet durch unmittelbaren Briefwech-sel oder persönliche Oberaufsicht regiert und dabei durch seine ebenso einfache alsliebenswürdige Persönlichkeit dieHerzen seiner Völker gewonnen. Seine Thätigkeitumfaßte Alles, was auf die Wohlfahrt des Reichs Bezug hatte, mit Einsicht undWärme; für höhere Ansichten empfänglich, war der Gcdqnke eines christlichen Re-gentenbundcS zuletzt aus seiner von religiösen Gefühlen durchdrungenen — sei es auchvon Außen angeregten — Brust und aus seinem jeder großen Idee offenen Gemüthehervorgegangen. Das Wichtigste, was sein Regentcnleben auszeichnet, läßt sich aufFolgendes zurückführen. Er har die Nationalbildung und das Volkserziehungswesenplanmäßig begründet und entwickelt; er hat die innere Verwaltung zweckmäßigerCoiiversatio»r<Lcxicoii. Bd. I. 23