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Alexander I. (Kaiser von Rußland )
geordnet, z. D. den Senat durch den Ufas von 1802, den RerchSrath und dasMinisterium von 8 Abtheilungen durch den Ukas von 1810, die Provinzialver-waltuiig in den Gouvernements u. s. w.; er hat den Gewerbfleiß der Nation ent-fesselt und Rußlands Welthandel erhoben; er hat das Heerwesen auf eine Höheder Vollkommenheit gebracht, auf der man es zuvor noch nie gesehen; er hat inseinem Volke das Gefühl der Einheit, des Muthes und der Vaterlandsliebe glor-reich entwickelt, und überall den Menschen als solchen geachtet; er hat endlichRußland auf die erste Stelle und in den Mittelpunkt der politischen Ordnung vonEuropa und zum Theil von Asten erhoben. Auch darf man wol behaupten, daßseit Alexander I. Rußland in Hinsicht der in den Hähern Ständen und an dem Hofeverbreiteten Geschmacksbildung und Aufklärung, sowie der Zahl freisinnig und groß-artig um sich blickender Staatsmänner, keinem andern europäischen Staate nach-stehe. Des Kaisers nächste Umgebungen waren theils geborene Russen, unter ihnenGeneral Iermoloff, später Wolchonsky, Araktscbejeff, Diebitsch u. A-, theilsFremde, früher einige Griechen, dann (1807—12 der franz. Gesandte, Grafvon Caulaincourt . — Unter dem Einzelnen, was A. gethan oder veranlaßt hat,müssen zuerst seine Bemühungen um die Ausbildung, Sprache und Literaturder slawischen Völkerschaften erwäbnt werden, wodurch eine eigne originale slawi-sche Bildung (wie die germanische) vorbereitet worden ist. Er hat 7 Univer-sitäten — Dorpat, Kasan, Charkow, Moskau, Wilna, Warschau und St.-PererSburg —errichtet oder neu gestaltet, 204 Gymnasien, Lehrerseminarien, undüber 2000 niedere Bezirks- und Volksschulen, zum Theil nach Lancaster'S Lehr«art, gestiftet; er hat zur Verbreitung der Bibel in beinah allen Gouvernementsdurch die Unterstützung der (1826 aufgehobenen) Bibelgesellschaften mehr beigetra-gen als irgend ein Souverain in Europa ; auch ist durch kaiserliche Stiftung eineneue BildungS- und Erziehungsanstalt, das Lyceum in Odessa , zu Stande gekom-men. Durch einen Ukas von 1817 wurden den sgiiden (s. d.), welche zum Chri-stentkum übertreten, bedeutende Vortheile zugesichert. Zum Druck wichtigerWerke (wie Krusenstern's „Reise", Karamsin'S „Geschichte Rußlands" u. a.) hater große Summen angewiesen z wissenschaftliches Verdienst hat er im Zu - und Aus-lande geschätzt und kaiserlich belohnt. Er kaufte seltene Sammlungen, wie Loder'sanatomische Sammlung, Forster's mineralogische Sebätze, der Fürstin Iablo-nowska Eabinet, Haubold'S sinnst. Bibliothek. Auch berief er 1818 2 Orienta-listen aus Paris <Demange und Eharmoy) nach Petersburg , »m durch Unterrichtdas Studium der arabischen , armenischen, persischen und türkischen Sprache zubefördern. Vorzüglich unterstützte er die Bildung junger talentvoller Männer, dieer im Auslande reisen ließ. Damit stand in Verbindung, daß er überall seine Un-terthanen der Geißel ihrer Zwingherren, der Adeligen, Bojaren und Skarosten,zu entziehen suchte, ohne jedoch mit Gewalt das Recht zu erzwinge». Die Leib-eigenschaft ward seit 1816 in Esthland, Liefland und Kurland aufgehoben; lindA. erklärte, daß er auf den Krongütern keine Bauern mekr verschenken wolle.Auch wurde das Ausbieten der Leute zum Verkauf in den Zeitungen verboten, undeiner Gesammtschast von leibeigenen Bauern keinem Theile der Erbbaucrn desverst. Kanzlers Romanzoff erlaubt, sich von ihrem Erbherrn loszukaufen. Ebensoernstlich wollte A. seinem Volke eine geordnete Gesetzgebung verschaffen; allein dasbürgerliche Gesetzbuch erfodert noch immer viele Vorarbeiten. Die 1807 eröffneteRechtsschule ging 1810 ein. Das bis dahin bei der Knurstrafe obne Freilassungüblich gewesene Ausreißen der Nasenwände und Brandmarken bob A. um1817aus. Auch schaffte er schon 1801 das sogenannte heimliche Gericht ab, vor wel-ches insbesondere politische Verbrecher gezogen und durch Hunger, Durst und aufandre Art (jedoch nie durch körperliche Pcuri oder Folter) zum Bekenntniß gezwun-gen worden sein sollen. Endlich hat er den Mißbrauchen der Gewalt der Stattbai-