258 Ammon Ainmon (Christoph Friedrich v.)
Ausgabe ist die vonGronov (Leyden 1693), eine neuere von Ernesti (1773), unddie neueste von Wagner fortgesetzt (Erfurt u. Leipz. 1808, 3 Thle.).
A m m o n, eine librsche Gottheit. Einige machen den Ammon zu einemSohne Triton'S; Andre erzählen, er sei in einem Walte gefunden worden, woaußer einem Schafe kein lebendiges Wesen gesehen worden, und halten ihn daherfür einen Sohn Iupitcr'S und dieses Schafes. Noch Andre sagen, er sei zwischenCarthago und Cyrene als ein Knabe im>Lande spielend von einigen Hirten gefun-den worden, denen er geweissagt habe, solange er auf dem Sande gesessen; sobaldsie ihn aber aufgehoben, sei er verstummt. Endlich erzählt man, Bacchus habeauf seinem Zuge nach Indien , ermattet von Durst und Hitze, unweit Rerolibyaden Jupiter um Hülfe gerufen; darauf sei ein Widder erschienen, der, mir seinenFüßen scharrend, einen Quell aus dem L:ande hervorgelockt habe und daraufwieder verschwunden sei. Diesen Widder habe er für den Jupiter selbst erkannt,ihm göttliche Ehre erwiesen und einen Tempel erbaut. Nach Diodor von Sicilien ist A. ein König in Libyen , dessen Gemahlin Rhea, die Schwester Saturn's,und dessen Geliebte Amalthea gewesen, mit weicherer den Bacchus gezeugt habe.Dieser habe ihm jenen berühmten Tempel erbaut, wo A., nicht durch Worte,sondern durch Zeichen des weissagenden Priesters, Orakelsprüche ertheilte, und woer unter dem Bilde eines Widders, nach Andern eines Menschen mit einem Wid-derkopf oder Widderhörnern vorgestellt war. Alexander besuchte den Tempel undwurde von den Priestern für einen Sohn des (Lottes erklärt. Über dieses alte Am-monium in der Oase Siwah vgl. m. Oaseu. Merod-. —Ammo nShorn,eine nach Art der Widderhörner gewundene Muschelgatkung.
A m m o n (Christoph Friedrich v.), Or., k. sächs. Oberhosprediger und Kir-chenrath (seit 1813) in Dresden , Ritter des k. sächs. Civilverdienst-und des k.preuß. rothen Atlerordens 3. Classe, geb. am 16. Jan. 1766 zu Baireuth, wosein Vater, k. preuß. Kammerraih, 1812 starb — aus einer altateligen Familie,nürnberg -baltischer Abstammung, die bis auf den Obersten Lutw. Ammon im880 zurückgeführt wird —, wurde 1789 Pros. der Philosophie zu Erlangen ,1792 ordentl. Prost der Theologie und Universttätsprediger, ging 1794 in gleicherEigenschaft nach Gottingen, wo er zugleich die Wurde eines Conststoriulraths er-hielt, und kehrte 1804 als ordentl. Pros. der Theologie und -Luperintendent in Er-langen , zugleick als Consistorialrath in Anstach, in sein Vaterland zurück. Justi-nen frühern exe^ Nischen Schriften folgte er den Grundsätzen von Heyne, Eichhornund Koppe, w,.che die schon von Ernesti vorbereitete historische Interpretation derheiligen Schrift auf einen hohen Grad der Vollkommenheit ausgebildet und dieAuslegungskunde in eine Philosophie der Auslegung verwandelt satten. Diesewurde zuletzt immer skeptischer und negativer, und ließ von dem Bibeltexte Nichtsweiter übrig als den Ausleger und die Individualität seinerAnsicht. A. verband da-her mit seinen Forschungen als Lehrer und Prediger die Grundsätze der Kant'schenPhilosophie, als das kräftigste Mittel gegen die einreisende BibelftepstS; daher dennauch seine Moral, von welcher 4 Auflage» erschienen sind (von s. „Handb. der christl.Sittenlehre" erschien Lpz. 1823 der I.Bd.), sowvl als s. wissenschaftlich-praktischeDogmatik auf das Princip der praktischen Vernunft gebaut sind. Im Ganzenist er auch den Grundsätzen dieser Philosophie treu geblieben, die, obschon in derBibelerklärung selbst verwerflich, doch die christliche Offenbarung mit Ehrfurchtbehandelt und mehr als irgend ein andres System die Vereinigung der Wissen-schaft und des Glaubens befördert, die man als die höchste Aufgabe der echtenTheologie betrachten muß. A. tadelte in dem Kant'schen System nur seine skeptisch-kritische Haltung, weil jede Lebensphilosophie dogmatisch sein muß, die schroffeTrennung der theoretischen und praktischen Vernunft, und die rein formale Be-handlung der Moral nach der leeren Formel des kategorischen Imperativs, wodurch