Band 
Erster Band. A bis Bl.
Seite
263
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Amphibolie Amphitheater 263

Amphibolie, die Zweideutigkeit, Doppelsinnigkeit, welche durch Stel-lung oder vielfache Bedeutung der Worte unwillkürlich entsteht oder mit Absichthervorgebracht worden ist; in der Philosophie auch die Verwechselung der Begriffe.

Amphibrachys, s. Rhythmus.

AmphimacruL, s. Rhythmus.

A in p h i k t y o n e n g e r i ch t, das Bundesgericht Griechenlands , nachden meisten Nachrichten von dem König Amphiktyon.desDeukalion und der PyrrhaSohn, nach Strabo aber von dem argivischen Konig AkrisiuS gestiftet, um einDereinigungSpunkt für die einzelnen griechischen Staaten zu sein. Anfangs warDelphi der Versammlungsort, später aber auch Thermopylä oder vielmehr der nahedabei gelegene Flecken Anthela. Zwölf griechische Völkerschaften schickten jede 2Deputiere dahin, welche sich mit großer Feierlichkeit versammelten, die öffentlichenStreitigkeiten schlichteten, die Zwistizkeiren einzelner Städte mit Güte oder Ge-walt beilegten, bürgerliche und peinliche Verbrechen, besonders Verletzungen desVölkerrechts und Verschuldungen gegen den Tempel zu Delphi, bestraften. Nachgeschehenem Ausspruch ward dem strafbaren Volke eine Geldbuße zuerkannt, welche,wenn sie nach verlaufener Frist nicht bezahlt war, verdoppelt wurde. Unterwarfsich das Volk noch nicht, so ward der ganze Bund gegen dasselbe aufgefodcrt, umes mit den Waffen zum Gehorsam zu zwingen. Auch hatte die Versammlung dasRecht, es vom Bunde auszuschließen. Ein Beispiel davon liefert der 10jährige pho-censische Krieg. S. Titkmann's Preisschrift: „Über den Bund der Amphiktyonen".

Amphion , Sohn Iupiter'S und der Antiopc, der älteste der griechischenTonkünstler. Er lernte in Lvdien, wo er desKönigsTantalus Tochter Niobe hei-rathete, die Musik, und brachte sie von da zu den Griechen. Hier regierte er inTheben, welches früher Kadmea hieß. A. aber vereinigte die obere und un-tere Stadt durch Mauern, baute die 7 Thore, und jetzt entstand der NameTheben. Um die Gewalt seiner Musik und vielleicht auch seiner Beredtsamkeit aus-zudrücken, sagten die Dichter: die-Lkeine hätten sich bei dem Klänge seiner Leierselbst zu Mauern gefügt, die Thiere der Wildniß und selbst Baume, Felsen undStröme seien den Tönen seiner Saiten gefolgt. Auch soll er mit seinem BruderAethus die von seinem Vater verstoßene Antiope gerächt und die Dirce an einenStein gebunden haben, welche Fabel das unter dem Namen „der farnesischc Stier"bekannte plastische Musterwerk darstellen soll.

A m p h i t h e a t e r, ein bei den Römern zu Kampfspielen der Fechter undwilden Thiere bestimmtes Gebäude ohneDach, in runter oder ovaler Form. Inseiner Mitte befand sich die Arena, ein großer, mir Sand bestreuter Platz, aufwelchem die Kampfspiele vorgestellt wurden. Rings herum waren die zur Aufbe-wahrung der Thiere bestimmten Gewölbe; über diesen war die Galerie; und vondieser an erhoben sich immer höher und weiter entfernt die Litze, von denen die er-sten 14 für die Senatoren und Ritter, die obern aber für das gemeine Volk be-stimmt waren. Julius Cäsar ließ 709 nach Roms Erbauung das erste größereAmphitheater zu Rom für seine Fechterspiele errichten; es war von Holz und wurdenach dem Gebrauch wieder abgetragen. Statilius TauruS erbaute 20 Jahre spä-ter das erste von Stein. Das Coliseum (s. d.) zu Rom ist das größte aller Am-phitheater des Alterthums. In Verona befindet sich ein solches (ein andres stehtnoch in Pola), dessen Inneres noch ganz die alte Bauart zeigt und sorgfältig un-terhalten wird; man nennt es dort Arena. Von allen römischen Alterthümern hatkeins der Zeit so sehr widerstanden wie dieses merkwürdige Gebäude, dessen Formoval, und dessen Bauart im Geschmack des Coliseums zu Rom ist. — Amphi-theater wird gegenwärtig, nach den Franzosen , der Platz genannt, welcher beiunsern Theatern der Bühne gegenüber ist, und auf welchem Bänke, die immerhöher und hoher steigen, angebracht sind.