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Amsterdam
Veränderungen von 1795 verfielen Handel und Wohlstand immer mehr. Am nach-kheiligsten wirkte die gezwungene Verbindung Hollands mit Frankreich , da jenesder franz. Politik gegen die mit Frankreich im Krieg befindlichen Machte folgenmußte. Der den Holländern als König aufgenökhigte Ludwig Bonaparte suchtezwar den holländischen Handel durch manche Begünstigungen zu heben, auch ver-legte er 1808 seine Residenz und den Litz/der Regierung nach A.; allein jenesreizte Napoleon nur um so mehr gegen Holland auf, und dieses führte, wenn sichauch einige neue Nahrungsguellen dadurch eröffneten, dennoch mancherlei Nach-theile herbei. Die völlige Einverleibung Hollands in Frankreich , 1810, vernichteteden auswärtigen Handel A.'s völlig, und manche andre Maßregel, wie z. B. dieEinführung der Tabacksregie und der sogen, ckr.üis ,ö»ni,, wirkte für den inlän-dischen Verkehr außerordentlich nachtheilig. Die Revolution von 1813 gab A.seinen alten Beschäftigungen zurück. Seitdem hat der Handel wieder bedeutendzugenommen, da die unermeßlichen Capitale der alten großen Handels- und Com-missionshäuser und die solide Art des amsterdamer Verkehrs im Waaren - undWechselhandel, seine kundigen Waarcnmäkler, sowie eine Menge den Handel er-leichternder und sichernder Einrichtungen sowol Inländer als Ausländer mit ihrenAufträgen nach A. hinziehen und ihr den Vorzug vor andern Handelsstädten sichern.Zu den wichtigsten und eigenthümlichen Anstalten, die A.'S Welthandel unterstützen,gehören insbesondere eine große Zahl Schiffszimmerwerfte, Seil -, Tari - und Ta-backsfabriken u. dgl. — Äußer den öffenrl. Gebäuden zählte A. (1732) 20,385Wohnhäuser; doch wird in Holland in der Regel ein Wohnhaus (meist Giebel-häuser von 3 — 4 Fenstern in der Fronte) nur von Einer Familie bewohnt. DieZahl der Einw. betrug 1796: 217,000, 1808: 208,000, worunter 20,000Juten. 1820 zählte man dagegen nur 180,000, unter welchen sich 90,010zur reform., 38,000 zur kathol., 30,000 zur luther. Confession bekannten. Ausallen Zählungen geht hier das Verhältniß des männl. und weibl. Geschlechts un-gefähr wie 4 zu 5 hervor; 1817 stieg die Zahl der Total- oder Partialarmen auf39,000. Wegen des niedrigen Grundes der Stadt ist der größte Theil derselbenauf Pfählen gebaut. 290 Brücken verbinden die Amstel und die Canäle. A.nimmt sich von der Hafenseite durch ihre vielen Kirchthürme prachtvoll aus; auchist die Übersicht der Stadt von der hohen, 660 F. langen Amstelbrücke und von deröstlichen Einfahrt von Muiden aus, durch die sogen. Plantage, sehr angenehm.In frühererZeit war A. eine starke Festung, die mit ihren 26 Bollwerken und beson-ders mit ihren Überschwemmungen selbst Ludwig XIV. bedenklich machte sie anzu-greifen; allein 1787 mußte sie, nach Übergabe der verschanzten nahen Dörfer, voneinem mäßigen preußischen Heere bedroht, capituliren. Bei der jetzigen Kriegs-kunst kann A. nur durch Überschwemmung der umliegenden Gegend behauptet wer-den; doch sagt man, daß in der letzten Regierungszeit des Exkönigs Ludwig einPlan zur regelmäßigen Befestigung A.'S entworfen worden sei. Von der -Leitevon Harlem deckt jetzt die Stadt die Schleuse von Halfwegen, und von der Dstseitedie Festung Naarden . Im Halbcirkel, den die Grenze der Ltadt von der Land-seite beschreibt, bilden die Prinzen-, Kaiser - und Herrengrachten mit dem Ein-gcl viele kleinere Halbcirkel, die alle auf den Amstelffuß oder auf den MeerbusenP auskaufen. Unter den öffentl. Gebäuden ist das vormalige LtadthauSberühmt. Der Bau desselben begann unter Leitung des Baumeisters Jakob vanKämpen nach dem westfälischen Frieden, welcher die Unabhängigkeit der nieder-lä»d. Republik (1648) aussprach, und wurde 1655 vollendet. Huijgens undVondel verherrlichten den Bau durch ihre Muse. Unter dem Ltadkhause liegt imgewölbten Kellergeschoß der Schatz der amsterdamer Bank. Das prächtige Gebäudesteht auf 13,659 eingerammten Pfahle», ist 282 Fuß lang, 235 F. breit und 116F. Hochs, 211 F. über die letztere Höhe erhebt sich der runde Thurm. Das In-