Amsterdam 267
nere dos Ehrfurcht gebietenden Gebäudes schmückten die niederländischen Bildhauerund Maler des Ist. Jahrh. mit ihren Meisterstücken. Den patriotischen Niederlän-dern mißfiel es daher höchlich, daß Ludwig Napoleon 1808 dies amsterdamer Rath-haus zu seiner Residenz erkor, und daß Kammerdiener und Höflinge die DerarhungS-sale der verehrten Vater der Gemeinte einnahmen. Der bei dieser Gelegenheit ein-gerichtete Thronsaal ist wol derschönste -Laal in Europa . Das herrliche Museumholländischer Gemälde, das erst im Hause zuni Busch beim Haag und dann in die-sem Stadthaus ausgestellt war, ist jetzt in das TrippenhauS verlegt. ?luch der jetzigeKönig wohnt in diesem Palast (dem ehemaligen dUmIIiuift), wenn er sich in A.aufhält; die ehemalige Ltadtwage gegenüber wurde unter König Ludwig, umeinen größer» freien Platz vor dem Palaste zu erlangen, abgebrochen und nach demWestermarkt verlegt. Die Stadtbehörden versammeln sich jetzt im ehemaligenPrinzenhofe. Die amsterdamer Börse, die von 1608 — 13 gebaut wurde,ruht auf 5 gewölbte» Bogen, unter denen die Amstel in das Damrackgewässerfließt, hat 250 Fuß Länge und 1-10 F. Breite. Das ostindische Haus, vondem kürzlich ein ganzer Flügel, der zu Kornböden benutzt wurde, einstürzte, dasStaatSziiumerwerst und das Magazin aus der Kattenburg am st) dienen jetzt ander-weitig dein Handel und der Seefahrt. Das schöne TrippenhauS, wo sich dieAkademie der Künste und Wissenschaften versammelt, ist jetzt ein Tempel derKünsteund Wissenschaften; die Gesellschaft lelix »im itis, eine Schöpfung des Handelsstan-des, die Alles befördert, was den Geist beschäftigt und veredelt, die Gesellschaft >!<><!-ti iinl «I uwn'ltni. die tot I,ut ran'! alchcioekn, der freie» Künste und Wissenschaf-ten, das treffliche Lesemuseum, verschiedene Musikvereine, das holländische, fran-zösiftbe und deutsche Theater, der zum ,4lfic»aeo ülu-nii gehörige !><nt»s nx-Ou-ne,die berühmten lateinischen Schulen, und viele treffliche Nationaldichter beweisen,wie sehr der Amsterdamer für Wissenschaften und Gelehrsamkeit Sinn hat. Ihrenreligiösen WohltbätigkeitS- und Ordnungssinn bezeugen die zahlreichen Kirchen, dasHospital für alte Männer und alte Frauen, die Armen-, Zucht- und Waisenhäuser,die Seefahrtsschule, die vielen Gesellschaften für bestimmte Zwecke der-Humanirät,die Werk -, ^pin» -, Raspel - und Besserungshäuser. Zahlreich sind die Kirchen allerReligionsgemeinden; unter diesen haben die niederländischen Reformirten 10, diefranzösischen 1, die englischen 1, die römisch-katholischen 18, und selbst die Grie-chen und Armenier eine Kirche. Am prächtigsten ist die neue Kirche auf dem Damm,deren Kanzel und Orgel Meisterstücke sind; hier sieht man die Grabmäler des Ad-mirals de Ruyrer, des tapfern van Galen und des großen Dichters Vondel; auchwurde hier, nach so vielen Stürmen, dasStaatsgebäudedurchAnnahme desGrund-gesetzes und durch die dem jetzigen Monarchen am 29. und 30. März 1814 gelei-stete Huldigung befestigt. In der Ou,I<: b.erfi ehrte die dankbare NationihreSee-helden Heemskerk, van der Zaan, AweertS und van der Hülst durch Denkmäler.Die Westerkirche hat einen schönen Thurm. Bei so vielem Schönen und Großenin A. und bei der Eigenthümlichkeit, daß der hiesige Kaufhandel jedem Fleißigenseinen Unterhalt verschaffen kann, hat A. allerdings auch den Nachtheil einersehr feuchten Luft und eines mephitischen Geruches, der oft im Sommer ausden Grachten emporsteigt, ferner Mangel an gutem Quellwaffer und die Unbe-quemlichkeit sehr hoher und schmaler Wohnhäuser, wegen Mangels an Raumfür die große Bevölkerung. Wichtig ist für A. der neue Eanal, der von sei-nem Hafen bis zur äußersten Spitze Nordhollands in einer Tiefe von 26 Fuß sicherstreckt. Er hebt ein paar Haupthindernisse des amsterdamer Handels, nämlichdas bisher nothwendige Umladen der Waaren aus den tiefgehenden -Leeschiffen,ehe sie in den Hasen einlaufen konnten, und die frühere Schwierigkeit des Ein-und Auslaufens in die seichte Zupdersee bei widrigen'Winden; die Waarenver-schiffungen nach und von A. werden also künftig schneller und wohlfeiler bemerk-