270 Anagoge Anakrccn
Kampaspe, ?llexander's Geliebte, nach Ankern die berühmte Duhlerin Phrynezum Modell diente, welche Letztere, wie erzählt wird, sich an einem Feste Neptun'gzu Eleusis vor AllerLlugen entkleidete, ihr Haar auflöste und sich im Meere badete,„m dem Maler einen anschaulichen Begriff von einer aus dem Meere aufsteigendenVenus zu geben. (S. Phryne.) Unter AugustuS kam dieses Gemälde nachRom . Unter mehren Gedichten in der Anthologie schildert sie das von Amipateraus Sidon am schönsten:
Siel»', von Apclles's Pinsel erzeugt, ein treffliches Kunstwerk:
Cnpria, wie ste dein Schoß purpurner Wellen entsteigt!
Wie sie ergreift init der Hand die triefenden Haare des Scheitels,
Und das schäumende Naß drücket aus feuchtem Gelock.
Pallas spricht nun selber und Zeus erhabne Gemahlin:
Sieh', wir bestreitcn dir jetzt nicht mehr den Preis der Gestalt.
Anagoge, eine von den vielen Arten der buchstäblichen Anwendung derBibel. — Anagogisch erklären, heißt, den buchstäblichen Sinn des Textesauf höhere himmlische Dinge deuten, z. B. von der Sabbaths, uhe auf die Ruheim Himmel aufsteigen, und diese in jener angedeutet finden. Von solchen ver-werflichen allegorischen Erklärungen ward sonst häufig Gebrauch gemacht, beson-ders in Predigten und Erbauungsbüchern. Die Braut und derBräutigam, welcheim Hohenliede vorkommen, werden auf Christus, als den Bräutigam, und seineKirche, als die Braut, gedeutet, und die Spielerei mit diesem Bilde wurde oftmit Verletzung des ZartsinnS durchgeführt. Auch jetzt scheinen durch die Mystiksolche Spielereien wieder hier und da beliebt werden zu wollen.
A » agra m m heißt eigentlich das Rückwärtslesen der Buchstaben einesoder mehrer Worte. So ist Earg ein Anagramm von Gras. Im weitern Sinneversteht man darunter eine Buchstabenversetzung, um dadurch ein oder mehre neueWörter zu bilden, wiez. B. Dame und Made. Unrein nennt man ein Anagramm,wenn es bei dieser Versetzung nicht alle Buchstaben des gegebenen Wortes benutzt.In sonstigen Zeiten waren dergleichen Spiele des Witzes beliebt, und man findethäufig in alten Inschriften vermittelst eines Anagramms die Jahreszahl u. dergl.angegeben. Ein Anagramm von lieinliuum ist Humen m ist. Calvinus nanntesich auf dem Titel seiner Institutionen, vermöge eines Anagramms, AlcuinuS.Auf ähnliche Weise geben die Worte: Involution t'r.inemse. das Anagramm:Du ll»i5e I.-, tlnir.i . und das bedeutungsvolle Veto. — Hn der Malerkunst heißtes so viel als Monogramm.
AnakasiS, s. Brechung der Lichtstrahlen.
A n a k l e t, 2 Päpste d. N. Der erste soll 91 n. Chr. den Märtyrertoderduldet haben. Alle andern Nachrichten von ihm, z. B. daß er Roni in25Paro-chien getheilt habe, sind unzuverlässig. — Derzweite, Enkel eines getauften Juden,hieß vorher Peter von Leon, war Mönch in Clugny, Cardinal und päpstl. Legat inFrankreich und England, und wurde 1130 Gegenpapst gegen Innocenz II. Rom ,Mailand und Licilien waren aufseiner Seite, undRoger von Lftcilien erhielt von ihmden Königstitel. Auch behauptete er sich gegen Kaiser Lothar Il.und starb 1138. 31.
A n a k o l u t h o n, in derGrammatik und Rhetorik, Mangel an Folgerich-tigkeit der Censtruction. Diese besteht darin, daß ein Nachsatz aus dem Vorder-satze grammatisch nicht entspringt, oder ganz außenbleibt. Bei vielen Zwischen-sätzen , welche schwer zu übersehen sind, entsteht dieser Fehler leicht. Oft ist eraber auch Folge der Unachtsamkeit eines Redners oder Schriftstellers. Da ein sol-cher Mangel aber auch aus einer leidenschaftlichen Stimmung bervorgehen kann,so kann die Anwendung des Anakoluthons bei Darstellung der Leidenschaften zumcharakteristischen Ausdruck benutzt und zur Schönheit erhoben werden. MancheAnakolutha sind gewichen Sprachen eigenthümlich.
A n a k r e o n, den das griechische Alterthum unter die 9 größten Lyriker