Anmuth Anna 803
Auch in -er Art, wie man das Geld bei den Anleihen ztssammenbringt, sind sieverschieden. Wendet man zur Zusammenbringung der Gelder directcn Zwang an,so heißen sieZwangsanleihen. Werden die angebotenen Vortheile als einzigesMotiv gebraucht, um die Capitalisten zu bestimmen, ihre Capitale dem Staate an-zuvertrauen, so heißen sie freiwillige. Sucht man den Patriotismus dabeiin Bewegung zu setzen, sotaß der Beitrag dazu als eine, jedoch freie, Pflicht desPatriotismus vorgestellt wird, so heißen sie patriotische. Hält man die Trieb-feder des Patriotismus oder der zu erlangenden Rente nicht für stark genug,so knüpft man noch Prämien oder Lotteriegewinnste daran. Wo ein Staat, außerder Rentenversicherung, noch andre Triebfedern anwenden muß, um die Anleihezu Stande zu bringen, da ist es ein sicheres Zeichen, daß er noch in schwachemCredit steht, oder daß es an Capitalien zu dem gewöhnlichen Zinsfüße fehlt. Dgl.Staatsschulden.) 51.
Anmuth, s. Grazie.
Anna, der letzte zur Regierung gelangte Zweig des nun gänzlich erloschenenHauses Stuart aufdem großbritannischen Throne, wurde geb. zu Twickenham beiLondon 1664, als ihrOheim, Karl II. , seit 1 Zähren den blutigen ThronKarl I.wieder bestiegen hatte. Sie war die zweite Tochter erster Ehe Jakobs >., dama-ligen Herzogs von Pork, mit Anna Hvde, Tochter des berühmten Clarendon.Ihr Vater war damals noch nicht zur römischen Kirche übergetreten, und so wurdeAnna nach den Grundsätzen der anglicanischen Kirche erzogen und 1683 mit demPrinzen Georg, Bruder Konig Christians V. von Dänemark , vermählt. Als1688 die Partei, welche den Prinzen von Oranien aufforderte, seinen Schwieger-vater zu entthronen, die Oberhand behielt, wäre Anna, die Lieblingstochter Ja-kobs II., gern bei ihrem Vater geblieben. Aber sie wurde vom LordChurchill, nach-maligem Grafen von Marlborough, gewissermaßen gezwungen, der Partei desSiegers beizutreten, und bestieg, nachdem 1694 ihre Schwester Maria und 1762deren Gemahl, Wilhelm ll l., kinderlos verstorben waren, auch sie selbst schon 1699ihren einzigen Sohn, den jungen Herzog von Glocester, durch den Tod verlorenhatte, den englischen Thron, und wurde als Königin, bei ihren nur mäßigen Gei-steSgabennnd bei den großen Ereignissen, an denen ihre Regierung so reich war,von Marlborough und dessen Gemahlin beherrscht. Die Tories waren zufrieden,das Scepter in den Händen einer Tochter Jakobs I I. zu wissen, und hofftendas alte Fürstenhaus bald in der männlichen Linie zurückgerufen zu seben. DieWhigs freuten sich wenigstens, daß die Königin, treu der Tripelalliance, sichder Herrschsucht Ludwigs X I V. entgegenstellte, um die Freiheit Europas zu verthei-digen und die Vereinigung der französischen und spanischen Krone in EinemHause zu verhindern. So nahm sie Antheil an dem spanischen Erbfolgekriege,in welchem England Gibraltar eroberte, der einzige wichtige Erwerb dieses lljäh-rigcn KriegS. Ferner wurden unter A.'S Regierung England und Schottland unter dem Namen Großbritannien mit einander vereinigt, und so sehr auch dieKonigin die Wiedereinsetzung ibrer Familie wünschte, wurde doch die Nachfolgedem HauseHanover bestimmt. Jakob versuchte vergebens eine Landung in Schott-land; die gute Königin Anna mußte sogar eine Bekanntmachung unterzeichnen,wodurch ein Preis auf seinen Kopf gesetzt wurde. Von 17 Kindern, die sie gebo-ren hatte, war keins am Leben geblieben, und als eineWittwe von 44 Jahren gabsie den Bitten der Parlamente, eine neue Heirakh zu schließen, kein Gehör, viel-leicht um der Wiedereinsetzung ihrer Familie kein neues Hinderniß in den Weg zulegen. L ie dachte jetzt nur darauf, die ganze Staatsgewalt in die Hände der To-nes zu legen, welche die Stimmung aller 3 Königreiche für sich hatten. DieHerzogin von Marlborough verlor ihren Einfluß, Godophin, Sunderland, Som-mers, Dcvonshire, Walpole, Camper wurden durch Harlcy (nachmals Grafen