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AnschauiuigSlehre ' -
gemeinen die Eigenschaft der Klarbeit, Deutlichkeit, (Gewißheit und kiberzeugungS- ^kraft einer Vorstellung, Erkenntniß u. s w. verstehen , liegt in einem Werke schö-ner Kunst einmal in der Form des Ganzen, und dann in Darstellung und Ausdruckjedes Einzelnen. Jene bestekt darin, daß alle Theile auf eine solche Weise verbun-den sind, um ohne Hülfe des Gedächtnisses und Verstandes von der EinbildungS- ikraft gleichsam unmerklich zusammengefaßt und in ihrer Folge begriffen werten zu ikönnen. In der Darstellung und im Ausdruck jedes Einzelnen muß Anschaulich- Ikeir vorhanden sein, weil sonst der Mangel an Klarheit lind Lebhaftigkeit das Kunst- )werk trocken und matt machen würde. Dazu ist nöthig möglichste Verssnnlichung jim Ausdruck durch Beiwörter, Bilder, Gleichnisse, Anspielungen, Metaphern lund Figuren. In der Philosophie redet man noch von einer Vernunftanschauung, jvon einer intellectuellen Anschauung, Anschauung des Absoluten und Göttlichen jdurch die Vernunft. Kant unterscheidet von den oben angeführten empirischen An- ischaumigen die reinen Anscbauungen (oderAnschauungen u zwiori), welche ihnen zum .Grunde liegen, z. B. des Raums und der Zeit.
A n s ch a u u n g s l e h r e nenntPestalozss die Anweisung zu seinem Verfah-ren , die Kinder zum Bn wußtsein der Zahlen- und Maßverhältnisse zu bringen, d. h. jzum Unterricht im Recbnen und in der Geometrie, weil er dabei darauf ausgeht, ^die Kinder in Brand tu fetzen, daß sie die zu bildenden Größen in allen ihren Thei- 'len und Beziehungen mit Belbstthärigkeit sinnlich anschauen. Er bewerkstelligt diese lAnschauung durch seine Einheitentasel, die dem Auge ein sinnliches Bild von den §
Verhältnissen des Decimalsvstems gibt, und durch planmäßiges Vorzeigen regelmä- >
siger matbematischer Figuren und Körper, zu deren Nachbildung die Kinder ange- ,leitet werden. Es ist anerkannt, daß diese Lehrart die beste Vorbereitung zu hohern ;mathematischen Studien ist, aberauch alsGewöhniing der jl'.gendliche»DerstandeS-kraft zuni regelmäßigen Denken hat sie einen großen Werth, den ihr bis jetzt nurDiejenigen absprechen könnten, die ihre Wirksamkeitentwcdcr noch nickt durch eigneErfabrnng kennen gelernt harten oder sich dagegen durch die Besorgnis einnehmenließen, als werde die kindliche Beele durch das lückenlose, strenggeordnete Fortschrei-ten dieses Unterrichts in einen Mechanismus eingeschränkt, der das freie Epiel derKräfte hemmen und den Geist ftm andre, an keine so strenge Regel zu bindende Wis-senschaft abstumpfen muffe. Diese Bcsorgniß erscheint jedoch ungegründet, wennnian bedenkt, daß die Kraft durch Übungen, wobei tasKind sich den Unterrichts-stoff durch eignes Bewusksein bildet, und der Lehrer nur den Gang angibt, unge-mein gestärkt und von j.dun fremden Zwange frei werden muß; und was jene ge-naue -Ordnung betrifft, dem ohnehin zu willkürlichen Hcrumschweifen des kindli-chen Geistes doch wahrlich nicht besser Einhalt gethan werden kann, als durch eineLehrart, die zur Regelmäßigkeit nöthigt. Auch hat die Erfahrung glaubwürdigerErzieher dargethau, daß Kinder, die man nach der 'Anschauungslehre unterrichtete,wenn sie sonst nicht stumpfsinnig waren, sich zur Erlernung jeder andern Wissen-schaft fähiger zeigten als andre, denen man die Fertigkeit, mathematische Aufga-ben ;u lösen, durch Eintrichtern der Rechnungssätze und geometrischer Formeln bei-zubringen gesucht batre; denn jene hatten durch den Pestalotzi'schen Gang des Un-terrichts in den Zablcn- und Maßverbälmissen eine so klare Anschauung von denGründen und der Nothwendigkeit der matbematischen Bchlußfolgen, und eine sogroße Gewandtheit in der Zusammenstellung der Großen erlangt, taß eS ihnen na-türlich geworden war, bei jedem andern Unterrichtsstoffe nach dem Warum tu fra-gen und sich u»n Begriff zu erbeb. n. Freilich ist durch diese Übungen zunächst nurfür die Fertigkeit in äußern Anschanunaui gesorgt, und inwiefern sie auch zur Fä-higkeit für rein innere und sittliche Anschauungen beitrage, ist bis jetzt weder durchdie theoretischen Untersuchungen der Erss b 'r noch durch eine allgemeine Erfahrungbefriedigend dargethan worden. Der nwralifcke und religiöse Unterricht kann, sei-