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Erster Band. A bis Bl.
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Antik

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durch Vergleichung der alten und neuern Zeit und ibre« verschiedenen Charakterszu bestimmen pflegte. Es gab dann eine Zeit der Nachahmung in der neuern Kunst,wo man, von eigner Höhe schon herabgesunken und in die poetische Ferne der Ver-gangenheit blickend, sich an vormalige Größe zu stützen und an ihr zu erheben be-müht war; in dieser Zeit wurde jene Vcrgleichung nur zum unbedingten VortheiledesAntiken angestellt, gegen welches das Neuere für Nichts geachtet wurde. Ge-genwärtig, wo eine umfassendere und durch reinere Begriffe von Kunst und Schön-heit geläuterte Kenntniß und Kritik der Kunstwerke des vorchristlichen Alterthumsund der neuern Zeit sich immer weiter verbreitet hat, sieht man auch allgemeinerein, daß eineStheilS die Werke der Griechen und Römer nicht den Begriff des An-tiken erschöpfen, wenn auch die Mehrzahl derselben dem Ideale der Kunst unterallen Werken des Alterthums am nächsten kommt, und daher Vor allen durch jenenNamen ausgezeichnet zu werden verdient, anderntheils die neuere Bildung eben-falls eine unübersehliche Menge herrlicher und in ihrer Art vortrefflicher Erzeugnisseder Künste auszuweisen hat, welchen die Überreste des Altertbums als gleichrelakiveErscheinungen des menschliche» Geistes gegenüberstehen. Allein die nähere Be-stimmung dieses Begriffs des Antiken, welcher dein Modernen oder den Erzeug-nissen der neuern Zeit entgegengestellt wird, sehr eine genaue Angabe des Unifangsund der Dauer der BildungSperiodeu, welche wir mit diesem Begriffe bezeichnen,sowie der Ursachen voraus, welche den besondern Charakter der Bildung, durchwelche» wir beide absondern, hervorgebracht haben. Denn soll der Begriff desAlterthums einen bestimmte» Abschnitt der allgemeinen Bildungsgeschichte be' ich-nen, ko muß derselbe auf eine Verschiedenheit der Bildung gegründet sein, durch ,welche mehre Völker sich von den Nationen einer neuern Zeit (die wir als zweiteHauptperiode dem Alterthume gegenüberstellen und im Allgemeinen die Zeit dermodernen Literatur und Kunst nennen) absondern, und wir setzen dabei voraus,daßDölker, so verschieden sie in ihrenWerken erscheinen, dennoch in Hinsicht eineshöher» Gesichtspunktes unter einen gemeinschaftlichen Begriff gefaßt werden kön-nen, da überhaupt die Völker nicht für sich bestehen, sondern zusammenwirkendein großes Leben derMenschheir bilden, das, wie das Reich der Natur, in unzäh-lige größere und kleinere untergeordnete und beigeordnete Kreise, bis zu den Indi-viduen herab zerfallt und sich nach einkm festen Gesetze der Bildung entwickelt, nachderen Entfaltung wir mannigfaltige Perioden anzunehmen berechtigt sind. JeneVerschiedenheit nun findet sich unleugbar in den Werken der vorchristlichen undchristlichen, d. i. derjenigen Zeit, welche mit der allgemeiner verbreiteten Herrschaftder christlichen Religionsausicht, dem mit der sogenannten großen Völkerwanderungeintretende» Verfalle des römischen ReickS beginnt. Nun können zwar Werke deralten und neuern Zeit sich wiederum so ähnlich sein, daß das Alte in die neuere Zeithinüberspielt, und umgekehrt (daher sich auch Liese Abschnitte historisch nicht ge-nauer bestimmen lassen); auch finden, wie im Reiche der Natur, in den Geistes-werkcn der Individuen tausendfältige kaum merkliche Übergänge statt; aber wirreden hier von einem herrschenden Charakter, welcher diese Verschiedenheit gründet.Fragen wir nun genauer nach dieser Verschiedenheit, so müssen wir sogleich dieUrsachen andeuten, welche jenen bestimmten Charakter herbeigeführt haben, wo-durch zugleich der Begriff des Antiken näher bestimmt werden wird.

Wir verstehen aber unter dem Antiken im weitesten -Linne die Beschaffenheitder Bildung der vorchristlichen Völker unserer Erde, welche sich in den Werken derWissenschaft und Kunst als herrschender Charakter derselben geäußert bat. DieBildung des Menschen, und damit auch die Cultur der Volker und desMenschen-geschlechts, sängt an mit der Bildung des äußern Sinnes c wir können daher denersten Zeitraum derselben den Zeitraum des herrschenden LKnncs (Sinnesperiode)nennen. Durch die Sinne aber ist der Mensch in die Natur versenkt, sie sind die

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