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Ant'inous
Antinomer, wie er sie nannt,, mit überzeugender Kraft und bewies, wie nöthigVorhaltung des Gesetzes zur Erkenntniß der Sünde und zur wirklichen Besserungsei. Als darauf Agricola widerrief, machte Luther 1539 diesen Widerruf mitscharfem Tadel der in Ober-- und Niederfachfen schon zahlreichen AnhängerAgricolas bekannt. Dieser, hierdurch persönlich gekränkt, protcstirre gegen dieikm von Luther aufgebürdeten Conseguenzen, ging aber, ehe der Kurfürst vonSachsen seine Sache schlichten konnte, nach Berlin, wo er 1540 eine, Luther Völlig befriedigende, Revocationsschrift herausgab und damit den sogenanntenantinomistischen Streit beendigte. Jedoch wurden hierdurch eigentlich nur diepersönlichen Händel dieser Männer beigelegt, dagegen die Frage, ob die durchdas Christenthum bezweckte reine Sittlichkeit mehr durch den Glauben an dieDerbeißungen der Gnade Gottes in Christo oder mehr durch moralischen Unter-richt bewirkt werte, noch immer und vorzüglich jetzt wieder ein Gegenstand theo-logischer und pädagogischer Controversen ist. Wer den Geist des Christenthumsrichtig würdigt, wird^Glauben und Pflichtgefühl als unzertrennliche Motivechristlicher Tugend und Beruhigung gleich wichtig finden und Luther'S Verdienstum die Religiosität auch darin erkennen messen, daß er in jenem Streite derunter den evangelischen Predigern damals eingerissenen, der Moralität sehr nach-theiligen Gewohnheit, nur zum Glauben zu ermähnen und die Besserung derSitten darüber zu vernachlässigen, nachdrücklich zu steuern suchte. (Vgl. Ägri-cola, Johann.) — Antinomer, welche den Gebrauch des LAttengesetzegbei dem Unterrichte auch der Ungebcsserten ganz entbehrlich fanden und, umdie Kraft des Glaubens hervorzuheben, sogar das Laster zu rechtfertigen suchten,hat es auch unter den Jndcpendenten in England zu Cromwell's Zeit ge-geben. Als strenge Anhänger der Lehre von der unbedingten Gnadenwahlsprachen sie sittlichen Bestrebungen jede» Einfluß auf die künftige Seligkeit ab.Zahlreich waren sie nie und lebten seit dem Ende des vorigen Jahrh, ohne kirch-liche Verbindung. Ihre Grundsätze theilten die Antinomian - oder Parncular-Baptisten. (S. Tausgesinnte.) 31.
AntinouS , ein junger Bithynier, den Hadrian'S an Wahnsinn gren-zende Liebe für die Kunst verewigt hat. Ob er in dem Glauben, Hadrian , den erauf seinen Reisen begleitete, dadurch das Leben zu erhalten, oder ob er, müdeseiner Bestimmung, sich in den Nil gestürzt habe, läßt steh nicht bestimmen.Hadrian aber fand über diesen Verlust kein Maß des Schmerzes. Nicht zufrieden,einem neuentdeckten Gestirn in der Milchstraße den Namen seines Lieblings zu ge-ben, welche Benennung noch gilt, ließ er auch Tempel für ihn errichten, Städtenach seinem Namen benennen und ihn durch das ganze Reich gleich als einenGott verehren. Daher wurde auch das Bild von der Kunst anfalle Weise darge-stellt und vervielfältigt. Mehre dieser Abbildungen gehören zum Theil zu den schön-sten Werken der Kunst, die wir aus dem Alterthum haben; namentlich die Bild-säule des AatinouS von Belvedere auf dem Vatican , gefunden in den BädernHadrian'S , unk des Anrinous auf dem Campitoglio, gesunden in der Villa Ha-drian'S zu Tivoli . Aber gerade über diese Bildsäulen sind die Archäologen sehr ver-schiedenerMeinung, und viele wollen sie nicht für Abbildungen des A. gelten lassen,sondern erkennen die charakteristischen Kennzeichen andrerHeroen oder Götter darin.Dieser Streit ist schwer zu entscheiden, da die Künstler, welche den A. als Gortbildeten, dazu Götrerideale wählten, denen sie die Individualität des A. gaben,wodurch denn dieMerkmale vermischt wurden. Die vaticanische Statue ist wahr-scheinlich kein AntinouS. sondern ein Hermes, die capitolinische aber ein HermeS-AntinouS. ,,Ju allen Abbildungen", sagt Winckelmann vom A., „hat sein Ge-sicht etwas Melancholisches, seine Augen sind immer groß mit einem guten Um-risse, sein Profil ist sanft abwärts gehend, und in seinem Munde und Kinn ist