Antiphrasis AntisiheneS 331
der Maria und andrer Heiligen. In der rvangelsschen Kirche kennt man 2 Artender Antiphenien. Entweder bestehen sie aus ganzen Liedern, wie die Litanei, odernur aus wenigen biblischen Worten. Diese letztere Art faßt theils eine Intona-tion, welche der Prediger verrichtet, theils ein rerponsnrium des Chors und derGemeinde in sich. In England nennt manAnthem oder Antiphonen eine ArtKirchenmusik, für die Kathedralkirchen bestimmt. Weibliche Stimmen singen2 Zeilen allein, und die ganze Gemeinde fallt dann starker und kräftiger ein.Händel hat deren mehre componirt.
Antiphrasis, eine Wortfigur, vermöge welcher man Etwas von Dembenennt, was es nicht ist. So z.B. soll der Name Parzen von poi eero, schonen,abgeleitet sein, obgleich sie nichts weniger als schonend sind: so auch bei dem Na-men der Furien, Eumeniden. Gewöhnlich findet dabei eine Ironie statt.
Antipoden, f. Gegenfüßler.
.V n t i ,, n a. damit bezeichnen die Buchdrucker und Schriftgieiler die ge-radestehenden lateinischen Schriften von mannigfaltiger Große, zum Unterschiedevon der schiefliegenden (Cursiv-) Stchrift. (S. Schriften.)
Antiquare, diejenigen Gelehrten, welche sich mit dem Studium derAntiquitäten beschäftigen, in Italien oft gleichbedeutend mit Ciceroni gebraucht;dann auch Diejenigen, welche ausschließlich mit ältern und gebundenen Büchernhandeln. In frühern Zeiten hielten die Buchhandlungen zugleich starke Sorti-mente alter Bücher, wovon die der Elzevire und WaeSberge zu Lepden und Am-sterdam, und die von Fritsch, Gleditfch und Weidmann zu Leipzig am bekanntestenwaren; noch jeßtherrscht diese Sitte außerhalb Deutschland . InFrankreich wer-den diese Antiquare spottweise von Ilougul» — ein altes Blich von geringemWerth — stougnnGleg genannt. In London findet man bei Lonaman undLackington, in Paris bei Renouard, in Madrid bei Sancha, in Rom bei de Ro-manis, in Florenz bei Molini, in Utrecht bei Wild und Altheer und in Leiten beiLuchtmanS die vollständigsten Lager. Nur in Deutschland , wo sich der Buch-handel am regelmäßigsten ausgebildet hat, habe» die eigentlichen Buchhändlerden Vertrieb älterer Bücher den Antiquaren überlassen, von denen Weigel inLeipzig, Mensel in Koburg, Häßler und Nestler in Hamburg , Sommerbrodin Berlin amter die bekanntesten gehören. /V — s.
Antiquitäten, s. Alterthümer.
Antispa st, st Rhythm u S.
Antisthenes, Stifter der cpnischenSekte, geb.zuAtben in der89.L)lrm-piade (r24— 421 v. Cbr.), genoß den Unterricht des Sopbiüen Gorgias undtrieb Las Geschäft eines RhewrS; aber nachdem erSokrateS gekört batte, entsagteer dem eitel» Schmuck dcrBeredtiamkeit, um sich ganz dcrPhilosophie zu widmen.AuS LwkrateS'S Lehren schöpfte er jenen Eifer für die Tugend und jenen gewaltiaenHaß gegen das Laster, wodurch steh die von ihm gestiftete Schule auswichnete. Ersetzte die Tugend in das freie Entbehren und die Unabbangigkeit vom Äußern, undverachtete Reichthum, Würden, Wollust, ja selbst die Wissenschaft. Er wollteGeist und Körper auf das strenge Bedürfniß beschränken und trug daher kein Be-denken, öffentlich wie ein Bettler, einen O.uersack aufdem Rücken und einen Stockin der Hand, zu erscheinen. Plaro erkannte den wahren Zweck dieses auffallendenBetragens. „Ich sehe", sagte er zu ihm, „deine Eitelkeit ouS den Löchern deinesMantels hervorscheinen". Die Sonderbarkeit des Betragens reizte Viele zur Nach-ahmung. ScinvorzüglichsterSchüler warDiogeneS (s.d.). Wenn dieser durchdie Festigkeit und Lebhaftigkeit seines Geistes und durch die Eigenthümlichkeit seinerAusdrucke ausgezeichnet ist, so wußte A. sich mit mehr Würde zu betragen. Erwar unveränderlich ein tugendhafter Bürger; auch soll er zuerst gewagt haben, dieAnkläger des Lokrates zu verfolgen, und Ursache gewesen sein, daß einer verbannt,