Band 
Erster Band. A bis Bl.
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Antoinette (Marie)

eignisse, die ihren Muth auf die Probe setzten. Sie war mit ihrem Gemahl beidem Gastmahl erschienen, das die Leibgarden zu Versailles am I.Oct. denOfflcie-ren der Lmientruppen gaben, und wo bald, nachdem der Hof sich entfernt hatte, dieNationalcocarde beschimpft worden war. Dies reizte den Pöbel von Paris gegendie Königin noch mehr auf. Man hielt sie für die Seele der Reactionspartei, wel-che damals das Heer gegen Paris und gegen die Nationalversammlung zusammen-zog. Am 5. stürmte der pariser Pöbel nach Versailles ; am 6. früh brach er in dasschloß ein, ermordete einige Leibgarden und stieß die wüthendsten Drohungen ge-gen die Königin aus. Mitten in der Nacht hatte ihr ein Geistlicher geschrieben:„Nehmen SieMaßregeln; morgen früh um 6 Uhr sollen Sie ermordet werden!"Sie behielt ihre Ruhe und verheimlichte das Schreiben. Die Wüthenden drangenin das Zimmer der Königin; sie flüchtete sich zum König. Um den MordscenenEinhalt zu thun, zeigen sich der Konig und die Königin, ihre beiden Kinder an derHand, auf dem Balcon. Dieser Anblick macht einen augenblicklichen Eindruck aufdie Rasenden; bald aber ertönt der allgemeine Ruf: „Nicht die Kinder, die Köni-gin allein!" Sie führt augenblicklich ihren Sohn und ihre Tochter in die Armedes KonigS und kehrt auf den Kalcon zurück. Dieser unerwartete Muth ent-waffnete den Haufen; denDrohungen folgteDeifallgeschrei. An demselben Tagemußte M.Ant. auf dem sechsstündigen Wege nach Paris das entsetzlichste Schau-spiel ertrage». Vor ihrem Wagen trug man auf Piken die Köpfe zweier Gardi-sten; trunkene Furien umringten sie mit den schrecklichsten Verwünschungen. Alssie durch Abgeordnete des Gerichts, welches die Schuldigen verfolgen und bestrafenwollte, über das Vorgefallene befragt wurde, antwortete sie: „Ich werde nie dieAnklagen» eines Unterthanen des Königs sein"; und auf eine wiederholte Anfrage:„Ich habe Alles gesehen, Alles gehört und Alles vergessen". In den ersten Mo-naten nach ihrer Ankunft zu Paris wandte sie 300,000 LivreS an, um die vonarmen Leuten auf dem Leihhause versetzten Kleider einzulösen; aber ihre Wohl-thaten konnten die erbitterten Gemüther nicht besänftigen. Als Ludwig XVI .1791 zu fliehen beschloß, folgte sie ihrem Genialst, obgleich sie das Mißlingen vor-aussah. Von VarenneS in die Tnilerien zurückgebracht, antwortete sie den Com-missarien, die ihre Erklärung federten: „Da der König mit seinen Kindern abzureisenwünschte, würde Nichts in der Welt mich haben hindern könne» ihm zu folgen.Ich habe seit '2 Jahren genugsam bewiesen, daß ick ihn nie verlassen werde.Was mich noch mekr dazu bestimmte, war die feste Überzeugung, daß der KönigFrankreich nie verlassen wollte; hätte er e-S gewünscht, so würde ich Alles angewandthaben es zu verhindern". Diesem Sturme folgte ein Augenblick der Ruhe; in-deß kamen der 20. Juni und der 10. Aug. 1792. Auf Alles gefaßt, wandte dieKönigin an dem letzten dieser Tage das Äußerste an, ihren Gemahl dahin zu be-wegen, daß er mit den Waffen in der Hand dem Tode entgegengehe; mit ihm indie Nationalversammlung geführt, hörte sie die Entsetzung des KonigS auSsprechen,seine Richter ernennen, und folgte ihm in den Tempel. Man hatte keiner ihrerFrauen erlaubt, sie zu begleiten. Hier bewohnte sie mit ihrer Tochter und der Prin-zessin Elisabeth das einzige heizbare Zimmer. Dichte Estengitter verwahrten dieFenster, die nur ein mattes Licht hineinfallen ließen. M.Ant. zeigte jetzt die ganzeStärke ihres Charakters. Stets ruhig im Kreise der Ihrigen, flößte sie ihnen Ent-sagung und Nichtachtung der Kränkungen und Leiden ein. Als Ludwig X V I. ihrsagte, daß er verurtheilt sei, wünschte sie ihm Glück zu dem Ende eines so qual-vollen Daseins und zu dem unvergänglichen Lohn, der es krönen solle. Nachdem Tode ihres Gemahls hatte sie an den Tonvcnt nur die Kitte um Trauerkleiter,welche sie bis an das Ende ihres Lebens trug. Am 4. Juli 1793 ward sie vonihrem Sohne getrennt. Sie fükstte, daß diele Trennung aus immer sei, nichts-destoweniger blieb sie standhaft. Am nächsten 5. Aug. ward sie mitten in der Nacht