Archonholz 391
Falle vom Pferde ein Dein, gebrauchte die Schwefelbäder sn Pisa, bedielt aberseit dieser Zeit eine stets nnbeilbar gebliebene Lähmung des Fuges. Narb der Wie-,derkekr nach Deutschland hielt er sich in Dresden, Leipstg, Berlin und Hamburg auf und lebte von Schrittstellerei. Dbne eigentliche gelehrte Kenntnisse, aberbekannt mit niedren neuern Sprachen, ausgerüstet mit einem nicht gewöhnlichenBeobachtungsgeiste und einer seltenen Geschicklichkeit zu fragen und zu sammeln,mit großer Vkenschen- und Weltkenntnis,, mit dem Talente, das Wir, nge undCharakteristische nicht nur glücklich aufzufassen, sondern auch in einer lebh. Nn undgewandten Sprache darzustellen, und mit der Gabe, dem Zeitgeschmäcke gemäß denInha't und die Einkleidung seiner Schriften zu wählen, gewann er in wenig Iah-,ren ein großes Publicum und erlangte auf dasselbe einen entschiedenen Einfluß.Von der Zeit an, da er zuerst als Schriftsteller auftrat, stickte er zugleich seine Be-lesenheit sehr zu erweitern, und wußte sie mit Geschmack geltend zu machen. DenGrund zu seiner ehrenvollen literarischen Laufbahn legte er durch die vielgeleseneZeitschrift: „Literatur-- und Völkerkunde", die sich durch Neukeit, Manuigtal-tiqkeit, meistens glückliche Wahl und leichte, gefällige Behandlung der Gegen-,stände vortheilhas: auszeichnete. Den glänzendsten Erfolg hatte sein, fast in allelebende Sprachen Europas übersetztes Buch: „England und Italien ". Unverkenn-bar ist hier des Verfassers Kunst, auf Effect zu malen, und sein Bestreben, durchgeschickte Anordnung und einen gefälligen Vortrug den Reiz des Neuen zu vermek-ren und das oft Gesagte wieder neu zu sagen. Wenn er m Hinsicht auf Englanddas Lob übertrieb, so übertrieb er in Hinsicht auf Italien den Tadel und erlaubtesich oft die handgreiflichsten Verdrehungen. Als Fortsetzung schrieb er die „Annalender britischen Geschichte" von 1188 an (Braunschw., Hamb . und Tübing., 20Bde., 1189 — 98 . Auf eine ausgezeichnete Weife zeigte sich sein Talent in inter-essanter Darstellung, vereint mit dem Bestreben, ein schönes Ganzes zu liefern, inseiner, mit sorgfältiger Benutzung der besten Duellen geschriebenen „Geschichte dessiebenjährigenKriegs", zuerst im „Berliner historischen Taschenbuch siir 1189", dannerweitert in 2 Bdn., Berlin 1193. In der„Geschichte der Konigin Elisabeth", welcheer zu dem „Historischen Calender für Damen" (Leipzig 1198) lieferte, sind dieBege-benheiren mir so unverwandter Rücksicht auf den Endzweck ausgewählt, so charak-teristisch gestellt und in einer so gefälligen, prunklosen Manier erzählt, daß kaumder interessanteste Roman die Aufmerksamkeit mehr an sich ziehen und fesseln kann.Auch seine „Geschichte Gustav Wasa'S , nebst einer Schilderung des Zustandesvon Schweden von den ältesten Zeiten an bis an das Ende des 1-1. Iahrb." (B>-bing. 1801, 2 Thle? enthält eine anziebende Darstellung der Regierungsgeschichtejenes KonigS, aber etwas Neues von historischen Ansichten und Beurtheilungen,wie aus deü Verfassers Ankündigung neugebrauchrer Hülfsmittel zu erwarten ge-wesen wäre, findet man nickt. Die letzten 20 Jahre seines Lebens widmete A.meist der politischen Schrisrstellerei, als Herausgeber der Zeitschrift „Minerva",die mit 1192 ihren Anfang nahm, unter den mannigfaltigsten Schicksalen auchnach des Herausgebers Tode fortgesetzt, und nur in einzelnen kritischen Epochen,wie 1806 und 1811, eine Zeitlang unterbrochen wurde. Mit vieler Klugheitwußte sich A. als politischer Journalist, der jedesmaligen Lage der Begebenhei-ten gemäß, das Ansehen der Unparteilichkeit zu geben, ohne eben immer folge-recht in seinen Urtheilen und Grundsätzen zu sein. Dessenungeachtet ist seine„Minerva", die oft in 3000 Exemplaren verkauft ward, ein an Aufklärungender Zeitgeschichte, politischen Betrachtungen, Mittheilungen ausländischer Auf-sätze, Auszügen aus großer» Werken und wichtigen Actenstucken sekr reichhalti-ges Werk. Oka eh der Rückkehr von Paris (im Herbst 1192) wählte A. aber-mals Hamburg zu fernem beständigen Aufenthalte. Er kaufte sich im Holstei-nischen an, und so sehr auch körperliche Schwächen ihn in den lehren Jahren mc