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Erster Band. A bis Bl.
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412 Aristipp Aristokratie

errichteten. Das Verdienst seiner Reden, von denen wir noch 45 besitzen, bestehtnur in äußcrm Wortgepränge, wodurch die innere Leerheit ziemlich glücklich ver-deckt wird.

Aristipp, der Stifter einer berühmten philosophischen Schule unter denGriechen, die nach seiner Vaterstadt Cyrene in Afrika die cyrenaische genannt ward.Er blühete 380 v. Chr. Von seinem begüterten Vater nach Olympia geschickt,wahrscheinlich, um dort an den Wettkämpfer, un Wagcnrennen Theil zu nehmen,horte er von Sokrates erzählen, und ward so begierig ihn zu hören, daß er so-gleich nach Athen eilte und sieb unter seine Schüler mischte. Er nahm indeß nichtalle Grundsätze desselben an. Er war, wie dieser, der Meinung, daß man sichenthalten müsse von Dingen zu sprechen, die über die menschliche Fassungskraftgehen, und achtete ebenfalls die physikalischen und mathematischen Wissenschaftenwenig; aber seine Moral wich sehr von der Sokratischen ab und war eine Kunstdes feinern Lebensgenusses. Seine Hauptsätze waren: alle Empfindungen desMensche» lassen sich auf 2, Vergnügen und Schmerz, zurückführen. Das Ver-gnügen in eine sanfte, der Schinerz eine heftige Bewegung; alle lebendige Wesensuchen das Erstere und vermeiden das Letztere. Das Glück ist nichts Andres alsein fortdauerndes, aus einzelnen Vergnügungen zusammengesetztes Vergnügen,und da es das Ziel aller menschlichen Bestrebungen ist, so soll man sich keiner Artdes Vergnügens entziehen. Doch ist dabei mit Geschmack zu verfahren, die Ver-nunft mutz uns stets in unsern Genüssen leiten. SokratcS, der diese Lehren nichtbilligte, stritt mit ihm mehrmals darüber, und wahrscheinlich, um seinem Tadelzu entgehen, brachte A. einen Theil seiner Zeit zu Ägvna zu, wo er sich auchbefand, als sein Lehrer starb. Er machte mehre Reisen nach ^icilien und fanddort bei DionvS, dem Tvrannen, die wohlwollendste Aufnahme. Au Korinth lockten ihn die Reize der berühmten La,S an , und er trat mit ibr in große Vertrau-lichkeit. Als man ihn, vorwarf, daß er für ein Weib so viel Geld verschwende, diesich dem Diogenes unentgeltlich ergebe, antwortete er: „Ich bezahle sie, das siemir ihre Gunst gewähren, nicht, daß sie sie Andern versagen soll". Ein andresMal sagte er: „Ich besitze sie, sie nicht mich". ;S. Lais.) — Es in nichtwahrscheinlich, daß er, wie Diogenes Lai'rtius erzählt, nach seiner Rückkehr zuAthen eine Schule eröffnet kabe, da wir keinen einzigen seiner Schüler kenne».Seine Lehre ward bloß von seinerTechterArete undvon seinem Enkel Aristipp d. I.fortgepflanzt. Andre Cvrenaiker bildeten sie zu einer eigentlichen Lehre des Ge-nusses aus und wurden daher auch Hedo»iker genannt. Die Zeit seines Todes istunbekannt. Seine Schriften sind verloren gegangen. Wieland'S historisch-vhi-losophischer Roman: „Aristipp und einige seiner Zeitgenossen", gibt uns eine leben-dige, höchst anziehende Schilderung des Lebens und der in Ausübung gebrachtenGrundsätze des liebenswürdig sinnlichen Philosophen.

Aristokrat! e a. d.Griech.), eine Herrschaft oder Regierung der Besten.Unter den Besten sind hier nicht etwa die Gebildetsten oder Tugendhaftesten zu ver-stehen, sondern die Vornehmsten, Reichste», Mächtigsten im Staate, welche auchvon den Römern die Optimalen (Besten) genannt wurden. Wenn sich nämlichin einer bürgerlichen Gesellschaft einzelne Familien dergestalt hervorthun, daß dieaus ihnen hervorgehenden Staatsbürger als eine edlere Menschenclasse betrachtetwerden, dar daher eben diese Edler» ein Übergewicht an Ansehen, Besitztbinn undMacht über die übrigen Bürger erlangen, und daß sie eben darum die ersten undwichtigsten Staarsämter verwalten, mithin den -Ltaar selbst regieren, io findet als-dann im Staate eine Aristokratie stakt. Im Deutschen kennte man daher auch Ari-stokratie durch Adelsherrschaft übersetzen. Wenn man aber von einer aristokratischenStaarsverfassung redet und dieselbe der monarchischen und republikanischen entgegen-setzt, so ist dies eigentlich falsch. Denn die Aristokratie kann auch in Monarchien