Band 
Erster Band. A bis Bl.
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Armftlt

2) durch freiwillige, zu gewissen Zeiten festbestimmte, in einem oder zwei Terminenzahlbare Beitrüge; im .Nothfälle auch wol 3) durch förmliche Armensteuera unddurch Besteuerung von Luxusgegenständen; 4) durch sogenannte Armcnbüchsen,die bei Volksfeierlichkeiten, >rptchmausereien, Kindtaufen, Hochzeiten ic. ausgesetztwerden; 5) Kirchencollecten in offenen, an die Thüren gestellten Becken; ^Schen-kungen und Vermächtnisse für die Armenanstalten; 7) Beitrüge von allen Kaufen,Verkäufen und Dertauschungen liegender Grundstücke nach Verhältniß des Werthsu. s. w. Die Verwaltung sämmtlicher Anstalten dieser Art wird am besten undzweckmäßigsten, unter der Leitung einer obern, von der Landesregierung ernanntenBehörde lind der Orrsobrigkeiten, einer Anzahl wohlhabender Bürger übertragen,welche (ein jeder in seinem Bezirke) die ihrer Pflege anvertrauten Armen genaubeobachten, den Grad ihrer HulfSbedurftigkeit auszumitteln suchen und über dieArt und Weise ihrer Unterstützung Vorschläge thun, und sollte Ehrensache sein. nichtaber durch namhafte Besoldungen den AimcncassenfondsaufKosicn der Beitragen-den sck,Mälern. >— Erst in den neuesten Zeiten ist man dahin gelangt, den eigentlichenZweck und das Wesen der Armenpflege klar und deutlich zu erkennen; in den mei-sten europäischen Staate» wird dieser wichtige Zweig der öffentlichen Verwaltungnoch sehr vernachlässigt; Deutschland kann, be: seiner Zerstückelung, in Sachensolcher Art nie zur Einheit gelangen, doch gebührt namentlich Hamburg und Ol-denburg der Ruhm, in dieser Hinsicht zuerst die Bahn gebrochen zu haben. InEngland im sogenannten Dartmooi walke, in den Niederlanden in den an Deutsch-land grenzenden Mooren , in Holstein im Pinnebergschen Versuchte man Armen-colomen zu gründen. Aber außer dem Plane, den der edle Owen in Schottland ausführte, ist Alles noch im Entstehen. (Vgl. F re d e r i ks o o rd.)

Ä r m fe l t (Gustav Moritz, GrafV.), ein vornehmer Schwede, dessen öffent-liches Leben durch seltsamen Wechsel des Glucks ausgezeichnet, in seinen gehei-mern Beziehungen aber der Geschichte de-S schweb. Hofes angehört und daher nichtVöllig aufgeklärt ist. Gustav Moritz, geb. t. 1. Apr. 1757, der älteste Sohndes Generalmaj. und Landeshauptmanns Freiherr» v. A., wurde in der Kriegs-schule zu Karlskrona erzogen und dann a sFahndrieh bei der Garde in Stockholm angestellt. Durch seine schöne Gestalt und gefällige Formen des Umgangs, dieer wol auch durch fremde, poetische Federn geschickt auszuschmücken verstand, ge-wann er die Gunst Gustavs II!. Schnell befördert und mit Auszeichnungen über-häuft, bewies er im Kriege 1783 — 90 gegen Rußland ebenso glänzenden Muihim Felde wie Vorzüge im höher» geselligen Leben, wodurch er immer höher inder Gunst seines König-S stieg. Als Gencrailientenant schloß er den Frieden zuWcrelä ab, wurde von der russischen Kaiserin mit mehren Orten geziert und erhieltfortwährend, ja selbst noch am Sterbebette seines Monarchen, die schmeichelhaftestenBeweise königlicher Gnade. Zum Obcrstatrhalter von Stockholm ernannt unddurch Gustavs III. Vermittelung mit dem alten Geschlechte der Grafen de la Gardiedurch Heirath verbunden, soll er auch zum Präsidenten eines RegentschastSratheSwährend der Minderjährigkeit Gustavs IV. bestimmt gewesen sein, obgleich, einerfrühern testamentarischen Verfügung nach, die Vormundschaft über den jungenKönig dem Herzog von Südermanland zukam. Möglich, daß hierin der Haßzu suchen ist, mir welchem A. nun Verfolgt wurde. Wirklich entsetzte man ihnam 7. Sept. 1792 aller seiner Ämter und Wurden und schickte ihn als Gesandtennach Neapel . Nicht unwahrscheinlich wurde zugleich vermuthet, daß eine uner-widerte Neigung des Herzogs von Südermanland zu einem Hoffräulein, von Rn-denskjold, von welcher A. begünstigt war, jene» Haß bis zu unwürdiger Erbit-terung gesteigert habe. Gewiß ist, daß A. und die Rudenskjold durch schmach-volle Gerüchte dem öffentlichen Urtheil preisgegeben, daß sie auf die entehrendsteWeise ins Zuchthaus verwiesen wurde, er aber in Italien gedungenen Dolchen