Band 
Erster Band. A bis Bl.
Seite
435
JPEG-Download
 

Arndt

4ZÜ

bereckmende 200jährige Segen seines Buches widerlegt. Er hat den Kirchenhisto-rikern, Zlrnold und Spener, trefflich vorgearbeitet und großen Llntheil an der Wie-dergeburt der evangelischen Kirche, die an die Stelle des todten Buchstabens einlebendiges Christenthum setzte. Noch jetzt wird es unter dem Volke haufiger gefun-den und fleißiger gebraucht, als alle neuere Bücher dieser Art. Neuere Bearbei-tungen haben Fedderstn 1777 und SinteniS d. I. 1816 geliefert.

Arndt (ErnstMoritz), ein deutscher Schriftsteller, der sich Zur Zeit der Be-freiung Deutschlands von der Franzosenhcrrschaft thätig bewies, und durch seinefrei-müthigcn, patriotischen Schriften kräftig dazu mitwirkte. Er ist aus Pommern ge-bürtig und war 1806 Pros. der Philosophie zu Grcifswald. Seine 1797 — 99 unter-nommenen Reisen („Reise durch S chweden", 4 Bde., „R. durch einen Theil Ita-liens", 2 Bde., „R.durch einen Theil Frankreichs", 2 Bde., „R. durch Deutschland ,Italien, Ungarn und Frankreich ", 2. Anst., 4 Bde. machten ihn als einen aufmerk-samen uitd aufgeklärten Beobachter bekannt. Er war damals ein, wiewol gemäßig-ter, Lobredner Napoleons . Als er aber dessen Unterjochungssystem durchschaut harte,ward er sein entschiedener Gegner. Dies bewies sein „Geist der Zeit", welcher (1807)allgemeines Aussehen erregte. Man findet darin anstehende historische und politischeSkizzen und sehr überraschende Ansichten von dem AuSgange der KriegeNapoleonS.Mit kühner Freimüthigkeit sagt der Verfasser, daß dieser Weltbestürmer nicht andersals mit seinen eignen Waffen besiegt werten könne. Napoleon nöthigte ihn nachSchweden zu flüchten, von wo A. erst in dem Augenblick der Befreiung seines Va-terlandes zurückkehrte. Sein Bestreben war, die Erbitterung gegen die sranz. Un-terjochet' immer höher zu steigern, den Eifer für Unabhängigkeit und Vaterland zuentstammen und die Jugend Deutschlands unter die Waffen zu bringen. EineMenge von Schriften, voll Feuer und Geist, flössen damals aus semer rastlosenFeder, die nicht ohne Erfolg auf diese Zwecke hinarbeiteten, z. B. seine „Ansichtenund Aussichten der deutschen Geschichte" (Leipz. 1814). Auch »ach Napoleons Sturz blieb er mit seinen Rathschlägen, wie Deutschlands Wohl dauerhaft begrün-det werden könne, nicht zurück, und manches von ihm hier ausgestreute Samenkornwird vielleicht noch in der Zukunft nützliche Früchte tragen. — A. lebte zuletzt amRhein und wurde 1818 alsProf. der Geschichte bei der in Bonn neuerrichteten Univer-sität angestellt. Hier wurde er 1819, nebst den Professoren Welcker, in die Untersu-chung demagogischer Umtriebe (s. Umtriebe) verwickelt. Man nahm seine Pa-piere in Beschlag, und die von ihm wegen angeblicher Ubergehung der competcntenBehörden und aller gesetzlichen Formen eingelegte Protestation, sowie die Verwen-dung?» des akademischen LlenatS, der dortigen Justizbehörden und des Justizmini-steriums für die Rheinlande, konnten in der außerordentl. Form der Untersuchungkeine Abänderung bewirken. Seitdem hatte, auf den Antrag derBundesccntralun-tersiichungScommission in Mainz vom 2. Aug. 1820 , welcher jene Polizeiacten zu-geschickt worden waren, die von dem Konig, mir Rücksicht aus die wegen rcvolution-naircr Umtriebe angeordneten Untersuchungen, niedergesetzte Ministerialcommissionden 10. Nov. 1820 eine Spccialuntersiichung wider ihn angeordnet, womit zugleichdie Suspension von seinem Lehramte verbunden war. Die Untersuchung nahmhierauf den ,6. Febr. 1821 in Bonn ibren Anfang. Der damit beauftragte Ingui-rent ivar der HofgerichtSrarh Pape in Wetzlar , welcher die geschlossenen Acten „zurweite? » Veranlassung" an die Ministerialcommission einsenden sollte. Gegen ihnwiedu bolte zwar der Angeklagte seine Protestation in Ansehung der gerichtlichenComoerenz, jedoch bewies er sich zum Antworten bereitwillig. Die Untersuchungsollte aus den Verdacht geheimer Verbindungen gegründet sein und mag sich vor-züglich aufA.'S ausgesprochene historische und politische Meinungen und Ansichtenbezocen haben. Darum verlangte auch der Ikguirent, daß A. s. sämmtl. Schriftenund Kollegienhefte zu den Acten hergeben möchte. „Die Verböte selbst", sagt A.

28 *