Band 
Erster Band. A bis Bl.
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Arnold (Christoph) 430

koll öffentlich bekanntmachen. Der vom Criminalsenat des Kammergerichts unterdem Vorsitze des Milchners V. Zedlitz abverlangte, nach abermaliger Untersuchungabgefaßte Bericht sprach die Iustizbedienten von aller Parteilichkeit frei, nichts-destoweniger fetzte der Monarch, als auch der Minder sich standhaft weigerte, einandres Urtheil zu fallen, selbst fest: daß drei Regierung?'- und zwei Kammcrge-richtSräthe und ein IustüiariuS ihrer stellen entsetzt und mit einjähriger FesnMgS-strafe belegt werden, sie auch, sowie der v. Gersdorf, den Müller entschädigen soll--ten. Ferner erhielt der neumärk.Regier.'-Präsidenk v. Finkenstein den Abschied. —Die öffentliche Meinung, welche sich bei dieser Gelegenheit sehr vernehmbar aus-sprach, inußre diese allgemein geschätzten Männer über ihr Schicksal trösten. DieEntschädigung für Arnold wurde indessen nicht eingefoderr, ihm vielmehr aus desKönigs eigner Easse Etwas verabreicht, und die vernrtheilten Iusiizbedienten nochvor Ablauf der Strafzeit ihrer Haft entlassen. (Unter der Regierung Friedr. Wil-helms I I. wurden sie auf den Grund einer neuen Untersuchung völlig freigesprochen,auch bis zur wettern Anmllung für die gehabten Verluste vorläufig entschädigt.)Nach Dem, was über die Sache actenmäßig bekannt worden ist (vgl.DohmS „Denk-würdigkeiten", I.Bd.), steht soviel fest: daß, wenn auch vielleicht Fehler bei derIn-struction des Processes vorgefallen sind und die Entscheidung also kätte anders aus-falle» können, selbige doch fern von Ungcrecbtigkeit oder Parteilichkeit war, dieRichter unschuldig gewesen sind, der Konig hingegen von dem Müller durch un-klare oder falsche Angaben hintergangen worden ist. Denn Hr. V. Gcrsdorf ist völ-lig berechtigt gewesen, den Teich anzulegen, Arnold keineswegs dadurch in feinemGewerbe gestört, und nicht einmal dem Hrn. v. Gersdorf, sondern einem GrafenSckmetkau den Pachtzins zu entrichten schuldig befunden worden. Die Milderungder S träfe der vernrtheilten Richter macht es wahrscheinlich, daß der König späterwol selbst eingesehen haben dürfte, wie ihn sein GcrecktigkeitSeifer hier bis zur Lei-denschaftlichkeit und in der That zu weit führte, zumal da aus dem Geständniß des-Obersten Heuking sich ergab, das; derselbe durch feinen Auditeur, dem er die Unter-suchung der Sache übertragen hatte, getäuscht worden war. Allgemeine Grund-sätze, die Besorgnis, seinem königl. Ansehen zu schaden, vielleicht auch mancherleiandre Umstände, welche den Verdacht der Parteilichkeit auf die Iustizbeamken war-fen, mochten den Monarchen abhalten, das einmal gesprochene Ldtrafurrheil zurück-zunbmen. — Der Arnold'sche Proceß ist übrigens nicht nur an sich, sondcrn auchin fiinen Folgen höchst merkwürdig, da er es wahrscheinlich war, der in des KönigsSe<lc den Entschluß zu einer gänzlichen Reform des RechtSzusiandeS in seinenStaaten zur Reife brachte. (S. La n d rech t, prenß., und §armer.) 5.

Arnold (Christopb), ein als Astronom berühmter Bauer in Sommerfeldbei Leipzig . Er war in diesem Dorfe 1646 geb., starb 1695, und leistete durchSe bstumel richt in der Astronomie so viel, daß er Mit den berühmtesten Gelehrtenseil er Zeit i»> Briefwechsel stand, von welchem die Handschriften auf der RathS-bib iorbek zu Leipzig , wo auch A.'s Blldniß zu sehen ist, aufbewahrt werden. Aufseii em Wohnkause hatte er sich ein Observatorium erbaut, welches das Anden-ken dieses merkwürdigen Mannes bis 1191 erhielt, da es, seiner Baufälligkeitwenn, abgetragen werden mußte. Unermüdel im Beobachten, entdeckte er mehreErscheinungen früher als andre Astronomen; namentlich die beiden Kometen 1683um 1686, auf welche er die leipziger Anronomen aufmerksam machte. Nochmem Berühmtheit erwarb er sich durch die Beobachtung des Durchgangs des Mer-kn, durch die Ldonne 1690. Der leipziger Magistrat machte ibm bei dieser Gele-genheit nicht nur ein Geschenk an Gelde, sondern erließ ihm auch auf Lebenszeitall' die Abgaben, welche er an denselben zu einrichten hatte. A.'S Beobach-tuigen waren so genau, daß sie in einer damals erscheinenden Gelehrtenzeirschrift,in den „ Vcti, eruclUornin" (f, d.) aufgenommen wurden. A. selbst ließ drucken: