452
Arzt
die Ausbildung des Arztes beti-ffft, so bezieht sie sich auf Erlernung der Düsen-,schuft und Übung der Kunst. Die erstere erfodcrt die Einsammlung aller zur Me-dicin (s. d.) gehörigen Kenntnisse. Kein Theil der Arzneikunde und keine ihrerHülfswissenfchafte» darf davon ausgeschlossen werden, wenn nicht eine Lücke in derAusbildung deö ArzrcS entstehen soll. Man hat darüber gestritten, ob die Chirurgievon der Medicin getrennt bleiben oder mit ihr vereinigt werden soll. Es leidet aberkeinen Zweifel, daß m der theoretischen Bildung des Arztes die Chirurgie nicht feh-len darf, obgleich die Ausübung oft getrennt ist und bleiben wird. Die Kunstbiltungberuht, wie oben gezeigt wurde, auf natürlicher Anlage. Wo diese fehlt, da fin-det nie die Kunst sich ein. Das Mine des Arztes ist das Band, welches die Wissen-schaft mit der Natur vereinigt; es ist der Lichtstrahl, welcher ihm in der Dunkel-heit das Verborgene offenbart, und ihn schnell begreifen läßt, was aus der Fülleder Wissenschaft auf die Mannigfaltigkeit der einzelnen Fälle paßt. Genie kannnicht erworben, aber es kann geschärft werden durch öftere Anwendung der Wissen-schaft auf besondere Krankheitsfälle, durch Vergleichung der Ähnlichkeit derselbenund Unterscheidung ihrer innern Verschiedenheiten, durch Übung im Auffinde» dessichtigen Mittels gegen jeden derselben, und in Unterscheidung der Made derWahrscheinlichkeit rc., wodurch endlich die Kunstfertigkeit entsteht. Die nothwen-digsten körperlichen, geistigen und moralischen Eigenschaften des wahren Arztessind folgende: Regelmäßige Bildung des Körpers, indem auffallende Mißbildungeine» unangenehmen Eindtuck macht; Gesundheit, insofern sie auf die Wirksam-keit des Geistes und auf die Stimmung des Gemüths unbezweifelten Einfluß bat;Stärke der e^inne, zur schnelle» Auffassung aller aus den Kranken sich beziehenden,sinnlich wahrnehmbaren Umstände. Unter den geistigen Eigenschaften sind vorzüg-lich Scharfsinn, Einbildungskraft, Gegenwart des Geistes, Beobachtungsgabeund Selbstdenken erfoderlich. Unter den moralischen Eigenschaften sind die vor-nehmsten: Religiosität, als zum Vertrauen des Kranken, zur Bewahrung desPflichtgefühls und zur Erhebung des Muthes bei den das Gefühl bestürmendenwidrigen Erfahrungen, unerläßlich nothwendig; Geduld in Erwägung der Müh-seligkeiten des ärztlichen Berufs und der Schwächen der Kranken, und nöthig zurBewahrung einer gleichmuthizen Stimmung; Mäßigkeit und Enthaltsamkeit insinnlichen Genüssen, um jederzeit den Pflichten des ärztlichen Berufs genügen zukönnenz Verschwiegenheit, Uncigennützigkeit, Klugheit :c. Die Pflichten desArzreS fließen aus den Begriffen des Zwecks und des Gegenstandes seiner Thätig-keit. Die kostbarsten der irdischen Güter übergiebr ihm der Mensch : er hosst vonihm Erhaltung deS-LebenS lind Wiederherstellung der Gesundheit. Der Arrt mußdaher die Höhe des jedesmalige» Standpunkts der Arzneikunde zu erreichen streben,also beständig fortstudiren, mit den Beobachtungen und Belehrungen anderer Ärzteund mir den Bereicherungen der stets fortschreitenden Wissenschaft und Kunst »'ichbekanntmachen, er muß treu und sorgfältig m Ausübung seines Berufs sein, ermuß über Das, was der Kranke ihm anvertraut, was er von häuslichen Ver-hältnissen desselben sieht, Verschwiegenheit beobachten :c. Das Verhältniß desArztes zum Publicum lind zum Staate läßt sich gleichfalls aus dem Zwecke derHeilkunst ableiten. Das Publicum erwartet von dem Arzt, als wissenscbaftöichonKünstler, Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit. Vor dem Arzt giltkein Ansehen der Person; Fürst oder Unterthan, Reicher oder Bettler, alle Meui-schen sind ihm gleich. Als Kranke können sie nur in soweit Rücksicht auf .äufiereVerhältnisse verlangen, als solche auf den Heilzweck Einfluß haben. Der Ar-zt,welcher sich von den äußern Verhältnissen des Kranken, von eigennützigen Rücksich-ten bestimmen läßt, verkennt seine Würde. Die Verpflichtung zur Dankbarkeitgegen den Arzt ist größer, al? bei jedem andern Künstler. Hierunter verstehe n wirjedoch nicht die eigentliche Bezahlung, als welche nach gewissen Bestimmumgien