Band 
Erster Band. A bis Bl.
Seite
483
JPEG-Download
 

483

Astronomie

Weltkörper erfolgen nach unwandelbaren Gesetze»? soll uns also theils mit Demjeni-gen bekanntmachen, was über die natürliche Beschaffenheit der Wcltkorpcr entdecktworden ist; theils aber, und vorzüglich, die scheinbaren Bewegungen, Großenu. s. w. der Gestirne beobachten, und daraus die unveränderlichen Gesetze ihrer wah-ren Bewegung, ihre Entfernung, ihre Dimensionen u. s. w. herleiten. In Bezugauf diesen letztem und hauptsächlichem Gegenstand der Wissenschaft theilt mansie gewöhnlich in drei große Hauptabtheilungen, in die sphärische, theorischeund physische Astronomie. Die sph arische Astronomie hat es mit den erstensinnlichen Wahrnehmungen des Himmels, mit der Lage seiner Gestirne an derscheinbaren Himmelskugel, soivol unter sich als gegen gewisse eingebildete Kreiseund Punkte derselben, mit der Kenntniß der verschiedenen Stcrngrupxen, die siezu Bildern vereinigt und auch wol unter dem besondern Namen der Astrogno-sie (s. d.) betrachtet»», s. w., zu thun. Man könnte sie die empirische Astrono-mie nennen, weil sie sich, mit wenigen Zuhülfenahmen, auf Darstellung der Artbeschränkt, wie der gestirnte Himmel den Sinne» des aufmerksamen Beobachterserscheint; und sie fuhrt den Namen der sphärischen nur, weil sich der Sternen-himmel dem Auge in Form einer Halbhohlkugel sspIniriH darstellt. —Dietheorische (von Theorie oder speculirendem Nachdenken über die Erscheinungenso benannt , theoretische, oder, im Gegensatze des bloßen Empirismus jenererster» Abtheilung, auch wol die scienri fische Astronomie, erhebt sich vondem sinnlichen Scheine der Vorgänge am Eternenhimmel zu der höher» Frage: obund welche Erklärung der scheinbare Widerspruch und die Unverständlichkeir jenesScheines zulasse? ob sich z. D. der Himmel mit seinen vielen Mülionen Sie»neuvon Morgen gegen Abend um die Erde, oder umgekehrt letztere, in entgegengesetzterRichtung, um ihre Axe drehe? ob die Sonne um die Erde laufe, wie es scheint,oder die Erde sich vielmehr um die Sonne bewege, wie es ein tieferes Nachdenkenanzunehmen zwingt? u. s. w. Sie untersucht und beantwortet diese Fragen mitHülfe der Mathematik, und gelangt solchergestalt dahin, die wahren Bewegun-gen der Himmelskörper, namentlich der zu unserm L on nensvsteine gehörigen,zu bestimmen, und, »vas für das bürgerl. Leben ain wichtigsten ist, den Ort einesjede» derselben für beliebige zukünstige Zeitpunkte vorauszusagen: Sonnen- undMondfinsternisse (s. d.)nach allen ihren Umständen zu berechnen und für denCale» ker (s. d.) zu nutzen, Oppositionen und Conjuncrione», Bedeckungen undVorübergänge anzugeben, Folgerungen daraus für die Theorie der Planeren undNebenplaneten zu ziehen, und diese Theorie dadurch zu einer solchen Vollkommen-heit zu erheben, daß z.B. der Seefahrer aus dein spurlosen Ocean in Tafeln überden jederzeikigen gegenseitigen Stand von Mond und Gestirnen fiebere Anleitungzur Bestimmung seines Ortes und Weges findet. — Die physische Astronomieendlich gibt das oberste Gesetz der verwickelten Bewegungen der Gestirne an undlehrt, nach den Regel» der Mechanik, alle diese Erscheinungen auf die gegenseitigeAnziehung der Weltkörper und die Regel, »ach welcher dieselbe erfolgt, zurückfüh-ren. Man könnte sie mit der vorigen Abtheilung unter einer gemeinschaftlichen Be-nennung der seien tifi sehen vereinigen. Man denke sich den Sternhimmelunter dem Bilde einer Uhr, die bloße, sinnlich wahrnehmbare Zeigcrbcwegung alsden Gegenstand der sphärischen, das Räderwerk mit seinem, jene Bewegung er-zeugenden Einflüsse als den Gegenstand der theorische», und die Feder hiernächst,die letzte Ursache aller Bewegung, als den Gegenstand der physischen Astronomie.In diesen drei Abtheilungen üb das ganze theoretische System der Wissenschaft ent-halten; aber alle die Geschicklichkeiten und Handgriffe zur Beobachtung, zur Be-handlung und Erhaltung der nöthigen Instrumente u. s. w. machen außerdemnoch den Inhalt der beobachtenden, gleichwie die Kenntniß der verwickeltenastronomischen Rechnungen denInhalt der rechnenden Astronomie, und beide

31 *