Atheismus 493
hatte er 20 in der Verbannung verlebt, den größten Theil der übrigen aber zurVertheidigung des nicäische» Glaubensbekenntnisses angewandt. A. gehört zuden größten Männern, welche die Kirche ausweise» kann. Sein tiefer Verstand,sei» edles Herz, unerschütterlicher Muth, lebendiger Glaube, unbegrenzte Näch-stenliebe, aufrichtige Demuth, hohe Beredtsamkeit und eine strenge Lebensweisegewannen ihm Ehrfurcht und Liebe. Seine Schriften sind polemischen, histori-schen und moralischen Inhalts. Die polemischen betreffen hauptsächlich die ge-heimnisvollen Lehren der Dreieinigkeit, der Fleischwerdung Ebristi und der Gött-lichkeit des heil. Geistes; die historischen sind von höchster Wichtigkeit für dieKirchengeschichte. In allen ist die Schreibart durch Klarheit ausgezeichnet,und der Ton angemeffen. Seine RecytferligungSschrift an den Kaiser Kon-stantins ist ein Meisterwerk. Die beste Ausgabe ist von Momsaucon (Paris 1698, 3 Bde., Fol.). Als eine Ergänzung derselben kann der 2. Bd. der „Bi-bliothek der Kirchenvater" desselben Herausgebers (1706) betrachtet werden. S.Mohler's „AthanasiuS der Große und die Kirche seiner Zeit" (Mainz 1827,2 Thle.).
Atheismus, GotteSleugnung, wird als Lehre und Ansicht dem Theis-mus (oder Deismus ), als Denkart und Gesinnung dem Glauben und der Religio-sität entgegengesetzt. Darauf gründet sich die Unterscheidung zwischen theoretischemund praktischem Atheismus; letzterer wird jedoch paffender Unglaube und Irreli-giosität genannt. Außerdem kamt man ihn in einen skeptischen, welcher die Mög-lichkeit des Daseins Gottes zugibt, und in einen dogmatischen eintheilen, welcherdas Nichtsein Gottes zu erweisen versucht. Es entspringt aber der Atheismus ent-weder aus jenem Skepticismus, welcher die Wahrheit aller menschlichen Erkennt-niß bestreuet, das Denken für ein bloßes Spiel mit Vorstellungen, denen keineGegenstände entsprechen, erklärt, und leugnet, daß der Mensch irgend Etwas mitSicherheit zu erkennen vermöge; oder zweitens aus der Verkennung der verschiede-nen Gebiete der menschlichen Erkenntniß und dem Verlangen, da schauen und wis-sen zu wollen, wo dem Menschen nur zu glauben vergönnt ist; oder endlich, undzwar am öftersten, aus dein Wahne, daß der Mensch keine höhere, von dem Sinn-lichen verschiedene Natur in sich trage, daß seine Begriffe von Recht und Pfiichtnicht aus ursprünglichen und nothwendigen Anlagen seines Gemüths hervorgehen,sondern nur zufällige Wirkungen der Erziehung und der bürgerlichen Verhältnisseseien, daß er mithin keine sittliche Bestimmung babe. Da es vornemlich das Be-wußtsein seiner hoher» Natur und sittlichen Bestimmung ist, was den Menschenzu Gott fuhrt, und zwischen der Philosophie und den Sitten jedes Zeitalters einwechselseitiger, leicht begreiflicher Zusammenhang stattfindet, so ist es sehr natür-lich, daß der'.Atheismus besonders in den Zeiten des Sittenvcrderbens zu entstellenund Eingang zu finden pflegt. Dies war der Fall unter den Griechen seit den Zei-ten des PerikleS, wo die ebenso atheistische als sittenwidrige Lehre vieler Sophistenauf der einen Seite aus dem Leichtsinne und der Genußliebe des Zeitalters hervor-ging, und auf der andern wieder dazu diente, das Laster und den Unglauben sicherzu machen. Dies war der Fall unter den Römern seit den Zeiten Augusts, wokeine Lehre mehr Eingang fand als die Lehre Epikur'S, welche Gott und die gött-lichen Dinge leugnete, in der Natur Nichts als das Wirken eines blinden Zufallserkannte und den Genuß für die letzte Bestimmung des Menschen erklärte. Dieswar der Fall i» Frankreich in den Zeiten vor der Revolution, wo cS sich die Ency-klopädisten und andre Schriftsteller, namentlich der Verfasser des „8v8lönii- ,la !,->n!>lnr,'", zum Zwecke ihrer schriftstellerischen Thätigkeit machten, die religiösenBegriffe zu bestreuen und den Glauben in den Gemüthern der Menschen zu zerstö-ren. Wie weit aber auch in solchen Zeiten der Atheismus sich ausbreite, nie kanner allgemeine Ansicht werden; denn unabweisbare Bedürfnisse des Geistes und des