Band 
Erster Band. A bis Bl.
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Attitüde

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Der Kaiser hatte kein Heer ihm entgegenzusetzen. Das römische Volk und derSenat nahmen ihre Zuflucht zu Thränen und Kitten. Papst Leo I. egal' sich mitden römischen (Gesandten in§ feindliche Lager, und es gelang ihm, d>n Frieden zuvermitteln; A. kehrte nach Ungarn zurück. Die Römer sahen ihre Rettung fürein Wunder an, und die alte» Chroniken erzählen, daß die Drohungen des best.Petrus und Paulus den A. geschreckt härten: eine Legende, welche die Kunst Ra-fael's und Algardi'S verewigt hat. Da A. die Honoria nicht zur Gemahlin er-halten harre, wollte er sie zum zweiten Male mit dem Schwerte in der Hand fe-dern , und nur ein neuer Zuwachs zu seinen zahlreichen Weibern an der schönenIldiko, mit welcher er sich feierlich vermählte, hielt ihn ab, seine Drohungen zuerfüllen. Er st, erließ sich bei dieser Gelegenheit allen Ausschweifungen der Wollust.Aber als am Tage nach der Hochzeit die Hosteute und Krieger, ungeduldig, ihrenHerrn zu grüßen, in das Zelt drangen, fanden sie die Zltiko verschleiert bei dem er-starrten Leichname ihres Gemahls sitzen. Während der Nacht war er in seinem eig-nen Klure erstickt (453). Die Nachricht von seinem Tode verbreitete Trauer undSchrecken im Heere. SeinKörper ward in 3 Särge verschlossen; der erste war vonGold, der zweite von Silber, der dritte von Eisen. Die Gefangenen, die das Grabgemacht batten, wurden erwürgt. Das Bild, das Iornantes uns von diesem Bar-barenkönig hinterlassen, erinnert an seine» tatarisch-kalmückischen Ursprung. Erharte einen dicken Kopf, eine stumpfe Nase, breite Schultern, einen kurzen un-förmlichen Wuchs. Sein Gang war stolz, seine Stimme stark und wohltönend.S. I). Klemm, „Attila , nach der Gesch., Sage und Legende :c."(Lcipz. 1327).

Attitüde, ein sranz. Kunstausdruck, der, vorzüglich in den Künsten, dieStellung oder Lage lebendiger Figuren, meistens in Zuständen der Ruhe, bezeichnet.Weil die Kunst, vermöge ihres Zwecks, nur bedeutungsvolle Gegenstände wählt,so müssen diese Stellungen und Lagen der Figuren nicht nur die Formen der Körperund ihre Verhältnisse au sich, oder durch den Reiz der Farbenbeleuchtung (in ma-lerischer Hinsicht) in einem vortheilhasten und das gebildete Auge erfreuenden Bildezeigen, sondern auch durch alles Dieses einen bedeutungsvollen und interessantenZustand des Lebens musterhaft darstellen. So sind jene Stellungen in der Kunstnicht um ihrer selbst willen da, und dürfen nicht als solche auffallen, sondern erhal-ten eine höhere Bedeutung durch den Charakter der Figuren, welchen sie zugleichmir und an den Formen, denen sie beigelegt werden, bilden sollen, oder durch denSinn der Handlung, in deren Darstellung sie verwebt sein können. Denn fie-len sie durch sich selbst als Stellungen auf, und wären sie nicht etwa bloß Lehr -und Übungsbeispiele, durch welche der Schüler sich Leichtigkeit in der Behandlungkörperlicher Formen erwerben will: so wurden sie dem gebildeten Beschauer, dernicht bloß körperliche Verhältnisse sieht, steifund unerfreulich erscheinen, oder, wennsie der Darstellung einer Handlung untergeordnet sein sollten, den Sinn des Gan-zen durch die gesuchte Bedeutsamkeit des Einzelnen nothwendig zerstören. Dahernennt man im gemeinen Leben nicht jede, sondern vorzüglich eine gewählte, d. i.bedeutsame und schöne Stellung eines menschlichen Körpers, insofern durch dieselbeein innerer Zustand oder überhaupt ein idealer Charakter des Menschenlebens be-zeichnet wird, ja selbst oft die Verhältnisse, aus welchen der Zustand hervorgeht,verbunden mit Dem, was zunächst dem Körper gehört, eine Attitüde. Daß wiraber dieses selbst in unserer Sprache mit einem ftumz. Ausdrucke bezeichnen, selwmtdaher zu kommen, weil die Franzosen , welche Kant irgend einmal geborene Tanz-meister nennt, gerade in diesem Stucke, d. h. wegen der durch Ausbilduna ibreSgesellschaftlichen Talents begünstigten feinen Auswahl wohlgeü.lliger Stellungen,bis zu dem Äußersten, wo die Wahl selbst bemerkt wird und diese Stcllunaen insGezierte, Gesuchte und Unwahre fallen, von den deutschen und andern Völkernneuerer Zeit zum Muster genommen worden sind. Auch die Mümk, welche mitEoiwersarions-Lericvn. Bd. I,' 33