Band 
Erster Band. A bis Bl.
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Attribut

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convenkionnellen. Denn wenn gleich das Attribut nicht Alles sein soll — weil sonstdie Figur Nichts sein würde —, so soll es koch den Ausdruck unterstützen. Es istaber um so ausdrucksvoller und lebendiger, je wesentlicher es ist, und um so kalterund frostiger, je mehr es auf Willkür beruht. Dieser Zweck des Attributs erfodertauch Deutlichkeit und Ungesuchrheit desselben. Auch darin hat das wesentliche At-tributvor dem conventionnellen den Borzug: denn jenes wird allgemeiner verstanden,dieses aber nur da, wodie besondere Übereinkunft oder Gewohnheit, welche von ver-schiedenen Litten, eigenthümlicher Denkweise oder zufälligen Umstanden abhängt,herrschend ist. Die äußere Form des Kunstwerks gebietet endlich, das Attribut injedem Falle, selbst wenn es ein zufälliges ist, mit den räumlichen Verhältnissen derFigur, der es angehört, in eine wohlgefällige und lebendige Übereinstimmung zubringen. In der Wahl desselben, wie in der sinnreichen Verbindung mit seiner !Figur, zeigt sich daher Witz, Erfindungskraft, Geschmack und die plastische oder ^malerische Anordnungsgabe des Künstlers in einem hohen Grade, wiewol nicht zuleugnen ist, daß die Künstler hierin meistens von dem Geschmacke und Charakterihres Volkes mehr oder weniger abhängig sind, indem ihnen eine Summe gebräuch-licher Sinnbilder schon durch ihre Sprache, Religion und Poesie überliefert wird,welche sie zur nähern Erklärung ihrer Figuren, wegen ihres allgemeinen Verständ-nisses, anzuwenden und selbst der eignen Erfindung vorzuziehen bestimmt werden.Der größte Theil der Attribute ist mithin in gewissem Sinne conventionnell, undglücklich ist darum der Künstler, dessen Nation in der Wahl ihrer Lin,ibildcr deninnern Zusammenhang der Dinge, namentlich die innere Verwandtschaft geistigerunk sinnlicher Gegenstände, leicht und sicher trifft; seine Attribute werden bedeu-tungsvoller sein. In dieser Hinsicht ist nun zwischen den Darstellungen der antikenund der neuern Kunst ein bedeutender Unterschied. Denn erstere, namentlich dieKunst der Griechen, gegründet aufeine anschauliche Denkweise, welche in dem Sinn-lichen das Geistige fand und darstellte, und in engerer Verbindung mit der Naturden tiefen Sinn derselben wohl verstand, wodurch auch ihre Kunstwerke den Scheindes Nothwendigen und Natürlichen erhielten, ist auch in ihren Attributen bedeu-tungsvoller, kräftiger und natürlicher (so verstärkt z. B. Blitz und Donnerkeil denAusdruck des Himmelskönigs Jupiter ); —die Neuern aber, deren Ansieht mehrauf dem Verstände beruht, das Geistige und Körperliche schärfer trennt, mithinweniger poetisch ist, deren Kunst daher auch mehr von dem Geistigen ausgebt unddadurch mehr allegorisch wird, suchen für das Geistige in allenSphären das Sinn-bild, und sind genöthigt, sich öfter dem bloß Convenrionnellen zu überlassen, welchesdoch meistens so vieldeutig und kalt ist. Dem griechischen und römische» Künstler,dessen Gestalten an sich schon so individuell und (brechend waren, stand auch nochznr Erkl wung derselben eine Menge bedeutsamer und wohlgefälliger Attribute, durchseine Religion geheiligt, durch Mythologie ihm überliefert, zu Gebote. Die un-bildliche Religionsansicht der Christen dagegen begünstigt hierin den Künstler weni-ger, und die meisten seiner Attribute, wofern er sie nicht von der Antike entlehnt hat,bleiven willkürlich und von partiellem Verständniß; ja selbst für letztere fehlt demPublicum der antike Linn. Man vergleiche nur z. B. die griechischen Gottheitenund ihre Attribute mit den allegor,scheu Personen derNeuern oder mir der Darstel-lung der Evangelisten und Märtyrer, denen bald eineKne,pzange (der heil. Apollo-nia), bald ein Rost (dem heil. LaurentiuS), bald ein Kreuz (dem heil. Andreas), oderein andres Marterwerkzeug, zur Andeutung ihrer Persenlichkeir, aus der Legendehergenommen, beigefügt werden mußte. —Der Gebrauch der Attribute in der bil-denden Kunst, vorzüglich der conventionncllen, maebt aber eine Ikonologie, d. i.eine Lammlung der von alten und neuern Künstlern gebrauchten Attribute undSymbole, sehr brauchbar. Eine vollständige giebt es noch nirgends. Einen Ver-such findet ma» in dem ästhetischen Wörterbuch« von Warelet und Levesgue u. d.