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tcn hielten; und da zugleich Nichts unterlassen wurde, was das Schicksal der Ar-men erleichtern kannte, so blieben auch die ärmsten Gegenden von den SchrecknissendesHungerS befreit. Die ältern Einwohner, die sich der traurigen J.von 1111 und1112 erinnerten, bemerkte» mit Wohlgefallen, wie sehr sich in diesem Zeitraume derWohlstand des Landes gehoben und die öffentliche Verwaltung verbessert hatte.Schon öffnete sich die Aussicht auf sorgenfreiere Tage, als der Herzog, der nie ernst-lich krank gewesen war, den 11. Mai 1822 in der Blüthe seiner Jahre einer kurzenBrustkrankbeit unterlag. Obgleich als Kind von kränklichem Ansehen, übermäßigblond und blaß, hatte sich sein Körper doch in den Jahren der Reife glücklich ent-wickelt, und er genoß einer guten Gesundheit. Männlichen Leibesübungen warer abgeneigt. Er liebte ein weichliches Leben, sodaß er einen großen Theil des Ta-ges im Bette zubrachte, hier Besuche annahm und Geschäfte besorgte. Doch hatteer, wenn er sich einmal in Bewegung setzte, eine bewundernswürdige Ausdauer.Er konnte für einen schönen Mann geltenz vornehmlich war sein Wuchs hoch, reichund im schönsten Ebenmaße; aber die Bildung seines Körpers, sowie die Farbeseiner Haut, neigte sich zur weiblichen Natur. Sein Gesicht war schwach; durcheine Art von Ahnung bemerkte er jedoch, was ziemlich weit von ihin geschah. Waser einmal in das Auge gefaßt hatte, prägte sich ihm unauslöschlich ein, sodaß ernach Jahren noch die kleinsten Eigenrhümlichke ten einer Gestalt, einer Localitätoder eines Kunstwerks anzugeben im Stande war. Da er viel las und selten Etwasvon Dein vergaß, was er gelesen oder gehört hatte, so besaß er eine große Mengevon Kenntnissen, ohne sich darum bemüht zu habe». Überwiegend in ihm warenPhantasie, Gemüth und ein lebendiger, oft spielender, bisweilen auch stechenderWitz. Er legte sich selbst ein ausgezeichnetes Divinationövermöge» bei, und wieoft ihn auch dabei seine Einbildungskraft getäuscht haben mag, so war doch nichtzu verkennen, daß er Vieles mehr jener Kraft als sorgfältiger Beobachtung ver-dankte, und daß z. B. sein schnelles und sicheres Auffassen der EigenthümlichkeitenAndrer aus eben dieser Quelle entsprang. Diese Eigenschaften, verbunden miteinem lebhaften Streben sich mitzutheilen, machten seinen Umgang anziehend, undes mag ihm selten mißlungen sein, da zu gefallen, wo er es wünschte; aber diegroße Reizbarkeit seines Gemüths setzte ihn den Verstimmungen und schnellemWechsel der Laune aus. Seine Geduld war schnell erschöpft: dann ging seine Leb-haftigkeit in Heftigkeit über; aber sein Zorn war kurz. Beständigkeit in persönlichenNeigungen rechnete er sich zum Ruhm, und er bewahrte den äußern Schein der-selben, auch wenn ihr inneres Leben abgestorben war. Unter den Eigenschaften,die den Menschen schmücken, gab er gefälliger Anmuth den Vorzug. Freigebigkeitbis zum Übermaß schien ihm eine der fürstlichsten Tugenden. Der Herzog unter-hielt mir einige» Freundinnen, mehr noch als mit Freunden, einen regelmäßigenBriefwechsel. Alle seine Briefe haben ein originales Gepräge, und wie sie leer vonSachen und Ereignissen sind, so sind sie voll von Gedanken und überraschendenWendungen. Halte ein äußeres Bedürfniß die Veranlassung dazu gegeben, so ver-schwand dieß: bald unter dem köhern Bedürfnisse, seiner Phantasie oder dem Stromedes Witzes und der Rede in sich Luft '<> machen. Daher wechselt auch Ton undFarbe seiner Briefe weniger nach den Piwsoncn, an die sie gerichtet sind, als nachseiner eignen Laune; oft hat er mit höchst beredten und reich ausgestatteten BriefenMeiischen Modchändler zum Beispiel und Haarkräusler) beehrt, denen die Eigen-thümlichkeiten des fürstlichen Verf. ein Räthsel oder eine Thorheit scheinen mußten.Seit seinem 3Ü. I. beschäftigten ihn auch schriftstellerische Arbeiten. Das Erste,worin er sich versuchte, waren Portraits von bekannten Personen, an denen niantreffende Richtigkeit und Anmuth der Darstellung rühmte; dann ein größeresWerk, ,,Panedone" die All-Lust) betitelt, mehr Märchen als Roman, unvollen-det, aber von allen seinen Erzeugnissen vielleicht das eigenthümlichste. Eine ArtCtlwcriaiionSiLexicvi!. Bd. I. 85