Band 
Erster Band. A bis Bl.
Seite
547
JPEG-Download
 

AugustimiS L47

gelangen, so übernahm er nach dem Waffenstillstand als Generallieutenant dasConimando der 12. Brigade, die bei dem 2. (Klcist'schcm Armeecorps i» Böhmen stand. An ter«pitze dieses TruppentheilS focht er in den schlachten von Dresden ,Kulni, Leipzig, Montmirail, Laon und Paris , sowie in vielen kleinern Gefechten.Mehrmals trugen er und die peinigen zur Entscheidung des «iegs bei. Noch grö-ßer ward stin Wirken, als er 1815 das Commando über das 2. und norddeutscheArmeecorps erhielt, welches zur Belagerung der Festungen an der NordgrenzeFrankreichs bestimmt war. Prinz A. wich hierbei, ohne die Truppen zu sehrauszusetzen, von dem gewöhnlichen Gange der Belagerungen ab, er täuschte meistdurch einen falschen Angriff, eröffnete die Parallelen sehr nahe, ging mit den Lauf-gräben rasch vor, ängstigte die Werke und die Stadt mit einem starken Feuer, be-sonders aus Wurfgeschutz, und bewirkte durch diese klugen und energischen Maß-regeln in kurzer Zeit die Übergabe von Maubcuge, Philippeville , Marienburg,Longwv. Rocroy, Givet nebst dem Mont d'Haurs, Mommedp, Sedan und Me-ziereS. Bei den meisten dieserBclagerungen war er selbst gegenwärtig. So erwarbsich der Prinz die meisten Ehrenzeichen Europas , nicht als Furstensohn, sondernals verdienter Krieger. Nach dem Kriege nahm er sich der Artillerie auf das thä-tigste an, sargte für bessere Einrichtung der Geschütze, für vorzügliche Ausbildungder Äfficiere und Truppen u. s. w.; er ist daher von der ganzen preuß. Armee alsder tüchtigste Chef, den die preuß. Artillerie je gehabt hat, anerkannt. Der Prinzist jetzt General der Infanterie, Generalinspector und Chef der Artillerie, lebt zuBerlin und besitzt durch die Erbschaften von seinem Vater und seinem bei Saalfeld 1806 gebliebenen Bruder, Louis Ferdinand, unstreitig das größte Privakvermö-gen im ganzen preuß. Staate.

AugustinuS (der heilige), einer der berühmtesten Lehrer der christlichenKüche, geb. zu Tagastc, einer kleinen Stadt in Afrika , den IZ.Nov. 354, unterder Regierung des Kaisers Konstantin, hat i» einem Buche, dem er den Titel„Bekenntnisse" beilegte, sein Leben erzählt. Seine Ältern schickten ihn zur Voll-endung seiner Studien nach Cartbago; allein er entsprach ihren Erwartungen nichtganz, da er jedes ernste und trockene Studium verabscheute ünd nur von solchenDingen angezogen ward, die das Herz beschäftigen. In seinem 16. I. faßte ereine große Neigung zu den Frauen. -5 Jahre lang wurde er von einer Gelieb-ten gefesselt, mit der er auch einen «ohn zeugte. Erst als er seine ganze Lebens-art änderte, verließ er sie. Ein Buch des Cicero: ,,HortenstuS", das nicht aufunsere Zeiten gekommen ist, leitete ihn auf das Studium der Philosophie, und dadiese seinem Gefühle nicht genügte, trat er zur Sekte der Manichäer. Unter ihnenwar er 9 Jahre lang Zuhörer; als er aber zu einer deutlichen Erkenntniß ge-langte, verließ er sie und begab sich von Afrika nach Rom und von da nach Mai-land , un. hier die Stelle eine? Lehrers der Beredtsamkeit einzunehmen. Der heil.AmbrostuS war daselbst Bischof, und durch die Reden desselben lernte er das ortbo-dope Christentkum hochachten. Das Lesen der Briefe des Paulus brachte eine völligeLebens- und Sinnesänderung in ihm hervor. Die katholische Kirche feiert jeden3. Mai ein eignes Fest zum Andenken an tiefe Begebenheit. Er zog sich in dieEinsamkeit zurück, schrieb hier mehre Bücher und bereitete sich auf die Taufe vor,die er im 35.1. seines Lebens mit seinem Sohne Ateodat aus den Händen des Am-brosiuS empfing. Er kehrte nach '.Afrika zurück, verkaufte seine Güter, gab denGewinn daraus den Armen und behielt nur so viel für sich, um mäßig leben zu kön-nen. Als er einst in der Kirche zu Hippon gegenwärtig war, bezeigte der Bischof,der sebr alt war. das Verlangen, einen Priester zu weihen, der ihn unterstützenund einst als Bischof ihm folgen kenne. Auf Bitten des Volks trat A. in dengeistlichen Stand, predigte mit außerordentlichem Erfolge und ward 395 Bischofzu Hippon. Er gerierh mit dem sittlich reinen PelagiuS (s. Pelagianer)