Band 
Erster Band. A bis Bl.
Seite
556
JPEG-Download
 

556 Ausdünstung !

lösung des Wassers in der Lust als Ursache der Ausdünstung namentl. vertheidigt 'wird von Hübe in s.Schrift: „Über die Ausdünstung" lLeipz. 1790).

linker Ausdünstung des thierischen und menschlichen Körpers versteht man .1) diejenige Verrichtung der Haut, mittelst welcher in dem dichten Netze von Haar-Igesatzen derselben bestimmte flüssige Stoffe aus dem Blute abgesondert, in Dunst(oder in einen feinen Duft) verwandelt und als solcher durch die Öffnungen der Haut(die sogenannten Schweif,lbcher, Poren) ausgehaucht werden; 2) zuweilen auchdiese abgesonderten und durch die Thätigkeit der Haut aus dem Körper auSgeschaff-ten Stoffe selbst. Dieser Duft ist unter den gewöhnlichen Verhältnissen so fein,daß man ihn niir bloßen Auge» nicht sehen kann, daher man ihn auch die unmerk-liebe Ausdünstung nennt; er wird aber sichtbar, wen» man die Hand an ei» kaltesGlas oder polirteS Metall hält, auch wenn nian bei kalter Temperatur stark aus-dünstet, oder wenn sich bei noch mehr verstärkter Ausdünstung dieser Duft nicht inder Luft schnell genug auflöst, sondern in Tropfen als schweiß auf der Haut sam-melt. Diese Ausdünstung durch die Haut hat die meiste Ähnlichkeit mit dem ausden Lungen ausgehauchten Dunst, mit der Absonderung der Häute und Membra-nen innerer Höhlen des Körpers, der Bauch - und Brusthöhle, mit denen sie auchin einigem Zusammenhang zu stehen scheint. Diese Wichtigkeit leuchtet noch mehrhervor, wenn nian bedenkt, daß die ganze Hautoberfläche eines erwachsenen Men-schen wenigsten? 18 OFuß enthält und deßhalb die Menge der unaufhörlich aus-dünstenden Stoffe sehr beträchtlich sein muß, welches sich auch durch die genauenBeobachtungen des SanctoriuS (Venedig 1611) vollkommen bestätigt, welchereinen großen Theil seines Lebens auf der Wage zubrachte, und nicht nur alle Spei-sen und Getränke, die er zu sich nahm, sondern auch alle Abgänge genau wog undberechnete, lind dadurch die Erfahrung machte, daß nicht »ich von den Flüssigkeiten,sondern selbst von den fester» Nahrungsstoffen, welche der Mensch zu sich nimmt,ein beträchtlicher Theil durch die Ausdünstung wieder aus dem Körper geht. DieAusdünstung hat 2 für das Besuchen des Körperbaues sehr bedeutende Gegen-stände zu ihrem Zweck. Der eine ist die Reinigung des Blutes von gewissen schäd-lichen und überflüssigen Stoffen. Außer den durch zufällige Umstände in die Blut-masse übergegangenen zusammengesetzten Stoffen, von besondern Nahrungsmit-teln, z. B. Zwiebelgewächsen ». a. m., werden aus dem Blute Kohlenstoff, Was,serstoff und kauptsächlich der Überschuß an Stickstoff durch die Ausdünstung mittelstdcsWärmestoffs in Gas und Duft verwandelt und aus dem Körper geschafft. DieUmwandlung sogar zusammengesetzter, organischer, fester Stoffe in gasförmigeAusdunstung wird in manchen Krankheiten, besonders im Fieber, so außerordent-lich vermehrt und beschleunigt, daß der stärkste Mensch in wenigen Tagen ganz ab-magern kann, ohne andern Abgang als durch die Haut zu haben. Der andre Zweckder Ausdünstung ist die Erhaltung des gleichmäßigen Wärmegrades in deni Körperunk Verminderung der übermäßig sich erhöhenden Hitze in demselben. Jeder le-bende Körper bat seinen eigenthümlichen Stand der Wärme, welcher sich im Gan-zen genommen gleich bleibt, seine Umgebung mag noch so warm oder kalt sein.Die Temperatur des Menschen steht ungefähr von 32 bis 34° Mßaumur). Da beider Ausdünstung durch Verflüchtigung der Stoffe (s. oben) viel Wärmestoff ver-braucht wird, so ist sie ein bedeutendes Abkühlungsmittel für den Körper und eineAbleitung für die im Innern unaufhörlich sich erzeugende Wärme. Je mehr äußereWärme auf den Körper wirkt, oder je mehr durch andere Ursachen, z. B. hitzige Ge-tränke, Bewegung, die innere Wärmeerzeugung verstärkt wird, desto vermehrterwird die Ausdünstung, und also auch desto stärker die Ableitung derWärme. Wirktgroße Kälte von Außen aus den Körper, so wird die Hautverrichtung geschwächt,die Ausdünstung geht.langsamer von statten, der Wärmestoff wird sparsamer ver-braucht, sammelt sich also im Körper mehr an. Daher magern die Menschen gewöhn-