562 AusoniuS Aussatz
ist es noch von keiner erfüllt worden. Die Preßfrecheit wurde mehrmals beschränkt,und der ordentliche Lauf der Rechtspflege durch Lpecialgericbtshöfe gestört. Einsder merkwürdigsten Ausnahmegesetze war das vom3. März 1810 über die Staats-gefängnisse, wodurch die alten I.eltres ,!»- o-x-lx-i fast ganz wieder eingeführt wur-den. Zwar sollte der Einfperrung in ein solches Gefängniß jederzeit ein Bericht desIustizministerS und ei» Befehl des Gebeimenrarhs vorbergehen, sie auch nicht län-ger dauern als ein Jahr; allein es fehlte an einer Einrichtung, wie das Habeas-CorpuS-Recbt in England, um die Befolgung dieser Bedingungen zu erzwingen.Auch unter Ludwigs X VI l >. Regierung dauerten eine Menge Ausnahmegesetze fort.Vergebens heißt es im Art. 3 der Verfassungsurkunde: „Die Franzosen haben dasRecht, ihre Meinungen bekanntzumachen und drucken zu lassen, wenn sie die (bese-tze gegen den Mißorauch der Preßfreiheit beobachten". Durch wiederholte Aus-nahmegesetze ist aber die Censur nicht bloß der politischen, sondern auch der wissen-schaftlichen Journale öfter eingeführt worden. Besonders wurde das Verbrechen,welches der finstere Schwärmer Louvel an dem Herzog v.Berry verübte, dazu be-nutzt, die Preßfreiheit zu beschränken und den Ministern dieDefugniß zu verschaffen,Mensche», welche eines Verbrechens oder verbrecherischer Umtriebe gegen den König,den Sraat und die königl. Familie verdächtig waren, ohne ihnen den gerichtlichenProceß machen zu lassen, einzusperren. Diese Gesetze '.'lken bis zum Ende derSitzung von 1820 dauern. Das Gesetz, die Censur betreffend, ist in der Sitzungvon 1820 erneuert worden, und Zwar bis auf 3 Monate nach Anfang der Sitzungvon 1821; hingegen das Gesetz wegen der Verhaftung verdächtiger Menschen iststillschweigend aufgehoben worden. Auch in Deutschland haben wir Land's fana-tischem Wahnsinn Ausnahmegesetze zu danken (f. Karlsbader Beschlüsse ),welche eine besondere Aussicht über die Universitäten und eine verschärfte (oder er-neuerte) Censur mit sich gebracht haben. 37.
AusoniuS (DeciusMagnuS), der berühmteste rüm. Dichter des l. Jahrh.,geb. zu Burdegala (Bordeaux ) gegen das I. 310, siudirte unter ausgezeichnetenLehrern und erhielt den Lehrstuhl der Beredtsamkeit in seiner Vaterstadt, von woaus sein Ruf sich durch das ganze Reich verbreitete. Valentinian vertraute ihm dieErziehung seines -Lohns GrakiaN an und ernannte ihn späterhin zum S.uästor undPräsectus Prätorü. Als Gratian den Thron bestiegen harre, bezeigte er sich nichtminder dankbav gegen seinen Lehrer. Gegen das I.370 ernannte er ihn zum Con-sul in Gallien. Nach dem Tode Gratian's lebte A. auf einem Landgute bei Bor-deaux seinen Freunden, den Wissenschaften und ländlichen Freuden, und starb um394. Da Valentinian der christl. Religion zugethan war, so ist es wahrscheinlich,daß A. ebenfalls diese Religion bekannte; auch beweisen dieß mehre seiner Gedichte.Die Kritiker sind über den dichterischen Werth des A, nicht einig; unleugbar ist ergeistreich und gelehrt, aber Styl und Vers au haben bei ihm die MängeldcS Zeit-alters, und seine Latinität ist unrein. Man hat von ihm Epigramme, Idyllen, Eklo-gen, Briefe in Versen :c. Die geschätztesten AuSg. sind: Bordeaux , 15,75—80,2 Bde., 4., von Louchav; Paris 1730, 4., Zaubert; Paris 1760—7l), 4Bde.,12. Vgl. Heiger'S „Abhandlung". S. „Zlosc-Ila", lat. und deutsch , nebst einemAbriß von des Dichters Leben, und Anmerk. von IÄ E. Böcking (Berl. 1828, 4.).
Auspicien, s. Augur und Augurien.
AuSsatz , eine bösartige, hartnäckige und gefährliche Hautkrankheit, ei-gentlich im Morgenlande, besonders in Ägvpten und Palästina zu Hause, jedochschon früh durch römische Heere nach Italien gebracht, und späterhin durcb die nachEuropa zuruckkehrendenKreuzfahrer noch mehr im Abcndlande verbreitet, wo er amEnde des 15. Jahrh, verschwand und der Lustseuche Platz machte. Was die AltenAlles zu dem Aussatz rechneten, scheinen mehre hartnäckige Hautausschläge gewesenzu sein, welche nach dem Klima und der Lebensweise der Völker verschiedene For-