Band 
Erster Band. A bis Bl.
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607
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Baden-Baden (Ludwig Wilh., Markgr. von) 60 ?

so zusammengesetzten Stände kamen zum ersten Male 1819 zusammen, wurdenaber nach dreimonatlicher Litzung am -8. Juli entlassen, da sich weder zwischendem Ministerium und den standen, noch zwischen der ersten und zweiten Kammerder lehren eine Ubereinstunmung des Sinnes hatte ergeben wollen. Die Rechteder Standes- und Gruntherren und das darüber ergangene Edier waren, wie esscheint, das vornehmste Hinderniß der Eintracht, und auch hier ließ sich der eineTheil verleiten, die Gesinnungen der Andern, welche gegen die Erweiterung derStandesvorrechte summten, als revolutionnair verdächtig zu machen. Die zweiteVersammlung 18-0 wurde im Juli eröffnet, und obgleich die gegenseitige Stim-mung im Anfang nicht günstiger schien (Versagung des Urlaubs für einige Depu-tiere zurSrändeversannnlung, Verhaftung des Deputieren Winter von Heidelberg )als im vorigen Jahre, so hat sich doch auch hier die heilende und ausgleichende Kraftder Zeit erwiese». Die beiden Kammern haben sich in vielen wichtigen Dingen ge-nähert (Aufhebung der Überbleibsel der Leibeigenschaft, Gesetz über die Verantwort-lichkeit der Minister, Vorstellung gegen die Strenge der! EcnfurcdictS, Gemeinde-verfassung), und die Regierung ist gleichfalls vei s hnend entgegengekommen. Am 5.Sept. wurde diese zweitcNerscunmlung geschlossen. Die Namen Dutrlinger, Win-ter, v.Liebenstein, v. Rotleck, v. Wessenherg und A. sind durch diese Verhandlun-gen Allen werth geworden, welchen dieHerstcllung und Erhaltung einer wirklichengesetzlichen Ordnung am Herzen liegt. Beide Kammern haben ihre Verhandlun-gen selbst herausgegeben. Von der ersten Kammer sind 1819 und 1820 jedes Mal5 Hefte (Karlsruhe , bei Müller), von der zweiten Kammer 1819 2 Hefte und1820 und 1821 7 Hefte (KarlSr., bei Bren n) erschienen. (Dgl. „Hermes", IX,81—139, und X, 205—248, sowie das Archiv für landständssche Angelegenhei-ten im Großherzogthum Baden, mit Bcitr., Abhantl. und Vortrügen von Pau-lus, Wessenberg, v. Turkheim, v. Liebenstcin u. A., herauSgeg. vom Pros.Karl v. Rotteck", Karlsruhe 1820, 2 Bde.) 37.

Baden-Baden (Ludwig Wilhelm I. , Markgraf v.), Enkel des Mark-grafen Wilhelm I. von Baden-Bade», geb. zu Paris d. 8.April 1655, ward vonLudwig XIV. aus der Taufe gehoben. Die Prinzessin v. Earignan, seine Mutter,wollte ihn in Paris erziehen, aber Vater und Großvater nahmen ihn in einem Altervon 3 Monaten heimlich weg, damit er seine Kindheit unter dem Volke zubringenmochte, über.das er einst regieren sollte. -Leine ersten Kriegsdienste that er unter'Montecuculi gegen Turenne in dem Feldzuge im Elfaß, wo dieser große Feldherrblieb. Der Prinz von Baden erhielt den Auftrag, den Ruckzug des franz. Heerszu beunruhigen, und er that dieß mir Erfolg, bis Eondä den Oberbefehl erhielt.Montecuculi nahm seine Entlassung, und der Herzog von Lothringen trat an seineStelle. Ludwig befehligte unter diesem bis zum Frieden von.Nimwegen und kehrtedann 1678 in seine Markgrasfchaft zurück. Als der Krieg zwischen Ostreich undder Türkei ausbrach, waiff er sich mir einem Truppencorps nach Wien , das dieTürken belagerten. Der Herzog von Lothringen und der Konig von Polen , Sobics-ki, kamen dieser Hauptstadt zu Hülfe, und es gelang ihm, durch einen tapfernAusfall sich mit ihnen zu vereinigen. Die Stadt wurde entsetzt, die geschlagenenTürken zogen sich in Unordnung zurück, und Ludwig errang mehre Vortheile. Erbehielt auch nachher den Oberbefehl an der Donau und schlug die Türken den 24.Sept. 1689 bei Niffa und den 19. Aug. 1691 bei Salankemen. 1693 ward ihmder Oberbefehl der Reichsarmee in Deutschland gegen die Franzosen übergeben; ernahm Heidelberg wieder und ging darauf nach England, um sich mit dem KönigWilhelm wegen derKriegSunternehmungen gegen Frankreich zu vereinigen. Er er-öffnete denFcldzug im Fruhjabre 1694, fiel in das Elsaß ein, täuschte die Wach-samkeit des Herzogs von Lorges und bewies die größte Thätigkeit, ungeachtet erheftig an der Gicht litt. Da durch den Tod ScbieSki's 1697 der polnische Thron